Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

Page: 122
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1866a/0122
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
lebhafter alS vielleicht manch andere Regierung
längst anerkannt hatte. Sie. hoffte bis in die
letzte Zeit, in dem Bund wenigstens einen Aus-
gangspunkt zu einer genügenden nationalen Ge-
staltung zu finden.

Bei jgegenwärtiger Sachlage kann fie aber
diese Aussicht nicht mehr festhalten.

Man vermag schon aus den Grund der jetzt
vorlicgenden, wenn auch unvollständigen, doch
authentischcn Nachrichten, und noch mehr nach
vollständigercm Einblick in die in der letzten
Zeit gepflogenen und gegenwärtig schwebenden
Verhandlungen nachzuweisen, daß ein Theil der
bisher vcrbündeten Regierungen durch Separat-
verhandlungen und Separatverträge, von denen
selbst nach erfolgtem Abschluß Eurer Königl.
Hoheit Regierung noch keine Kenntniß gegeben
ward, den badischen Staat in die dringendste
Gefahr gebracht haben.

Eurer Königl. Hoheit Regierung war veran-
laßt, AngefiKts dicser Gefahr das Heer aus
den Reihen des 8. Bundcsarmeecorps zurück-
zuziehen, damit es nicht in die Lage kommc,
mit den Truppcn weniger Verbündeten schließ»
lich allein einem übermächtigen Gegncr preis-
gegeben zu scin.

Gegenüber diescn Thatsachen handelt es sich
für die großh. Regierung nicht sowohl um cinen
Austritt aus dem Bund, als viclmehr um den
sormellen Ausspruch, daß der Deutsche Bund
nicht mehr bestehe.

Dieser formelle Ausspruch schcint Eurer Kö-
niglichen Hoheit Regierung im Jntereffe des
Bundeö und VolkeS dringend gebotcn.

Wir erachten uns unter diesen Umständen
für verpflichtet, an Eure Königliche Hoheit den
unterthänigsten Antrag zu stellcn:

Allerhöchstdicselben wollen zunächst und
vorbehaltlich weiterer Schritte geruhen, den
großh. Bundestags-Gcsandten aus der bis-
herigen Bundesversammlung abzuberufen
und denselbcn mit einer entsprechenden Er-
klarung über diesen Schritt beauftragen;

ebenso den großh. Bevollmächtigten bei
der Bundes-Drilitar-Commisfion zurückzu-
bcordern.

Diese Anträge haben dic höchste Gcnehmigung
erhalten-und in Folge davon sind der großh.
Geh. Ratfi Hr. v. Mohl und der Generallieute-
nant Hr. v. Boeckh mit den erforderlichen Wei-
sungen versehen und von Augsburg abberufen.

Karlsruhe, 1. Aug. Bekanntlich hat die
großh. Negicrung nach dem Abschluß des preu-
ßisch-österreichischen Waffenstillstandes Verhand-
lungen auch für die badischen Truppen einge-
leitet, welche in Folge dessen sich bereits auch
auf badischem Boden bcfindcn.

Während der Waffenstillstands-Unterhand-
lungen werden nun, wie man uns mittheilt,
Theile unserer nördlichen Landcsgegend von
königl preuß. Truppen besetzt bleiben.

Das Einrücken derselben in die Amtsbezirke
Mannheim und Heidelberg dürfte in den nach-
sten Tagcn, vielleicht schon^morgen erfolgen.

(Karlsr. Z.)

Stuttgart, 1. Aug. Nach gestern Abend
eingelaufenem Telegramm des Generals von
Hardegg wird derselbe heute, den 1. Aug.,

batterten und zwei sächsischen Schwabronen verstärkt,
«elche sich dahinter aufstellten Um 9 Uhr des fol-
genden Morgens entspann fich bei der Brigade
Mondel ein heftiges Gefecht, bei welchem dret Ba-
taillone der Brigade Henriquez mit einer Cavalle-
riebatterie vnd spätrr noch zwei Bataillone der
Brigade Thom mit einer Cavallrriebatterie als Ver-
stärkung in der Front derBrigade Mondel einrückten,
während 4 Bataillone der Brigade Henriquez und 4
der Brigade Thom, nebst dem größten Theil der Bri-
gade Safran- die Flanke der Brigade Mondel in dem
waldigen Miktclgebirge deckten, wo der Feind in der
rechten Flanke bis an den Preßburger Eisenbahn-
hof vorgedrungen war. Die Brigade Herzog von
Württemberg hielt Walzersdorf und Jarorziner-
berg, das 2. und 20. Iägerbataillon St. Geor-
gen, Modcrn und Bösing, sowic die nordwestlich
führenden Wege besetzt. Der Feind drängte von
allen Seiten mit Uebermacht und versuchte nicht.
nur tn Front und Flankx, sondern auch durch eine

j Vormittags den Waffenstillstand mit Ge-
neral v. Manteuffel abschließen, nachdem
ihm dcr Letztere gestern mitgetheilt hat, daß er
seine Jnstructionen jctzt erhaltcn habe. Ob
der zu demselben Zweck auf dcm Wege dorthin
befindliche Minister v. Varnbüler bis dort-
hin das Hauptquartier des GeneralL v. Man-
teuffel noch erreichen wird, läßt sich bei den
gestörten Communicationen mit Sicherheit n'icht
in Aussicht nebmen, indessen hat Generallieu-
tenant v. Hardegg Vollmacht zum Abschluffe.
Heute früh rückten bereits 4 preußische Küras-
siere als Quartiermacher für preußische Jnfan-
terie in Mcrgentheim ein, um ihre Demarca-
tionSlinie, in welche Mcrgentheim falle, festzu-
stcllen. Es ist somit gegründete Aussicht vor-
handen, daß ein weitereö Vorrücken preußischer
Truppen über Mcrgentheim hinaus nicht statt-
findet. (St.-A.)

Gotha, 27. Juli. Vor einigen Tagen ist
an die Zustizbehörden des Landes die Weisung
ergangen, die Wahllist en zum dcutschen Par-
lamcnt durch die Gemeindevorstände nach dem
Reichswahlgesetze von 1849 aufstellen zu lassen.
Die Directoren dcr Zustizbehörden sind beauf-
tragt, die Leitung der Wahlcn zu übernehmen,
unh es ist daS Wahlgeschäft bereitS im vollen
Gange. (W. Z.)

Dresden. Die „Leipz. Ztg." theilt fol-
gende Verlustliste dcr k. sächsischen Armee in
den Gefcchten und Schlachten in Böhmen mit:
Todte: 13 Officiere, 137 Unterofficiere und
und'Soldaten; Verwnndete: 39 Officiere, 979
Unterofficiere und Soldaten; Vermißte: 2 Of-
ficicre, 1225 Unterofficiere und Soldaten.

Dresden, 30. Juli. Die sächsisch-böhmische
Eisenbabn wird in zwei Tagen hergestellt sein,
nachdem der Commandant vom Königstein in
Folgc Verabredung Eisenbahn und Elbschifffahrt
freigegcben hat.

München, 30. Juli. Hr. v. d. Pfordten
hat einen dreiwöchentlichen Waffenstillstand,
mit dem 2. August anfangend, für Bayern
abgcschlossen; sür die andern süddeutschen Staaten
war er ohne Vollmacht. Letztere sollen mit
General v. Manteuffel vcrhandeln. Die Frie-
dcnsvcrhandlungen mit den süddeutschen Staaten
sollen in Berlin stattfinden.

München, 30. Juli. Dic Andeutung
Jhrer Wiener Correspondenz: Preußen ver-
lange von Bayern die Abtretung einer Parcelle
seines Gebiets an Hcfsen-Darmstadt, stimmt
mit Dem übercin, was man hicr in sonst gut
unterrichteten Kreisen schon am Samstag Abend
mit Bestimmtheit wissen wollte, daß nämlich
Bayern ein Gebiet mit 100,000 Seclen an
das Großherzogthum Hessen abtreten würde,
welcheS dieses Gebiet für cin anderes, das es
an Preußen zu überlassen hätte, als Entschädi-
gung crhalten soll. Ob hiefür Bayern eine
und welche Entschädigung zu Theil werden soll,
scheint sich noch nicht mit Gewißheit sagekt zu
lassen. Jedenfalls wäre dicser Verlust noch ein
sehr crträglichcs blaues Auge für die famose
„-Führung der Mittelstaaten." (A. Z)

München, 31. Juli, Abends. Die Tele-
graphenverbindung mit Nürnberg ist untcr-
brochen, die Preußen sind daselbst eingerückt.

Umgehung über Theben längs der Donau in den
Rücken unserer Stellung zu gelangcn, an welch
letzterem Versuche er aber durch heftiges Feüer
einiger am rechten Ufer postirten Batterien verhin-
dert wurde. Er wurde überdies auf allen Punkten
zurückgeworfen, doch die durch seinen Angriff be-
reitS um eine Stunde überschrittene Waffenruhe
hinderte eine weitere Fortsetzung des Kampfcs."

Ueber dasselbe Gcfecht liegt folgender amtlicher
preußischer Bcricht aus Lundenburg vom 23. Iuli
vor: „In dcm gestrigen Gefeckte in der Nähe Preß-
burgS standen die 7. und 8. Divifion bei Blumenau
dem 2. österreichischen Armeecorps und der Brigade
Mondel gegenüber. Die preußische Brigade Bose
war MittagS im Rücken der Oesterreicher; der preuß.
Hauptangriff war erheblich fortgeschritten, als in
Folge der Nachricht, daß Waffenruhe beschlossen
sei, das Gefeckt abgebrocken ward. Die Oesterreicher
mußten, um nach Preßburg zu gelangen, bei der
Brigade Bose vorüberziehen. Letztere übernachtete
eine Viertelmeile von Preßburg und wurde heute Mor-
gen hinter die DemarkationSlin'ie zurückgezogen".

Paris, 21. Iuli. Ueber den Brand im Lirque '

Die Eisenbahnzüge fahren nur noch bis Gun-
zenhausen.

München, 31. Juli. Der „Augsb. Ab.-
Ztg." wird gcschrieben: Frhr. v. d. Pfordten
ist soeben nlit dem Morgeneilzugc aus Wien
hieher zurückgekehrt. Ernste und wichtige Be-
rathungen stehen bevor, und zwar nicht allein
militärischer Natur. Es soll nämlich die preu-
ßische Regierung auch die Sprengung deS Zoll-
vereins, wcnigstens die Aufrichtung der Zoll-
schranke der Mainlinie entlang, beabsichtigcn.
Es scheint diese Nachricht leider nicht ohne
Grund zu sein. Dieser Nachricht wird noch
veigefügt, daß Frankfurt zum nördlichen Zoll-
gebiet geschlagen würde.

Würzburg, 1. Aug. Die „N.Würzb. Ztg."
meldelt amtlich: Zwischen dem Prinzen Karl
und General v. Manteuffel ,Mrbe eine Con-
vention abgeschlossen, wornach die Preußen
Donnerstag Morgen 8 Uhr, eine Brigade stark,
in Würzburg cinrücken werden. Die Stadt
wird als einc friedliche betrachtet. Keinc Con-
tribntionscrhebung, sondern Verpflegung gegen
billige Entschädigung. Festung und Vorstadt
bleiben von den Bayern besetzt.

Berlin, 30. Juli. Die «Auslassung der
„Nordd. Allg. Ztg." in Bctreff des ArtikelS
des „ Staatsanzeigers" über Süddeutschland
haben wir bereits gestern auszugöweise mitge-
theilt. Der Artikcl in dem Organe des Grafen
Bismarck lautet vollständig: „Einige Blätter
benutzen diesen Artikel, um gegen die Einmi-
schung sremder Cäbinette und die Politik der
Mainlinie zu polemisiren und iberufen sich auf
ihre Aufgabe, die Wünsche der Nation zum
Ausdruck zu bringen. Eine Prüfung der süd-
deutschen Volksstimmung läßt indessen nicht den
Wunsch der Bevölkerung nach einem bundeS-
staatlichen Verhältnisse zu Preußen erkennen.
Es ist eine patriotische Pflicht, darüber zu be-
lehren, daß Ausdchnung des Bundesstaates auf
Süddeutschland gleichbedeutend ist mit Verstär-
kung der pqrticularistischen Elemcnte in Han-
nover, Nassau und Kurhessen, welche theils
Preußen einzuverleiben, theilS zu Preußen in
ein BundeSverhältniß zu bringen sind. Der
„Staatsanzeiger" wollte, indem er hierauf hin-
wies, für eine rationelle Behaudluug der Frage
eintreten gegen den Doclrinarismus, welcher
geeignct erscheint, ftemde Einmischung hcrbei-
zuführen."

Berlin. Arntlich mcldet dcr „Staats-
Anzeiger" aus dem Hauptquartier: „Nikols-
burg, 28. Juli. Die Ratificationen der Frie-
denspräljminarien sind heute mit Oesterreich
ausgetauscht und der mit dem 2. August be-
ginnendc Waffenstillstand mit Bayern unter-
zeichnet worven."

Berlin, 30. Zuli. Die Friedensbeding-
ungen habcn einen günstigen Eindruck gemacht.
Auch in militärischen Kreisen herrscht größten-
theils Befriedigung. Präliminarien sind noch
nicht dcr definitive Frieden, aber allen beglau-
bigten Nachrichten zufolge wird Oesterreich
schwerlich den Kampf wieder aufnehmen, dessen
unzweifelhafter Ausgang ihm uur neue, dirccte
Verluste, zufügen könute. Man macht sich, bis
Preußens Abrückung so wie die Constituirung

des Ehamps ElyseeS erfährt man Folgendes: „Der
Saal ist vcrschont geblieben; nur die Ställe und
die Zimmer für dte Künstler wurden zerstört. Fünf
Pferde verbrannten, andere rissen fich los und er-
griffen die Fluckt. Die Löwen, welche fich auch tn
diesem Thcile des Gebäudes befanden, blieben un-
! versehrt, und mußte man die sechs jungen Löwen,
dte ein fürchterlichcs Gebrüll erhoben, aus ihrem
Käfige herausnehmen und sie in etncm Salon der
gegenüber liegenden englischen Taverne in Sicker-
hett bringen. Die Zahl der Verwundeten beträgt
14, darunter 2 Kinder, welche bereits gestorben
setn sollen. Das Feuer entstand durch eine Erplo-
sion einer Art tragbarcn Gases, deffcn man sick
zur befferen'Erleuchtung des SaaleS bediente. DaS
Gas wälzte sick, wie glühende Lava, tn die Ställe;
drti Personen waren vom Feuer ergriffen worden.
Es find die, welche am schwersten verwund'et wurden."

In Litthauen ist es in den ntederen Ständen
Sitte, daß junge, ehelustige Mädcken einen grü-
nen Strauß vor ihr Wohnhaus hängen, um da-
durck kund zu geben, daß sie sich zu verheirathen
wünschen.
loading ...