Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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lich am 15. August, üb-rgebk» werde». Da-
durch wird ftr tiese Gegend dic RcquisitionS.
lust vou Fuhrwcrk uud Zugvieh bcträchtlich
gemindcr! werde». Dic Slreckc Osterburkcn-
Eubighcim (2'/, Sluuden) wird mit aller
Anstrengüng in fnhrbaren Stand gesetzt, und
cS ist zu crwarten, dast in 14 Tagen aus dcr-
selbcn, wenn auch noch nicht der regclmästige
Betrieb, so doch der Transport sür Militär-
zweckc wird beginnen können. Die Vollendung
dcr ganzen Odenwald-Bahn dürstc, soweit Baden
bctheiligt ist, bis längstcns 1. Oktbr. erfolgcn,
und ist anzunchmen, dast Bayern nicht znrück-
bleibcn wiro, io daß dann die Eröffnung der
Fahrtcn von Hcidclbcrg nach Würzburg für
das große Publikum wird cintretcn können.

Darmstadt, 12. Aug. Prinz Ludwig ist
gestern nach Berli» abgereist — Von morgen
an merdcn täglich 6 Züge mit hessischen Trup-
xcn von Nördlingen uach Rhcinhesicn besör-
dert. Der erstc Zug xajsirte hcute Heidclberg.

Folgcnder Tagdbefehl ist dcm nunmchr aus-
gclöstcn 8. dcutschenArmcccorps xublicirt
worden:

»Hauptquaclier Nördtingen, den 8. Auiiist 1866.
Den Bcfehleii ikrer döcksten Regierunaen folgmd, neien
die 1. und 3. Division ' j für oic Dauer dcs Wasicn-
stiststded^eii^iü^

Wasicnbrüdcrschafi ist durch sie icstiiekiilei. Vicle von

Hessen, G. d. I."

Darmstadt. Jn den letzten Tagcn hatte sich
dcr Kaptan de« preuß. 20. Rcg. aus die Marien-
höhe begebe», um sich ber schönen Ausstcht zu
crsrenen; der Kaplan beuütztc hierbei eine Karte,
um sich bcsscr zu orieutireu, waS zur Folge
battc, daß ein Gartenaufseher mit gezückter
Waffc auf den Kaplan zustürztc, mit dcm Schrei:
Prcußischer Spion, du mußt fterbe». ' Eincm
in der Näbe besindlicken hiesigen jungen Theo-
logcn gelang eS, dcn Aufgercgten vo» Thätlich-
keiten abzuhalten. Gcncral v. Beycr soll erklärt
habcn, cr werde diescm prcußenscindlichen Fä-
natismuS um so mehr stcucrn, ia ja gar keine
preuß. Spione nöthig seien.

Gicsten, 8. Aug. Die „Darmst. Z." be-
ricktet von hier: „Oeffentlichc Blätter Mklden,
daß der großh., Provinzialdirector Dr. Gold-
mann hier und Krciöralh v. Röder zu Bieden-
kopf es abgelehnt habcn, in die „preußische
LandeSrcgierung sür die'Provinz Ob-rhesscn"
cinzulretcn, weil stc dieS mit dem ihrcm Lan-

rückgckchet.

ligm Jnhaber der Hunde Anzcsgc bci dcn Orts-
sieucrbcainten gcmacht wcrde.

. 4) Die am 1. Jul! 1866 nicht in Würtembcrg
sichcnden Miliiärpcrsoncn, wclchc eincn Hund im
Auslond bci fich führen, habeu bei ihrer Rückkchr
nai^Würicmberg, falls sie den Hund zu dieser
Zeit noch besitzen, denselben innerhalb 14 Tagen
dcn OrtSsteucrbcamten ihres gcwöhnlichen Wohn-,
bez. Garaisonsories, anzuzcigen.

5) Die Anzeigcn (Punki 1) hai der Regimcnis»
quariiermcister in -in nach der B-ilage zu ferligend-S
V-rzeichniß zu bringen, fowcit na» Punkt 2 ti- An-
zeige nicht ganz zu uiitcriaff-n isi, na» dem G-sttz
vom 8. September I8S2 für d-n crsten Hund 4 si.
undfür jeden wciterense8fl. Stcueranzusttzen, einzu-
zichen und sofort an dic Feldkricgskosse abzuliefern.

6) Die Fcldkricgskaffe hai die eben genannien
Verzeichniffc nach Punkl 2 deS MinisteriaieriaffeS
vom 7. Juli 1966 (lLinkommensteuer bcir.) zusam-
menzustellcn und vic ciizgegangencn Beiräge an die
Kriegsministerialcasse, wclche dcren llebermitilung
an die Camcralämicr Siuitgart, Ludwigsburg, Ulm
und Wibiingen bcsorgen wird, dur« Aufrechnung
abzuiiefern.

bcSherrn gcleisteten Eide nicht vercinbar halten.
Neueren Nachrichten zufolge ift Hr. Provinzial-
dircctor Goibmann in Foige hiervon auf preu-
ßijchen Bcfehi nach Wesel abgereist."

Frnnksui t, 11. Aug. Rach einer hicrher
gclanglen Entschließung dcs Fürstcn von Thurn
und Taxis aus RegenSburg soll oie uuterdrücktc
Postzeilung uicht mehr iuS Leben tretcn.

Wiesbaden, 12. Aug. Dcr Hcrzog von
Nassau ist in Wien cingetrvsseu und in Schön-
brunn zur Tafcl gczogeu worbe». — Landrath
v. Dicst prästdirt bcrcitS den Lsitzungen der
Landksregierung. — DaS Schreiben des Fürsten
v. Hohcnzollcrn au den Herzog betrachlcl man
hier ais die Auncxion. — Auf dcn „vier
JahreSzciten", dem Sitz der Eommandantur,
weht eiue ricstgc prcußische Fahne, auf dem
Schloß i» Biebrich noch dic nassauischc. —
Prcußtschc Cavalleric hat gestcrn zum ersteu-
mal dcn Bicbrichcr Schloßgartcu durchritlen.

Müncken, 7. Aug. Morgen oder übcr-
morgeu findet cine Voiksvcrsammlung statt,
weichcr soigcnde Resolutionen vorgciegt werdcn:
1) Dic Unterorduuiig untcr die Führung Preu-
ßens alS dcr stärkstcn d-utschcn Macht -ist einer
Anbahnuug von Beziehungcn mit nichtdeutjchen
Mächten zur HcrsteUuug des früheren Zustan-
deS vorzuziehcn; 2) die bahcrijchc Regieruug
möge eine baidigftc freundschastliche Beziehung
zu Preußen mit allem Ernste in ualionaicm
und wirlhschaftiichem Jntcresse anzustreben ver-
suchen; 3) diejcibe möge den Gcdaukcn eines
nationalen PariameuiS unbedingt unterstützen.

(Frkf. I.)

Berlin, 11. Aug. Das Abgeorbnetenhaus
will in der MiUtarfrage n.achgeben, wenn die
Rcgierung im Punkte der Dienstzeit Zugcständ-
nisfe macht: Die Fortschrlttöpartei und die
kathol. Fraction werden in ver dcutschen Frage
gegen die Trennung durch die Maiulinie und
für ein Gesammtparlament demonstriren.

Berlin, 12. Aug. Wie die „Rh. Ztg."
mittheilt, hat sich der Abg. v. Vincke Olbendorf
vor der Präsiventenwahl veranlaßt gesehen, dem
Abg. Grabow eine Erkunbigung beim Könige
anzubieten. Vincke-Olbendorf hat dann Grabow
den Bescheid gebracht, der König wünsche aller-
dings, daß Grabow das Präsidium nicht wieder
übernehme und crkenne es als cinen BemeiS
guler Gesinnung an, daß Grabow aus Rück-
sicht auf ihn, den König, das Präsidium abzu-
lehnen bereit sü. Das hat dann Grabow's
Erklärung zur Folge gehabt. Gleichwohl würden
die liberalen Fractionen, die Ultramontanen
und die Polen im ersten Wahlgange für ihn
gestimmt haben, wenn cr dicse Erklärung nicht
im Hause selbst gegeben hätte. Ueber die andcren
Mitglieder des neuen PräsidiumS sagt die
,/RH. Ztg.": „v. Forkenbeck ift Mitgründer
dcr Fortschrittspartei, wohlwollend und versöhn-
lich; der erste Vicepräsidcnt, General a. D.
Stavenhagen, gehört zwar dem linken
Centrum an, neigt aber sehr stark zu den
Altliberalen, und der zweite Vicepräsident v.
Bonin sitzt bei den Alttibcralen, ist aber sehr
conservativ. Uebrigens ift er ein kenntniß-
reicher, geschäftökundiger Mann, der, wenn
I Vinckc zu ungewöhnliche Kunststücke machte,

7) Für die Angcbörigen des in den Hohenzol-
ler'schen Landen brfindlichen 2. Bataillons bes 6.
Infanterieregiments König Wilhelm gelten die
obigen Vorsckriften Pu»kt 2, 3 und 4.

8) Bezüglicb der Hundeabgabenerhebung bei An-
gehörigen des Festungs- und Ersatzcontingent^tritt
in der bisbcrigen Behandlungsweise eine Aenbe-

(Aus Grindelwald.) Zum ersten Male ist
Freitag, den 13. Iuli, der Mönch von Norden
i her brstiegen worden von Herrn v. Fellenberg von
^ Bern mit ben Führern Lhristen Michel und Peter
! Egger von Grindelwald. Sie nahmen ihr Nacht-
i quartier in den Kalkfeisen über kcm Eigergletscher,
: und stiegen in gerader Linie thetls über Feld, meist
über das Eis aufwä/ts. Die Steilheit ber.Ufer-
hänge erforderte langwteriges Stufenbacken, und
einige Passagen über fast senkreebte Gletscherhänge
gebörten zum Gewagtesten und Kübnsten, was ge-
macht werden kann. Erst nach zwölfstündiger rauher
Arbeit wurde der Gipfel AH/ndS 4 Uhr erreicht,
unb dann das Nachtlager in Felsen am südlichen

sich nicht mitcompromittiren würde nnd deshalb
sich persönlichc Achlung zu wahren verstanden
hat, setbst bei den Polcn, die ihn als Ober-
präsidenten der Provinz Posen kennen gelernt
haben."

Berlin, 12. Aug. Der Commandeur der
dritten Cavalleriebrigade, General v. Pfuhl, ist
in Böhmeu an der Ckolera gestorben. — Die
Adresse der Fraction Vincke schließt sich, bei
knapper Form, im Großcn und Ganzen derje-
nigen der Conservativen an; die einzige Stclle,
die als eine hervorragende gelten kann, lassen
wir hier folgen: „Wir erkennen als unsere
wichtigstc Aufgabe, aus allen Kräften dahin
mitzuwirken, daß die Früchte unserer Siege von
keiner Seite wieder verkümmert werden, und
sehen den Vorlagen wegen Einverleibnng äer
mit Preußen zu vereinigenden deutschcn Lande
und wcgen Einberufung ciner Volksvertretung
der Bundesstaatcn mit Verlangen entgegen."

Berlin, 13. Aug. Sitzung des Abgeord-
netenhauses. Der Minister des Jnnern über-
reicht das Wahlgesetz für den Neichstag des
norddeutschen Bundes mit allgemeinen, dirccten
und geheimen Wahlen, dasselbe wird ciner be-
sonderen Commission von 21 Mitgliedern über-
wiesen.

Berlin, 13. Aug. Sitzung des Herren-
hauses. Von dem Mitgliede, Oberbürgermei-
stcr Hobrecht von Breslau, wurde ein Gegen-
Adreßcntwurs eingebracht. Derselbe wurde ver--
worsen. Darauf erfolgte die Annahme des
Entwurfes der Adreß - Commission gegen 10
Stimmen. — Der Handelsminister legte eine
Verordnung wegen Aufhebuyg der Wucherge-
setze vor.

Merlin, 13. Aug. Die „Nordd. Allgem.
Ztg." meldet: ^Der Bündnißantrag, welchen
Preußen den befreundeten deutschen Regierun-
gen vorgelegt hat, ift von den Bevollmächtigten
derselben theils schon unterzeichnet, theils wird
der Unterzeichnungsact in den nächsten Tagen
stattfinden. — Die Vorbereitungen zu den in
Auösicht genommenen Annexionen sind sicherem
Vernehmen nach in ununterbrochenem Girnge.
Die Besorgnisse, däß ihrer Ausführung von
verjchiedencn Seiten Gefahr drohc, sind ganz
unbegründet; vielmehr dürften noch in dieser
Session dem Lanvtage die auf die bevorstehenden
Erweiterungen des preüßischen Staatsgebietes
dezüglichen Vorlagen gemacht werden."

Httnnover» 10. Aug. Gencral v. Voigt-
Rheetz ist zum Generalgouverneur des König-
reichs ernannt worden und wird heute hier
erwartet.

Kiel, 11. Aug. Ein Circular der Regie-
rnng an die Polizeibehörden ordnet im Betre-
tungsfall vie Verhaftung des Nedacteurs
May an.

Ratzeburg, 12. Aug. Zum Ersatze der
auS dem Contresor für Lauenburg an Oester-
reich gezahlten Entschädignng und zur Deckung
der laut Kopenhagener Schlußprotokoll ün
frühcrc Beamle zu zahlenden Pensionen ward
eine vierprocentige Anleihe (1,700,000 Thlr.)
aufgenommcn. Zur Sicherheit soüen die herzog-
lichen Domäncn verpfändet werden. Die An-

, das Mönchjoch herunter glückli'ch in Grindelwald
! wieder anlangte. Geologisch war die Tour von
i Wichtigkeit durch Auffindung von Eontactlintcn
^ von Kalk und Gneis, uud mehrere schöne Erem-

(Zur Geschichte des Hinterladungsge-
wehrS) bringt die„D. A. Z." einen fünfzig Iahre
alten Beitrag aus Sachsen. Unter der Rubrik
„Neue Erfindungen" fteht nämliL im 36. Stück
deS in Schneeberg erscheinenden „ErzgebtrgisLen
Anzeigers" vom 30. August 1811 folgende Mit-
theilung: Der Mechanikus Nagel in Meißen arbei-
tet jetzt an einer Flinte, die von hinten geladen
wird und mit der man in kurzen Zwischenräumen viel
schneller zu schießen vermag, als mit den biSherigcn.

(Der atlantische Telegraph.) Der Lan-
doner Corresponeent des „Newyork Heralo" tele-
grapbirte einen Auszug der Thronrebe des KönigS
von Preußen nach Newyork und bezahlte 1000 Pfv.
Stcrl. dafür. Am Dienstag wurde cine einzelne
Privatdepesche nach Newyork aufgeaeben, die 8000
Pfd. Sterl. kostete!
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