Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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Deutschland, sich bei der preußischen Regierung
vcrwenden möchten, den in Jtalie» gewonnenen
dentschen Einfluß auch zu einer Wndicntion
vermittelnd auszubeuten, Diese ginge dahin:
die Hcidelberger Bibliothek zurück zu verlangcn,
welche 1822 von Tilly hier geraubt, und auf
50 Wagen verPackt, nach Münchcn geschickt,
von München aber nach Rom gesordert und
dem Paxste zum Geschenk gemacht wurde, und
von dieser Zeit an dort weilt. Die dcutsche
Gelehrtenwelt würde durch diesc billige Restitution
s-hr gewinnen, wohingegen die italicnischc wenig
ihr NutzbareS verlörc und die Freundschast der
beiden Völker eiu neucS frischeö Band erhalten
könnte."

Aus Bade«, 20.Aug., wird der„D.A.Z."
geschrieben: „Von eincm ctwaigen Anjchlusse
Badens an den norddeutschen Bundcsstaat ist
sclbstverständlich unter den jetzigen Vshaltnissen
keine Rede. Das badische Ministerium hat
vielmehr vor acht Tagen schon in officiöser
Weise zu erkennen gegcben, daß dic gegenwär-
tigen Politischen Verhältnific die Anbahnüttg
anderer als bloßcr völkcrrechtlicher Beziehungcn
zu Prcußcn und Norddeutschland im Augen-
blick leidcr unthunlich machten. Es entsteht
nun sür alle patriotisch Gesinnten in Südwest-
deuischland die Frage: was joll anS dieser
StaatcngrnpPe werden? Wird es überhauPt zu
einem engcn Bunde unter den bctresscnden
Slaate» kommen. und welchc deutjch-nationale
und frciheitliche Garantien kann dcrsclbe bieten,
so lange in Bayern ein Ministeriun, von der
Pfvrdten, in Württemberg Varnbüler, in Hesfen
Dalwigk am Ruder ist? Wenn auch ein for-
mcller Anschluß an den norddeutschcn Bundes-
staat sür jktzt anßer dem Bereich der Möglich-
keit liegt, wird eS Aufgabe einer liberalcn und
dcutschgefinnten Regicrung wie der badischen
scin, wenigstens in ihrem Lande materiell alle
Vcrhältnifle so zu gestallen, daß schon jetzt die
größtmöglichc Unanimität mit Norddeulschland
hergestellt werde und im gcgebencn Augenblick
auch dcr Lußcre Anjchluß sich gleichsam von
selbst regeln muß."

Frankfurt, 27. Aug. Zwijchen den in
Mainz eingczogcnen Prcußilchcn TruPpen nnd
dcn Kurheflen ist es gestern zu crnstcn Reibe-
reicn gekommcn, über d^en Vcranlafsung und
AuSgang jedoch bis znr Stunde zuverlässige
Nachrickten fchlen.

Wiesbadcn, 24. Aug. Wie das „Frankf.
Zournal" soeben ans gutcr Quclle vcrnimmt,
werden die nassauischen TruPPen vom nächsten
Montag ab in niehrercn Abtheilungcn in das
Land znrückgcführt. Waflcn, Pserdc, Munition
und Kriegsinaterial aller Art sind an die nun-
uiehr preußischen Behördcn abzuliefcrn. Die
Corps wcrden sofort aufgelöst ünd die Mann-
schasten bis zum Feldwebel aufwärts in die
Heimath entlasssn. Den Subaltern-Offiziercn
bis zum Hauptmann aufwärts steht der Ein-
tritt in preußische Dicnste frei; bczüglich der
Stabs- und Obcroffiziere ist die Entscheidung
dcS KönigS sür jeden Einzclnen vorbehaltcn.
Die Reformation dcr CorpS soll erst jpäter
crfolgcn.

Drosden, 24. Aug. Jm Dresdener Jour-
nal veröficntlicht der Generallieutenant a. D.
v. Treitschke (früher Commandairt der Festung
Königstein) folgende (ihm bekanntlich abver-
latigte) Erklärung:

„Odgleich.fcst übcrzeugt, gegenüber allen Dcnje-
nigen, von welchen ich perfönlich gekannt bin, einer
Darkegung meiner eigenen Gefinnungcn gegen Sc.
Maj. den König Zohann und vcffen hohcs königl.
Haus nicht IU bedürfen, welchem längcr als 52
Jahre nach Kräftcn treu gedient zu habcn ich mir
zur Ebre rechne nnd für dksscn Rechke mcin jün-
gerer Sobn geblulei — füble ich mlch deunoch bc-
wogen zn öffentlicher Aussprache: sammt allen den
Meinigcn nur mit Entrüstnng und tiefcm Schmerle

deutschen Mittelstaatcn" gegen dicses tbeucrr Kö°
ntgehaus fich gestattet hat. Drcsdcn. 22. August
t866. v. Trcttfchkc, kgl. sächsifcher Gcnerallieu-

Dresden. 25. Aug., Abds. Das „Dres-
dener Journal" enthält cinc Bekanntmachung
dcr LandeSregicrnng, welche 7000 inlLndische
Schanzardciter sucht, da Pi-ußischcrseits wei-
tere Besestigungen bci DrcSdcn aiigcordnet sind.
Die Arbcilen bcginnen am 3. Scptember.

Mnnclien, 25. Ang. Wie ich vernehme,
stipulirt der Friedensvcrtrag mit Preußen hin-

sichtlich der Zahiung der 30 Millionen Gulden
drei Fristen: 10 Mill. sollen noch vor Gcneh-
migung dcS Verlrags, 10 Mill. in 3 und die
weiteren 10 Mill. in 6 Monaten geleistet werden.
Da indefien erst nach Zahlung dcS ganzen
BelragS dcr vollständige Rückzug der preußischen
Truppen auS Bayern erfolgen soll, jo ist an-
zuiiehmcii, daß m,n sich mil der Zahlung möst-
lichst becilen witd. Wie ich höre, hat dinn
auch di- StaalSrcgicrung in diescr Beziehung
schon Einleitnngeii getrofien, iiamenllich auch
mit zwei Finanzinstitutcn in Berlin, so daß eS
wahrscheinlich möglich sein wtrd, dic Gesammi-
summc von 30 Mill. bis zum 5. Sept. an die
preuß. Regierung abzuliefern.

München, 26. Aug. Det König hiit für
alle Thciliiehiiier am Feldzuge ein Armecdenk-
zeichen gegründet. — Die RegiernngSvorlage
an die Kammern bezüglich des FriedcnSschlusseS
wird längstens bis Dicnstag erfolgen.

Berlin, 25. Aug. Der König cmpfing
hciitc den aus PcterSburg hicr cingctrofiencn
Prinzen v. Lcuchlenberg. Gesteru trafen auS
Paris dcr Haiidelsdirector Ozeime und der
Steuerdirector Barbicr hier ein.

Berlin, 26. Aug. Die Commission des
AbgeordiictcilhauieS zur Vorberathung der An-
iiepionsvorlage hiclt gestern Abe^d in Gcgen-
wart des NiinisterPrästdenten Berathung. Es
wurden verschiebene Aincndements gestellt, welche
sämmtlich in dem Pmikle übereinstimmten, daß
fie iofo.ltigc Rcalunioii fordern. Virchow vcr-
langte, daß das deulschc Parlament über die
Einführuiig der Prcußischen Verfassung in den
aiinectirteii Ländern gehört wcrdc. Graf Bis-
marck erklärtc: Er lretc nicht ciner sofortigen
Rcalunion entgegcn, müsse sich abcr gegcn die
jofortige Einführung der Prenßischen Verfassung,
sowie daß daS deutiche Parlament darüber gehört
wcrde, auSiPrechen. Der Regicrung müsse bis
zur Einflihriillg der preußischen Vcrsasjuiig
Spielraum bleiden, die erfordcrliche Regclung
der Verhältnisse durch königlichc Verordnung
zu ermöglichen; cr habe RichtS dagcgcn, wenn
daS Gesetz ausspreche, daß die preußische Ver-
fassung bis zum 1. October 1867 einzuführen
sei. Die Coinmisston tritt Sonntag züsammen,
um cine gemeinschaflliche Rcdaction der Amen-
demenls zu veranlassen.

Vom Rhein, 21. Ang. Merkwürdiger
Weise hat jctzt das prenßijche Hecr die meisten
deutschen Hochschulen besetzt, so daß außer
den Prcnßischen noch die UnivcPsitäten von Kikl,
Leipzig, Würzburg, Marburg, Gießen, Göt-
tingen, Erlangcn, Heidelberg und die älteste
niid ältestberühmle, die von Prag, in der Hand
dei preuhiichcn Rcgicrung liegcn, und nur noch
Freiburg im BreiSgau, Tübingen, München
und Wien, alS zu dieser Stundc uubesctzt,
übrig bleiben. (Fr- I.)

Halle. Nach amtlichcn AuSwciscn sollen
sich gegenwärtig in dcn sämmtlichen nnter prcu-
ßischer Leitung stehcnden Lazarethen Iioch zwi-
schen 33,000 und 34,080 Verwundete und
Kranke besiiiden. Die Zahl der Letzteren Pird
auf ctwa 12,000 angegeben. DaS Verhältinß
der in preußijcher Behandlung befindlichen öfter-
reichischen Vcrwundctcn soll fich nahezu wie 2
zu 1 verhalicn (7000 anf etwa 13,000). Ge-
ring angeschlagcn dürfcn die Opfsr dcS lctzten
cbenso kiirzcn als blutigen KriegeS auf nicht
untcr 20 biS 24,000 Todte und an ihren
Wunden Berstorbene grrechnet wcrden, wozu
vielleicht noch die gleiche Zahl vori beiden Thei-
len an Kraiikhcitcn und namentlich an der
Cholcra Gcstorbener hinzutritt.

F r a n k r e i ch.

StraHbnrg, 24. Aug. Bekanntlich «ur-
den vor Beginii des Krieges die Weine der
herzogiich nassauischcn Keller nach Slraßbilvg
gebrachl. Hente, wo Preußcn daS nassauische
Gebiet annectirt hat, rcklamirt dasselbe diese
Wcine und hat auf dicselben Bejchlag legcn
lafien.

Z t a l » e n.

Florenz, 25. Aug. Jn den östcrrcichisch-
Prcußijchen FriedcnSvcrtrag ist auf Vrrlangcn
JtalienS dcr nachftehende Artikcl aufgcnoiniiien
worden: Jn AuSführiiiig des Artikcl 6 der
Präliminarien von Rikolsburg, und nachdem
der Kaiser Napoleon durch seinen Gesandten

am 29. Juli zu NiksilSburg hatte erkläron
lafien, daß Frankreich Venetien erworben habe,
um dafielbe bei dein WedniSschkUß an Jtalicn
zu übergcbcn, — trin der Kaiser von Oestcr-
reich dicser Erklärung bei und willigt in die
Vercinigiing dcs lombardo-venelianischen König-
rcichs mit dcm Königreiche Jtalien ohne audcre
Bcdingungen als die drr Liquidation deS ge-
mäß dem Züricher Friedensvertrage auf die ab-
getretcnen Gebiete entfallenden Staatsschuldeii-
aiitheils.

Florenz, 26. Bug. Räch der „Nazione"
vcrlangt der Gcneral Menabrea die Kostbar-
kciten, welche die Oesterreicher kürzlich auS Bene-
lien mitgcnommen, einschließlich det Eiseriirü
Krönc zurück. Uebrigeiis lobt das genaniite
Blatt den versöhnlichen Sinn der österreichischen
Untezhändler.

Mailand, 26. Aug. Die Kaiserin vou
Mepico ist hicr -ingctroficn.


Vermischte vachrichten.

' Theater.

^ Mii dcr ^iedcckchr^des s^riedcnS ist^auch für dte

und rvir zweifeln nicht, daß^er das Vertrauen,^
welches ibm von Seite des Publrrums geschentt
wird, abcrmals rechtfertigt.

Wir erfahren, taß sowobl für die Oper, als
auch für Schauspiel und Posse wieder tüchtige Kräfte
gewonnen sind. Auch von Seite des Theater-Co-

F'rankf^rt^ ^ 27.' Algz. ^ W.er die hcutige Börie^be-

Geschäfts erinnerten ganz und gar an die Tage vo?dem
Kriege, nur daß 'die Course jetzt in stetiq steigender Rich-

L882er Bonds verkehrten von 7U/g—^—i/,.

Von österr. Wcrlhen war für National SOVg—51Vg
zu bedingen, sür neue englische Metaüiques 58Vr—68V».
4Vr°/o 39Vr, für Bankactien 671, für Credilacticn 139»/,
bis 1403/4—111 — 140, iür 1860er Loose 61Vs—V».
1864er Loose warett zu 66V, angeboten.

Jn süddeulschen Wertben war ivenig Umsatz. 4VrVo
Bayeru 89V- bez., 4VrVo Würtemberger 91 G., 4°/g
Badische 82^/g G., 4»/rVo Naflauer 91 bez., Frankf.
Bank 130»/» bez.

Von Prioritäten notirten StaatSbahn 48Vs.- Livor-
neser 33'/-.

NapoleonS 9. 25.

Preußische Casienscheinc 105Vis G-
6 Uhr Abends. Jn der Effectcnsocietät wllrdcn jsZ82er
amerikan. Bonds zu 75'/,«—V«, österr. Creditaciien zu
140»/» bez. und 1860er Loose zu 61Vs^V» nmgesetzr.
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