Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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rückwartS gehen, trotzdem daß die Würtem-
berger kämpflen wie die Löwen; die Zahl der
Todten und Verwundeten beträgt geM 500.
Die hesfischen JäZer, sowie die unfrigen eröff-
neten den Kampf, wurden aber stark mitgenom'-
men. Die Preüßen sagen selbst, wenn AbendS,
nachdem sie die Bischofsheimer Brücke zum
drittcn Male genommen hatten, den Würtem-
bergern nur ein Regiment zu Hilfe gekommen
wärc, so wären sie alle verloren gewesen, da
höchstenS 4000 Preußen da waren. Die Preu-
ßey haben mehr Todte. wie wir. Sie haben
noch in dcr Nacht dieselben begraben. Dle uns-
rigen lagen bis heute früh auf der Straße und
dem Felde. 2 Häuser brannten. Die Tödfen
hatten sämmtlich keine Stiesel mehr an, auch
die Tornister waren alle auSgeplündert. Die
Verwundcten wcrdcn gut behanhelt. Bsschofs-
heim ist so ausgegeffen, daß heute Hilfe vön
hier perlangt wurde. (S. M.)

Wurzburg, 26. Juli, 5 Uhr Abends. Der
„A- A. Ztg." wird geschricbcn: Vollständiger
Sieg krönte die bayerischen Waffen nach zwel-
tägigen KLmpfen um Roßbrunn und Uetting'en.
Die Preußen begaben sich, arg decimirt, auf
den Rückzug. durch die Wälder, und unsere
Truppcn rückten jubelnd mit zahlreichen Tro-
phäen, als vielen Husarenpferden, Zündnadel-
gewehrcn, über die vier Brücken (wovon drei
Schiffbrücken) hier cin. Die Divisiön Feder
ließen sie auf dem Kampfplatz. Der Kampf
war eigentlich meistens ein Artilleriegefecht;
unsere lrefflich bedienten gezogenen Kanonen
warfen gänze Colonnen meder. Die Kröne des
Tages gebührt aber diesmal nnserer Cavallene,
welche die Scharte von Hünfelv glänzend acks-
gewctzt hat. Eine Attaque von Chevauxlegers
und Cürassieren warf Alles vor sich nieder
und zerstäubte die preußischen Husarenregimen-
ter. Würzburg gleicht einem großen Lager,
Alles xampirt auf den Sträßen, kein Brod,
keine Wurst ist mehr zu haben. Unsere Ver-
luste sind nicht unbedeutend, namentlich litt
hcute daS 1. Artillerieregiment, das 9. Jnfan-
terieregimbnt verlor die Officiere Weher und
Pfeifer. Ein NegimentSarzt erzählte mir, daß
bei der Cavallerie-Ättaque ein Neiterstückchen
sich »ercignete, das an Uhland's „Schwaben-
streich" erinnert. Cin preußischöx H"sar ward
von einem Cürassier förmlich geköpft. Es mäg
nun übcr die Bayern kommen was will, sie
sind wenigstens nicht rühmlos unterlegen, manche
Wittwe prenßischer Landwehrmanncr wird die-
sen Kampf beweinen. Bei dcm etwa 5 Stun-
den währenden Uebergang der bayerischen Ar-
mee über vier Brücken drangte sich der Seuf-
zer auf: „wäre doch nur der vierte Theil die-
ser Massen bei Kissingen und Hammelbürg
gewesen." Kein Preuße wäre in's Land ge-
kommen.

München, 27. Juli. Die „Bayr. Ztg."
schreibt: „Nach cinem Bericht aus dem Haupt-
quartier hat sich die bayrische Artilleric in dem
Treffen bei Noßbrunn der preußischcn wieder-
holt überlegen geZeigt, uüd äuch unsere Kaval-
'lerie fand die erwünschte Gelegenhcit sich mit
der preüßischen zu messen. Einige Angriffe
derselben waren aüsgezeichnet. — Nach amt-

stößt mit seinem Stock so oft auf, als er einen
Schritt thut; der Flaneur rejbt mit dem Knopfe
seines Stockes den Mund, die Wangen, das Kinn;
wer froh ist, faßt seinen Stock in ber Mitte und
schlägt mit dem Knopfe in die hohle Hand. Der
Rentncr trägt seinen Stock unter dem Arm, der
plauderhafte Müßiggänger hält ihn mit beiden
Händen auf dem Rücken, unb ber Auflaurer hangt
ihn an einen Rockknopf.

Der Fashionable trägt Morgens Reitstiefel (ein
Pferd ist dazu eben nicht nothwendig, aber die Spo-
ren dürfen nicht fehlen); am Tage trägt er Spa-
zierstiefel und Abends zieht er glacirte Schuhe an.

Das Schloß in NikolSburg, ein alteS Besitzthum
der Fürstkn Dietrichstein, jetzt im Besitze der zwei-
ten Tochter des letzten Fürsten, Gräfin Mensdorff-
Pouilly, Gemahlin deS Ministers, ist höchst mrrk-
würdig. In demselben Zimmer, wo jetzt der König
von Preußen wohnt, hat tzuch Kaiser Napoleon I.
nach der Schlackt bei Austerlitz am 9. December
1805 gewohnt und von hier aus in Wien ein-
gezogen. Es ist eineS der großartigsten Schlösser
der an aüsgedehntem Besitze nicht armen hohen !

s lichem Telegramm auS RegenSburg von heute
Morgc» ist Eger, Furth und Umgegend srei
von Prenßen. In Oeksnitz sittd gestern 1600
Mann eingcrückl, die nach Hof bestimMt fein
llen. 3000 Mann ziehen von Präg Sber
eraun gegen Pilsen; ob weiter tst unbekannt.
Der Bahnverkehr zwischen Bayreukh und Kem-
nath, sowie Eger und Weiden hat aufgehört.

München, 27. Juli. Die Bayer. Ztg.
sagt: Ein entschbidenddr Erfolg ist gestern
leiber durch zufällige Umstände vereitelt wor-
den, woran das 7. BundeSarmeecorps keine
Schuld trägt.

München, 28. Jüli, Abends. Einer Pri-
vatmittheilung züfolge häben heute Preußen
und Mecklenbürgcr Bayreüth besetzt, wah'rschem-
lich ohne auf Widerstand zu stoßen. .

München, 28. Zuli. Di'e vön Freiherrn
v. b. Pfordt'en im preüßischeü Häup'tquartier
zü Nikolsburg bezüglich eiste^ Wäffcnstillstandcs
zwischen Preüßen ünd Bayern vereinbärten
Pünktationen haben geftern Nächmittag dähier
die Sanction Sr. Maj. des Königs erhalten.

Geffern Nächmittag 3 Uhr ist denn auch bei
Würzbürg die Einsiellung des Kämpfes erfolgt.
Was bie andern Mittelstäaten betrifft, so will
Preüßen nur uiit jedem cinzelnen derfelben Sc-
parat-Wäffenstillstänö^-Vcrträg'c schließcn, ünd
hat sich deShalb nich) nur, wie bcrcits mitg'e-
theilt, Frh'r. v. Värnbüler gestern Abend über
Münch'en in das preüßische Hauptqüartier he-
'geben, söndern cs hat sich demselbeü von hier
aüs auch Frhr. v. Dalwigk angeschlossen.

München, 29. Jnli. Der „Bayer. Ztg."
zufolgc ist dcr Wäffenstillstand zwischen Bayern
und Preußeu gestexn unterzeichnct wordcn.
Mänteuffel hät den Befehl ertheilt, alle Feind-
seligkeiten einznstellen.

Venedig. Die Festung Chioggla (4 Mei-
len südlich von Venedig) ist von den Ztälienern
V'esetzt.

Ntehrere Einzelhe'iten über dcn glänzendcn
Sieg bei Lissä berichtet folgcndes Telcgramm
aus Triest vom 23^ d.:

Llvybdampfer „Pluto" heute von Lkffa an-
gekommen. Auf demselben befänden sich 10
Gefangene der Schlacht bei Lissa, alle.Neafio--
litaner. Sie geben an, 15 Stunden im Wasser
geschwommen zu sein. Siesindvom „Ne d^Jtalia,"
worauf 695 Männ sich befande'n, dle alle unter-
gegangen sind. Diese Leute behaupten, daß
auch Admiral Vacca sich därauf befand. Das
Schiff soll gleich im Anfange den Dodesstdß
erhalten haben, das in die Luft gesprengte
Schiff wäre „Principe Carsgnano" geibesen,
„Palesiro" sei schon den Tag früher stark be-
schädigt worden, „Afföndatore" hätte einen
Thurm vcrloren und soll auch änderweitig be-
schadigt worden sein.

D eu tsch l ü n d.

-f Heidelberg, 29. Zuli. Zufolgc heute
eingetroffener Depcschen aüs Wien hat Preu-
ßen der Städt Frankfurt an der gcsorderken
Contribution 10 Millionen nachgelässen, so daß
jetzt, nächdem bercits 6 Millionen bäär erldgt
wurden, noch 9 Millioncn zu entrichten wären.
Hoffentlich wird man auf Bezahlung auch öie-

österreichischen Aristokratie, in seiner Lage, Größe ^
und freilich nur thcilweise architektönischen Zier an !
das Heidelberger Schlöß erinnernd. Die Aussicht !
auf die Felsberge, welche das ebenfalls auf einem !
Felsberge liegende Sckloß gewährt, ist außerordent- !
lich schön. Der wohlgepflegte Schloßgarten liegt zwar
hock über der weit nach verschiedenen Thalrichtun- !
gen hin auslaufenden Stadt, aber doch noch in
Thurnihöhe unter dem'Wohnzimmer.

(Aus dem Schlachtenge tümmel.) In der !
Schlacht vön Custozza erhielt ein Lieutenant von !
dem braven Regtmente Baron'Paumgarten Nr. 76- ^
— einem der edelsten Geschlechter Oesterrcichs an- §
gkhörend — dürch die Kugeln der Bersaglieri einen !
Schuß durch die Wangen, den zweiten durch den !
Mund. Ohne Wehklagen, ruhig und still, wie ein
echter Ritter, lag er da und schleppte sich später zu
dem Brunnen nächst dem von seiner Compagnie ^
erstürmten Pfarrhause, nahm mit mätter Hand '
Feder und Papier aus der Brieftasche und fchrieb
einem ihm zur Hülfe herbetgeeilten Officier: „Haben !
wir gesiegt? Hat unser braves Ncgiment den Ort !

ser Summe nicht bestehen und nach den groß-
artigen Triumphcn des preußifchen Heeres nicht
durch solcheS Borgeheü dem Wäffenruhm der
siegenden Armee Eintrag thun.

-s- Heidelberq, 30. Zuli. Jn ddn Amts-
bezirkeß Buchen, WäVdürn uüd kheilweise
Wertheim herrscht große Noth und droht eine
Hungersnoth auszubrechen. Man wirö sich
darüber nicht wundern, wenn man bedenkt, daß
seit bald 14 Tagen Truppenmaffen von etwa
30,000 Mann größtentheils aus diesen ohne-
dieß armen Gegenden ihre Verpflegung ziehen
müssen. Die Behörden sind deßhalb genöthigt,
aus entfernteren Orten Lcbensmittel nachschie-
ben zü laffen. So wurde am letzten Freitag
Mittag iü hiesigcr Stadt iü aller Eile bei den
Backern alleS verräthige Brod — nütürkrch
gegen Züsage eütsprechender Vepgütung — er-
hob'en unb konnten schon um 3 Uhr 1200
Läibe nebst einer zietnlichcn 'Quantität Reiß,
Gersie und Kaffee in die bedrohten Gemtziüddü
abgehen. Sämmtliche Bäcker lieferten mit grd-
ßer Bereiüvillig'kcit ihve Vorräthe ab; nür
Bäcker W. veriveigerte die Herausgabe ohüe
vorherige Baärzahlung und mußte dürch
amtliche Aüdrohung voü Gewaltmaßregeln dä-
zu bewogen werden. — Auch von Mäünhttm
wurdeü gleichzeitig Lebensmittel requirirt und
von hler wird heüte ävieder eine brdcntknde
Menge Brodmehl in den Odenwäld gtseüdbt
werden.

Äie außerordentlrchen Maßnahmen derStaatS-
behördcn könNen nur auf Beischaffung dts
Al lepnothü)en drgst en ßerrchtet sekn. Wettn
der Nöthsiand fortdauert oder einen qrößeten
Umfang gewinüt, so könnte man möglichertveffe
genöthigt sein, an den Wohlthätigkeitssiün nü-
serer Mitbürger zU appelliren, Ünd wir zweifeln
keinen Augenblick, daß in diesem Falle die vor-
dere Pfalz, vie von den S'chrecken des Kriegs
verschont blieb und den Erntesegen glückli'ch
geborgen hat, mit vollen Händen dem armen
bedräNgten OVenwald helsen wird.

Heidekberg, 29. Juli. Ueber den Mi-
nisterwechsel sagt der Karlsruher Correspsttdent
dös „Schw. M.": Däs Ministerium, welches
dem üngeheuren äin 14. Jüni nNd den vor-
hergehenden Tagen geübten Druck (thelkweise
von den Nachbcvrstaatön hcrrüyrend) nachgäb,
wolltc offenbar die jetzt nothwendige Wendunz
'wcder selbst aüsführen, noch durch ein V?r-
'bleiben erschwöüen; in diesem SiNn fvll Lamey's
ErkläruNg im StaatSrath gehalteN gewesen sein.
Lamey personlich ist ein Mann von der größten
Liebe sür sein Land, stets ohne jedeu Zug der
Selbstsucht auf deffen Bestes bedacht, so rccht
cin Mann Nach dem Herzen des Völks, geüial
und jövial zugleich, so wenig Preußenfeind äls
vielleicht Jolly oder Knies. Sein Ausscheiden
berührl deßhalb'sv schmeözlich, weil in ihür ge-
wiffermaßen' der Volksgeist in seiner besten Ge-
stalt zum ersten Mal im Verfassüügsleben
Deutschlands sich an der Negierung bcfand.
Er war der Öito^eo ministre (BürgermiNi-
ster) im aüsgcprägtesteN SiNüe dcs Worts,
därum hatte er auch keinc Feinde, und den
ehrlichen LcNtcn, die sein System bekäwpften,
war scine Person doch lieb und werth. Äls

nkcht hören und nkcht fprtchen. Da'nn sterbe ich
ruhig! Es lebe der Kaiser!" Der Kamerad nickte
mit bem Kopfe, Freude verklärte bas^ Gesicht deS
Verwundeten, er wollte rtwas rufen, ein Theil
der Kinnläde fiel heraus. Der Verwundete nahm

Nach der letztcn von Zeit zu Zeit wiederkehren-
den Stempelung befinden sich im Großherzogthum
Baden beiläufig 140 Mill. österr. Werthpapiere,
in der Stadt Basel 40 Millionen, in Hollänv
180 Millionen. Sämmtliche Papiere Oesterretchs
betragen 2700 Millioncn.

Ein Deutscher, wclcher in Lissabon woynt, schteibt
von dort unter'm 7. Juli: „Wir haben (in dteftm
Sommer) biS jetzt noch keinen heißen Tag gehäbt,

und Abends kann man nicht ohne Ueberzieher aus-

gehen, ohne sich der Erkältung auSzüsetzen. D>e
ältesten Leute haben nie einen solcheu Aänt ünd
Iult erlebt."
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