Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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Mainz, 31. Zuli. Der „Mainzer Ztg."
entnehmen wir folgende interreffante Mitthei-
lung: „Nachdem wir seit 14 Tagcn vou allem
Postverlehr mit Frankfurt abgesperrt gewe-
sen. hatte sich in Frankfurt dic für Mainz
bestimmte Correspondenz zu einer ungeheuren
Masse angesammelt. Gestern Abend ist nun
ein Postwagen eingetroffen, begleitet von eincm
preußischen Officier, dem Artilleriehauptmann
Lilienhof, der in Gesellschaft eineS kurhessischen
Officiers mit verbundenen Augen in die Stadt
gefahren wurde. Dieser Wagen hat nicht weni-
ger als 17 Centner Briefe und Zeitungen mit-
gebracht, und es bcgreift sich, daß diese Maffe
erst allmälig ausgegeben werden kann.

Speyer,'2. Aug. Gestcrn kam eine Ab-
theilung preußischer Landwehr nach Obermoschel
und nahm daselbst die Rentamts- und die Ein-
nehmereikaffe weg. Eine andere Abtheilnng,
von Meisenheim gekommen, besetzte in dcr letzten
Nacht um 12 Uhr Lauterecken, nahm gleichfalls
die Kassen, sowie 4 Pferde weg, zog dann aber
heute Nachmittag mit dicser Beute und einem
gesangenen Gendarmen in der Richtung nach
Kreuznach wieder ab. (PMz. Z.)

München, 1. August. Man schreibl der
„Allg. Ztg.": „Dic Nachricht über die Spren-
gung -es Zollvereins wird mir als ganz richtig
bezcichnet. Der frühere Bevollmächtigte Preu-
ßenS bei dcr hiesigen Generalzolldirection, Geh.
Oberregierungsrath v. Motz, besindet sich be-
reits in Frankfurt a. M., um die neuc Zoll-
vereinsgränze zwischen Nord- und Süddeutsch-
land zu organisiren; sie soll von Frankfurt aus
längs der nordbayrischen Landesgrenze nach
Sachsen sich ziehen; mithin scheinen — vor-
läufig wenigstens — die politischen Marken
Bayerns noch respectirt zu werden."

Die Berliner „Nationalztg." sagt in dem Be-
trcff: „Man darf wohl annehmen, daß ein
desinitiver Abschluß über die Zollscheide noch
nicht gefaßt ist, sondern die Entscheidung hier-
über von der Regelung deö Gesammtverhält-
NisseS zu den süddeutschen Staaten abhängig
bleibt."

Müychen, 2. Aug. Aus Wien erfahren
wir, daß die Verhandlungen über den defini-
tiven Frieden zwischen Preußen und Oesterreich
am 6. August in Prag beginnen werden. Sie
werden von österreichischer Seite durch Baron
Brenner geführt werden, der auch die Fricdens-
praliminarien in NicolSburg unterzeichnct hat,
von prenßkscher. Seite durch Baron Werther,
früheren preußischen Gesandten in Wien.

(Bayr. Z.)

Müncken. 2. Aug. Nach beim königl.
Telegraphenamt cingezagene» Erknndigungen
hat ein weiteres Vorgehen der preußijchen Trnp-
pen nber Reichelsdorf (bei Nürnberg) hinauS
nicht stattgefunden. Die umlausenden Rach-
richten über cine Besctzung von Gunzenhauserr,
NLrdlingen ober Donauwörth durch diejclben
find daher aus dcr Lust gegriffen. Ebenso-
wenig ist Ansbach von don Preuße» befetzt
worden. (Bayr. Z.)

Würzdurg, 3. Aug., 2 Uhr Rachmittags.
Waffenstillstand zwischen Preuhen und Badeu
abgeschlosfen.

Augsburg, 2. Aug. Officiclle Mitthei-
lung über die Bundcstagssttznng vom 2. Aug.
Die Gesandte» de« Köaigrcich» Sachsen und
dcs Herzogthum« Nassau brachteu den Bcitritt
ihrcr Rcgieruugen zu der Genfer Convention
vom Zahr 1864 hinsichtlich der Bchandlung
der Verwundclcn zur Aenntniß der BuudeS-
versammlung. — Da« Großherzogthum Badeu
zeigtc scinen Austritt aus der BundcSverfamm-
lung an, wogegen dcr bei frühere» Anlässcn
ausgesprochenc Protcst erhobe», u»d zugleich
unter Vorbehalt aller Rechte deS BundeS die
großh. Regierung für die Bundesfestung Ra-
statt und baS Bundeseigenthum dasetbft vcr-
antivortlich gemach! wurde. — Sodann beschäf-
tigte flch die BllndcSversammlung mit mchreren
FestungS- und VcrwaltungSangelegcnheiten.

Augsburg, 2. Aug. (U-ber Paris.) Die
Gesandten von grankreich, Belgien und Spanien
beim Deutschen Bund sino abgcreift, vorher
schon der englischc Gesandte; der rujsische allcin
ist zurückgeblieben. (Sch. M.)

Lohr. 2. Aug. DaS preußische Hauptquar-
tier ist luorgen in Würzburg, welche stadt epcl.
des Marienbergs und deS MarienviertelS den
Prenßen überlafsen wird.

Jnnsbruek, 2. Aug. Osficikller Miuhei-
lung zufolge wurde die von General Lamar-
mora angedotene Verlängerung der Waffenruhc
bis zum 10. August, früh 4 Ühr angcnommcn.

Berli», 29. Zuli. Ofsicicll wird der Ver-
luft, den bloS die zweite Armee ertillen, auf
10,000 Mann angegebcn; er dürste sich schließ-
lich noch viel höher stellen, nnd dabei stnd,
wohlgemerkt, znnächst nur die durch die Waffen
Verletzlen gerechnet, nicht auch jene, welche an
Krankhett umkamen odcr dnrch Strapazcn und
Entbchrungen stech wurden. Noch größer als
die Berluste ver zweitcn, scheinen dic der erstcn
Armec zn sein. Dazu kommen jene deS Heeres
in Mitteldeutschland. Wahrlich, die Spreng-
uug deS einzigen polilischen Bandes, wetcheS
bisher ganz Dcutjchland umschloß, ist nicht um
wohlfeilcn.Preis errcicht wordcn. Reben dcn
unmittelbaren Einbußen durch den Kricg stnb
jodanu die Menjchenverluste im Bürgerslanve
zu berückstchligen, welche durch Rahrungslosig-
keit und Seuche, dje strtcn Begleiter dcr Kricgc,
herbeigesührt wurden.

Berlin, 1. August. Dio Staotoerordiieten
hiclten heute eine außerdrdenlliche Sitzung zur
Bcrathuug übor Erlaß ciner Adreffe an dcn
König und Kronpriuzen bei ihrer Rückkehr, fo
wie über Berauftaltung einer Jllumination.
Ohne Dcbattc wurde bxides beschlosseu.- Der
Wortlaut der Adresse, welcher erst uach lleber-
reichung bekannt werden soll, wurde iu gehei-
mcr Sitzung berathcn.

Äerti«, 1. August. Die „Prov.-Corresp."
hebt die Bcrdrenste deS KaiferS Napotcon um
die FriedeiiSvcrmittlung hervor und sagt: „Der
Kaisrr hat in der ihm bei deu Verhandlungen
eüigerinmten wichtigen Skellung NichlS für stch
crstrcbt, als die Ehre unv den Ruhm, scin An-
sehen zu Günsten eineS gerechten Friedens gel-
tend zu machen. ES war ihm vergöiml, an d«r
Volleiidung deS vvn ihm brgonncnen ÜVcrkes,
der Herstellung enieS einigen und freien Zta-

lienS, mitzuwirkcn. Jn demselben Gclste, der
ihn jcncs W-rk schgffen licß, bo! er Preußen
willig dic Hand, oen fcsten und stcheren Grund
cines einigcn Dcutschlands zu lkgcn."

Daffeibc Blatt sagt: „Die preußtfchcn Fi-
nanzvcrhältniffe sind übcr Erwartcn günstig
und erlauben das eben versügte Aushören der
disherigen Landlicserungen an Brod, Fourage
und Flcijch für dic Truppen. Die Zablnngen
sür diese Leistungen crfolgcn jetzt auS StaatS-
mitteln. Z»r Deckung der KriegSkvsten ist an-
jcheinend eine Anlcihc nicht erforderlich. Zur
Tilgnug namcntlich der durch die Landlieferun-
gen enistandenen Bcrpflichtungen deS StaatS
wird möglicherwcise eine vvrübergchende Finanz-
maßregel genügen."

Die „Prov.-Cvrresp." erklärl: Die weitert
Organisation und Verwaltung dcr Länder,
welche dauernd mit Preußen vereinigt werden
folleu. bilvet unverzüglich den Grgcnstand crn-
ster Erwägungcn und Anordnungen. Einstwci-
lcn ist den Maßregcln wegen gcwaltsainer Ein-
ziehnng dcr KriegS-Contribution von 25 Mill.
Gulocn in Frankfurt Anstand gegebcn wordcn.
Bei den wciteren Entschließungeii der Regtcruiig
kommt der Umstand iu Bctracht, daß FrauÜ
furt vcrmuthlich dein preußifchen StaatSgcbicte
einverleibt wird."

Berlin, 2. Aug. Der Staatsanzcigcr ist
ermächtigt, dic durch die „Bayr. Ztg." vcrbrci-
tete Nachricht, wonach gegen dic Waffenstill-
standsbcdingnng die preußische Armec noch am
29. Juli ihren Dormarfch in Bayern sori-
gesctzt und den bayerischcn Truppen bedeu-
tendc Verluste beigebracht hat, alö böswillige,
nnbegründcte Verieumdung ziirückzuweiscn.
Er bemerkt: Der mit dem Siaatsminister
von der Pfordten in Nikolsburg am 28.
Juli vereiubarte Waffcnstillstand bestimmt:
Art. 1. Zwischen den preußischen und bayeri-
schen Streitkrästen wird vom 2. August ab eiu
dreiwöchentlichcr Waffenstillstand stattfindcn.
Art. 2. Die militärischen Dctails dcS Waffen-
stillstandeS und die DemarcationSlinie zwischen
den beiderseitigen Truppen werden von den bei-
verscitigen OberdesehlShabern auf Grund d-S
Mllitärischcn nti poosictetio fcstgeftellt. Hiernach
kounte über die Berechtigung zum Bormarsche
und zur Fortsctzuug deS KricgcS biS zum 2.
August, beziehungswcijc bis zur Vercinbaruilg
übcr dic DeiiiarcationSlinie r-inerlei Zweifck
bcstehen.

Hnnnover. Profeffok Niemann, der aus-
gezeichnete Mathematiker, Nachfolger von Gauß
und Dirichlet in Göttingen, ist am 20. d. M.
am Lago Maggiore gcstorben.

O « stor » eiohi s <h e M o,, archic

Wien, 31. Zuli. Dem Schw. M. wird
von hier gcmeldet: kleber bcn jüddeutschen Bund
ist noch nichts NähereS bestimmt; es fcheint,
daß weder Preußcn noch Ocsterreich Vei der
Vcrhandtung cin besondercs Jntereffe an den
Tag gelrgt habeu, Baycrn an die Dpitze dieses
BundeS zu stellen, und dadurch einem Stäate,
cheffen Cabinet ctnc schwankeude Stellung gegen»
über den deutscheittGrvßmächteii eiugenommen,
zu emer erheblichcn Machterweiterung zu wer-
helfen. Hier ist uian sogar ubcrzcugt, daß der
nächste dipkomatifche Fcldzng PreuheuS aüs die
Herabdrückung deS politijchcn Einflusses Bayerns
in Deutschland genchtet jcin wird, nachdem eS
geluugen ist, Oesterreich ganz auS Dcutschlant
zu verdrängen.

Z t a l i e n.

Florenz, 2. Aug. Die „Gazzetta ufsiziale"
meldct: Die italienische Rcgicrung ist deiq Ab-
schluß eiiics vierwöchentlichen, am 2. Aug. bc-
ginnendeu WaffeiistillstLiides beigetreten. Von
nuu au ift die Wiedervereinigung VenetienS
mit Ztalien ohue alle nnd jede Bedinguug ge-
flcherl. Die Gräuzsrage ist deu FriedenSver-
handlungcu vvrbchatten. Der Waffenstillstand
ist auf dcr Grundlage des militärijchcu ut>
possiilotis gcschlosscn. — ^Die gtcichc Zeitung
veröffentlicht ein Dccret, durch welcheS in dcn
von italienischen Trnppen besetzten Theilcn von
Venetieu der Zwangscurs der Nationalbank-
jcheine cingeführt wird.

Florenz, 2. Aug. Ein königlicheS Decret
vcroronet die AuSschreibung einer National-
anlcihe im Effcctivbelrag von 350 Willioneu
zum EmissionSpreis vou 95, zahlbar in scchö

em ttalienischeS verrinigt in deu Gewässern der
Lrvante. Die Admirale Tegetthoff und Persanv:
waren die Besehlshaher für Oesterreich und Jtalten.
Außerhalb der officiellen Dieustbezichungcn trafen
d.ie General-Officirre daun und wann an Bord
des franzöfischen. Admiralschiffes zusammen, wo der
Commandant des franzöfischen Geschwaders sir mit
eincr Gastfreundschaft voller Hösiichkeit aufnahm,
dte indeffen Hr. v. Persano nicht immer genügend i
zu würbigen schien; denn mehrfach erlaubte er sich
die Taktlosigkeit, stch über die SeemachtOesterreichs
lustig zu machen. Der Wortwechsel nahm sogar j
einmal eine so ernste Wendung , daß die Dazwi- i
schenkunft des französischen Avmirals durchaus noth- !
wendig wurde; seiner Vermittlung gelang es benn i
auch, die Streitenden auszusöhnen. Man kam über-
ein, diese glückliche Lösung durch ein Bankett an
Bord des franzöfischen Admiralsckiffes ^u feiern.
Aber.die Italiener haben eine gar kitzliche Giteikeit,
und betm Deffert begann Hr. v. Persano von Neuem
seine Ncckereten. Hr. Tegetthoff, ein ziemiich dcrber
Officier, obgleich ein Mensch von Lebensart, machte

den andern Tag lösen wird."

„Im adriatischen Meere!" rief Hr. v. Persano.
„Ich werde Ihnen die Gelegcnheit darbieten, sie
in lctzter Instanz zu beurtheilen," erwtderte Herr
Tegctthoff. „Und ich werde sie nicht zurückwetscn!"
entgegnete der italienische Seemann.

Das ZusammentreffkN bat soeben stattgefunden,
und bekanntlich darf sich Admiral Persano auf das
Resultat eben nicht zu viei einbilden.

(Der mächtigste V erbündete der Preußen.)
Ein gefangener Officter erzablt, Gablenz sei zu-
letzt (bet Trautenau) wie ein Verzwetfelter zu Pfcrde
mttten in den heftigsten Kugelregen hineingestürzt
unb habe die Seinen zum Skurme angetrieben,
allctn vcrgcblich; das Alles vernichtende Zündnadel-
Gewehrfeucr der Garde-Regtmenter schmetterte Alles
zurück. Das zweike preußische Garde-Regiment glich
einem stammenspeienden Vulkan, und es war un-
möglich, in dieseS Höllenfeucr hineinzukommen.

Stewart, der Fürst des Newyorker Handelsstan-
des, hat ein jäbrllcheS Ginkommen zu 4,788,000
Dollars angegrben, wovon er jedrS Jahr eine Ein-
kommensteuer von mehr ctls 400MO Dollars rw
zahlen- hat.
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