Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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Caffen angewiksen, daS preußische Papiergeld
künftig zum vvllen Wcrthc, den Thller zu 1 fl.
4S kr^, anzunehmen.

Die bis zum Einrürken der Preußen in
Franksurt dort hcrauSgegebene „Neuc Frankf.
Zeitung" wird unter dem Titell „Neue deut-
sche Zeitung" von jetzt in Stuttgart erscheinen
und sind die ersteu Nummern bereitS auSgege-
ben «orden.

AnS Berlin, 30. Juli, wird der „Köln. Z."
telegraphirt: ES gilt für mehr und mehr wahr-
scheinlich, daß Heffen-Darmstadt für den uörd-
lichen Theil, der zu Preutzen kommt, durch die
bayerische Pfalz entschädigt werdcn soll."

Dcr königl. xreuß. Civilcommiffär, Landrath
v. Briesen, machte in Butzbach uud Gießen be-
kannt, daß er zum Civilcommiffir sür diePro-
vinz Oberheffen bestellt worde» ist und vom
29. Juli an die Verwaltung übernommen hat.
Sämmtliche KreiSräthe der Provinz flnd für
die nächste Woche zu einer Bcsprechung mit
Hrn. v. Briescn eingcladen.

AuS Bern berichtct man der „N. Z. Atg.":
AuS St. Gallen kommt dik Nachricht, daß die
polnischen Flüchtlinge angewiesen seicn, Bayern
innerhalb 24 Stunde» zu verlaffen und in
Folge deffen eine größere Zahl nach der Schweiz
komme» wolle. Es werden Reclamationen bei
Bayern und Würtemberg gegen die Zuschiebung
solcher Flüchtlinge erhoben.

Den Münchener „Neuesten Nachrichtcn"
zufolge ist dic Berusung des bayerischcn Land-
tagS schon in den nächsten Tagen zu erwarten.

Dcr „Patric" gehen Nachrichten aus Berlin
zu, denen znfolge daS demnächst zu berufende
deutsche Parlament nur auS Abgeordneten be-
stehen soll, die in den Ländrrn nvrdiich vom
Main gewählt werden. Dicse Linie wäre in
den in NikolSburg unterzeichneten Abmachungen
anSdrücklich bezeichnet worden als die Grenz-
linie zwischen Nord- und Süddeutschland.

Deutschlond.

Karlsrnhe, 2. Aug. AuS d-m Feldlager
der großh. dadischen Divistvn geht uns solgen-
der Tagsbefehl zu:

„Haupkquarticr Erlach, 29. Juli 1868.

Soldaten I

Seinc KSnigliche Hoheit der Großherzog
habcn den Rückmarsch der Truppen der Feld-
diviflon in das badische Heimalhland allergnä-
digst zu befehlen geruht, da deren Thätigkeit.
bei dem bevorstehenden Wafsenstillstand ein Ziel
gesetzt ift.

Jch ergreifc mit Frende diesen, Anlaß, um
den Officieren, Unterosficiersn und L-oldaten
wiederholt meine Anerkcnuung über dcren Aus-
dauer und Hingebung i» Ertragung aller Stra-
pazen anszusprechen.

Wenn eS uns auch nicht vergönnt war, einen
entscheidenden Antheil an der Lösung der großen
Frage zu nehmen, die unscr deuisches Vater-
land beschäftigt, so habe ich doch die erhebende
Ueberzcugung gewvnnen, daß die badischen
Truppen -auf MLrschen und in Gefechten den
alten Ruhm ihrer Vorfahren gewahrt haben.
Jch bin alS ihr Führer stolz darauf, auSfpre-
chen zu können, daß die Hingebung in Ertra-

das gcgenüber prr llcbermacht zurückging und in drr -
Umgcgend Stcllung nahm. Als am 29. früh ti llhr !
das Bataillon. vou dem cillc Compagnie ander- !
wärts detachirt war, untcr Major Zoncr von Wei- !
dcubcrg gcgen SeybolbSrcuth marfchictc, wurde es
von dem Frtnde, der 3000 Mann Anfanterie mit '

bei der llebermacht des K-indeö war da/Resulta't
leidcr «orauszusrhrn, die Hälftr der M-nnschast !
ist verwundet, gefaugen und vermißt. Major Jo- ;
nrr licgt an einem Schuff, in der Wriche verwun- !
dct in Wciden. Der Oberlieutenant von Nretin !
mit seincr Lompagnie tst grsangrn." So etn Be-
rtcht der AugSb. Ab.-Z. Jnzchischeu ist auch Rüru-
berg, dic Pcrlc drr baverische» und deutschell Städte, I
noch verlorcn gcgangen; und am 29. i-gann der j
Sinmarsch der Preußcn auch in dic bayer. Psalz. !

(Dte E^cent^täten eineS ElnsiedlerS) j

gung aller Entbehrunzen, die Ruhe und Ent-
schloffenheit im Gefecht, und vor Aliem die Auf-
rechthaltung der DiSciplin unser jnngeS Ar-
meccvrps würdig macht, allen Gcfahren, die
unscrm Vaterland iu Zukunft bevorstehen, mit
Erfolg entgegen zu treten.

Mit erhobenem Gefühl rufe ich meinen dra-
ven Waffengcfihrtcn die Parole unscreS AuS-
marsches zu:

ES lebe unser Großherzog; es lebe
uuser thcurcS Vaterland l
Der Commandant der Felddiviston.

(gez.) Wilhclm, Prinz »on Baden,
Generallreutenant."

Karlsruhe. 2. Aug. Der grotzh. Präst-
dcnt der auSwärtigen Angclegenheiten, Hr. v.
Freydorf, ist gestern Abend von hier nach
Berlin gcrcist.

-?Bom Ncck.rr, 30. Juli. Man hörte
in der ietztereu Zeit wieder viclfach die vor-
maligen Anhänger einer GcsammtdeutschlandS
kurzwcg mit dem Ausdrucke: „schwarzgelb" bc-
legen. Dieser Ausdruck konntc nur durch Be-
schränktheit oder Böswilligkeit crfunden sein,
und ist für allc Fälle grundfalsch, insofern er
auf Lie aufrichtigen Anhinger eineS Groß-
deutschlands in liberalem und »ationalcm Sinne
mit bezogen wird. Wahrlich nicht um die
Lsterreichische Regieruug oder daS HauS HabS-
burg handelte es stch bei den Tendcnzen jcner
liberalen Partei, sondern nm das österreichische
Volk, um den Miteinschlutz von etwa 10 Msl-
lionen der kräftigsten und kernigften deutschen
MLnner in das deutsche Gemeinwesen. Eine
höhcre Gewalt, die uuabändcrliche Macht der
Verhältniffe, die einschneidende Logik der That-
sachen hat nun anderS entschieden, und im
Jntcresse der deutschen Sache miffen
«ir unS derselben — wenn überhaupt noch
von einer politische» Wirksamkeit die Rede sein
soll — fügen, ohne daß deshalb im Geringsten
von einer zwcideutigen Wandelung oder Gestn-
nungsänderung die Reds sein kann. Dje deut-
sche Frage haben wir immer als eine Frage
der That, nicht als eine principielle Frage
betrachlet: Sie sch-int bis auf Westeres ent-
schieden zu seiu, wenn auch in anderem Sinne,
alS Wele crwartetcn, die 'wahrlich nicht zu den
Schlechtesten der deutschcn Nation gehvren.
Wenn irrcn menschlich ist, so ist eS hier um
so mehr zu verzeihen, als dieser Zrrthum mit-
unter von den Besten deS badischen BolkeS,
die im Rathe der Krone, wie im Hause der
BolkSvertretung Sitz und Stimme hatten, ge-
theilt wurde. WLHrend wir dcm deutsch-öster-
rcichischen Bolke auch serncr unscre warmen
Sympathien bewahren, stellt stch dte Sache
ganz anders zur österrcichischen Regierung:
diese schcint stch mehr und Mehr selhst aufzu-
geben; kein Wunder, wenn ste von dem übri-
gen Deutschland, bald auch von dcm eigenen
Volkc aufgegcben wirdl Schon der Verlauf
de§ lctztcn KrikgeS hat dieseS deutlich gezeigt:
dieselbe Bankbrüchigkeit und Wurmstichigkeit
wic im Jahre 1889 bewährte stch allenthalben,
ntcht nur in der Oberleitung deS StaateS, son-
dern auch der Armee, die doch der cinzige Ret-
tungSanker der Mvnarchie fein konnte. Von

berlands (England) tn bobkm Gradc auf ffcb. DeS
feltsamen Eremiten AuSsehen und seinc — bcreitö
drci Jahre ibm zum Aufenthalt dtenende — Woh-
nung wird von einem sotcken folgendermaßen ge-
fchildert: Eine Wanderung nach der Stelle zcigtc
nns ungefähr 990 Fuß hoch auf dcr Scite dcS
BergcS gelkgen einc krcisförmige Höhlung, drci Fuß
tlef und vier Fuß lm Durchmcffer, die ihr Bewoh-
ner mtt Mooe ausgefütterl datte. Geschützt iff dte-
sclbc mit etnem tragbaren Dach over Deckel auS
Rohr in Form ctnes Regenschirmcs. llnter solchem
Dache hat der Einficdler fchon drei Jahre dcr Sonn e,
wie dem Schnee und Sturme Trotz gebotm. Sein
Aussehen tst das feltsamste dcr Welt. Das Hacir
hängt ihm weit über dte Schuttern derab und btl-
det seine elnzige Kopfbedeckung; scine Kleider mö-
gcn vor 20 Aahrcn in der Mode gewescn scin und
find jetzt ziemlich fadenfcheintg; Schuhe tragt er
nicht und getzt auf scinen Wanverungen in Strüm-
pfcu. Scjncr Sprache nach scheint er aus Schott-
land zn ftin, gfbt aber, darüber bcfragt, nur aus-
weichende Antwort. Fast täglich kommt er nach dem
nahe gelegenen Keswick, wo er fich Thce und Zuckcr
kauft, Lie er vermtscht trocken genteßt. Durch den
beschränkten Raum seiner Wohnung ist er genöthtgt,
gekrümmt zu liegcn. Jn B-tracht ftjner Lebcnsart
erfreut cr fick ciner guten Gesundheit, nur daß er
mitunter an RhcumatismuS leidct.

liberalen Reformen oder Concessisnen im Jn-
! nern keine Spur, weit weniger natüriich »on
eincr Appellation an die «alionalen Hoffnungen
des deulschen PvlkeS. Ja jelbst jetzt im größ-
len Unglückc beharrl der Wicner Hof in seiner
grenzenlosen Verblendung. So verlangte man
in Wien und Oefterreich allgemein den Rück-
tritl deS MinisteriumS Belcredi, eineS der re-
actionärsten der österreichischen Cabinete. Einc
Adreffe deS Wicner GemeinderathS hat den
Kaiser hieraus bcsonderS aufmerksam gemacht.
Die erfolgte beleidigende Antwort deS KaiscrS
ist bekannt. Sie hat uiiter dem östcrreichischen
Bolke Bestirzung und zugleich Unruhe hcroor-
gerufcn. Damit war es aber nicht genug; das
kaijerliche Cabinet svll noch durch weiterc re-
actionär-ultramontane Ekmente, dis Gra-
sen Thun und GoluchowSky, verstärkt worden.
Ueber Niederösterreich ist dcr BelagerungSzu-
stand verhängt wordcn; von cincr aufrichtigen
Aussöhnung mit Ungarn, die, wcn» je, doch
jetzt jo dringend gcboten wärc, ist keine Rede I
„Wen Gott verderben will, dem verwirrt er
die Sinne." RochmalS, daS Haus Hadsburg
fcheint stch, wenn es dieje Bahn nicht verläßt,
selbst aufgeben zu wollen; wie ist eS da zu
verargen, wenn es vom übrigrn Deutschtand,
bald vielletcht anch von den eigenen Völkern
aufgegeben wird? Hofsen wir, daß Preußen,
dem die glänzenden Erfolge seiner tapferen Ar-
mee wiederum einen großcn Beruf angewiesen,
jetzt seine deutsche Mission erfülle, und daß
daS gesammte Bolk eS unterstütze in scincm
Bestreben zur Einigung der ganzen deutschcn
Kation I

Sluttgart, 2. Aug. Dcr Waffenstill-
stand ist abgeschloffen. Dis DelnarcationSlinit
geht von Heidelhcrg über Jagstfeld der JagSt-
linie nach bis Fcuchtwangcn (Bayern). DaS
Staals- u»d Privateigenthum ist garantirt, und
die Anspriche der Truppen stnd vcrtragsmäßig
festgesctzt.

Stuttgart, 2. Aug. Der „SKw. M."
schreibt: „Nach znverlässtgen Nachrichten, die
wir fo ebe» erhalten, ist eine Äbtheilung Pren-
ßen VM der Göben'schcn Diviston unter Ge-
ncral Fließ gestcr» gcgen 9 Uhr VormittagS
in der Stärke von 3 Batailloncn Jnsanterie,
2 Schwadronen Kürassiere und 2 Batterien
Arlillerie in Mergentheim einmarschirt. Die
Occupatio» crfolgte ganz unerwartet. StädtschUlt-
heiß, Obcramtmann und der in Mergentheim
restdirende Herzog Max von Württcmberg warcn
schr überrascht. Auch Würzbnrg ist geräumt.
Weitere Truppen in verstärktcr Anzahl wurden
erwartet. Der General crklärte, daß er Befthl
hahe, in der Tauberiinie, dercn Bcsetznng durch
Preußen im Waffenstillstand eingeräumt sei,
einzurücken. Dic Arlillerie blieb in Mergent-
heim, die ührigen Truppen bezogen Ouartiere
jn xer Nähe. Die Kürafsierc rückten auf der
Straße nach Dörzbach (südwsstlich) bis Ren-
gcrShaUfttl vor. Das Benehmen der Truppen
wird als ein sehr änständigcS geschildert. Der
Commandirendc äußertc, daß cs stch nicht um
einen ftindlichen Einfall, sondern um friedliche
Besctzung nach vertragsmLßigem Abkommen
handle. DieS hat sich denn auch besiätigt. Der
mit Würtemberg abgeschlofftne, vom 2. August
beginncnde Waffenstillstand bestimmte eine De-
marcationS-(Abgrenznngs-) Linie, welche durch
unser Land westlich vvn JägStfeld, von der
badischcn Grenze bcim Einfluß der JagSt in
den Neckar, bis zur bayrischen Grenze bei
Fcuchtwangen östlich läuft. DaranS folgt wohl,
daß südlich dicser Linic die Preußen nicht weiter
vorrücken werden , datz dagegcn das nördlich
derselben gelegcne Land den Prcnßen zu fricd-
licher Besetzung unter »ertragSmäßigen Bcdin-
gungen überlasftn ist."

Nürnberg, 1. Aug. Die Prcußen sind
gestern Nachmittag hier eingezogen »nd haben
nun Haltbefehl bekommen. (Allg. Ztg.)

Verlin, 31. Juli. Dcr „St.-A." bringt
folgende V-rordnung vom 28. Zuli 1866, wegen
Einberusung der bciden Häuscr des Landtages
der Monarchie:

Wir Wilhelm von Gottes Gnadcn König
von Preußen rc., verordnen, in Gemäßhcit deS
Artikels 51 der VerfaffnngSurkunde vom 31.
Januar 1880, auf den Antrag Unscres Staats-
ministcriums, wie folgt: Die bcide» Häuser
deS Landlages der Monarchic, daS HerrenhauS
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