Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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je 150 Mann entlaffen werden. Wie -llge-
mein verlautet, soll in kürzester Zeit zu eitter
gänzlichen Reorganisation der Armee geschrit-
ten werden, von welcher einzig die Artillerie
bis auf den Punkt, daß diese eine nqmhafte
Vermehrung erfahren soll, unbkxsthrt bleibeu
soll. Es soll namcntlich eine durchgreifende
Äenderung deS Wehrsystems Platz greifen, so
zwar, daß Oesterreich in Hinkunft, trotz deS
Verluftes der Provinz Vcnetien, noch einmal
so viel Streiter ins Feld zu stellen im Stande
sein werde, als bisher. Auch soll eine durch-
greifende Purifikation der Generalität erfolgen
und die größte Aufmerksamkeit der Ausbildung
des Generalstabs zugewendet werden.

VZien, 5. Sept. Die „Weserzeitung^ Mt
sich von hier berichten: „Daß der Prager Friede
von Dauer sein werde, will hier Niemand
glauben, selbst auch in den höchsten Kreisen
zeigt man in dieser Beziehung ein Mißtrauen,
das zum Theil in der Hoffnung und dem
Wuusche der Revanche wurzeln mag. Der Hof
fühll die Demüthjgung tief, welche er von dcn
preußischen Waffen erlittcu hat; man verkennt
ganz die Stimmung, wenn bereits versichert
wird, daß man hier bereit sei, mit Preußen
in ein enges Allianzverhaltniß zu treten. Es
gibt allerdings hier wie in Berlin eine Partei,
welche eine solche befürwortet, vorläufig hat sie
aber keine Aussicht, durchzudringen. Der Kai-
ser persönlich will von einer Allianz mit Preu-
ßen nichts wissen, und in seiner nächsten Um-
gebung spricht man ganz offen von dem Tage
der Vergeltung, der nicht lange auf sich war-
ten lassen soüe. Bei Hof circuliren übrigens
ganz merkwürdige Redcn. Man sagt, der Kai-
ser habe dic Regierungsmühen satt und sehne
sich nach Rnhe. Das Wort „Abdication" und
Einsetzung einer Regentschaft wird ausgespro-
chen. Nach eincr andern Version wolle der
Kaiser sich nur eine Zeit lang von der Regie-
rung zurückziehen, während welcher Zeit ein
Regent eingesetzt werden soll. Als solcher wird
der Kaiser von Mexiko bezeichnet, der ohnehin
gezwungen sein werde, sehr bald uach Europa
zurückzukehren. Von dem verhaßten Preußen
geschlagen zu werden, das hätte man sich nicht

im Traume beifallen lassen. Der Kaiser klagt
über die Unverläßlichkeit der Gencrale und daß
der Geist der Armee sich weseutlich verändert.
(Natürlich, weil die Oberleitung keinen Geist
besttzt. Auch die bravste Armee kann durch
eine Führung, wie die ipr letzten Kriege, demo-
ralisirt werden!)

A u s l a n i»

Paris, 6, Sept, Der BankauswelS z-igt
eine Zunahine des Baarvorrathes um l^ M,
Fr,, der Vorschüsse aus Unterpfäuder um
Mill, Fr,, dagegen eine Abnahme deS Porte-
feuillcs um 4g Mill, Fr,, deS Notenumlaufs
um 23*/, M, Fr., deS Guthabens dcs Staats-
schatzes um Mill, Fr. uuh dcs GuthabenS
der Privaten um 16^/z Mill. Fr.

London, 6, Sept, Die Bank von Eng-
land setzte heute den DiSconto von s-chS auf
füns Proccnt herab,

London, 7. Scpt, „Times" dcmentirt daS
Gerücht von einer bevorstehenden Verbindung
dcs Königs von Griechenland mit der englischen
Prinzcsfin Luisc, — Die Legung des alteu at-
lantischen Kabels schreitet befriedigend vor.

Madrid, den 5, Scptbr, Die Köuigin
wird die Kaiserin von Frankrcich in Biarritz
besuchen, .

Petr-rsi>urq, 6, Sept, Sichcrem Verneh-
men nach hat der Kaiser daS EntlassungSgesuch
des GeneralS Mnrawicff als ChefS der Staats-
untersuchnngs-Eommission angenoinmen nnd
dic Auflösnng der Eommission anbefohlen.

Newyork, 25. August., Nachrichten auS
Vera-Cruz vom 13, d. besagen, daß nach dcr
U,ebergabe von Tambicv die kaiscrl, Truppen-
abtheilung nnter General Mejia sich mit den
Rcpublikanern vercinigt habc,

Neuostc Nacdrictikeii.

?S«r/in, 7, Scpt., Abends, Jm Abgcord,-
nctenhanse stand hentc die Annepionsvorlage
auf der TazeSordnung, Der Refercnt Kann-
gießer hcbt hervor, daß Prcußcn die Pflicht
habe, den neuen LandSlcutcn ein freiercs Va-
terland ;» gcben, als ihr frühcres Ivar, Zur
allgemeinen DiScussion sind 9 Redner gegen und
13 für den Kommissionsantrag eingcschricben.

Kirchmann (fnr): Die politischcn Resultate
seien mit den großen Erfolgen des Krieges
nicht in Uebereinstimmung; Oesterreich sei nicht
genug aeschwächt, unhPreußen nicht gcnug gestärkt
zur FLHrerschasl in Dcutschland. Der Redner
ist jedoch übcrzeugt, daß die Regicrung das
Zicl der Einheit DeutschlandS unanSgesetzt im
Auge habe, Gneist (gegen) empfiehlt die Per-
sonalunion mit Beibehaltnng der bisherigen Ver-
faffungen, Waldeck (sür) sagt, das Abg.-Haus
habe dieMission, die deutscheEiuigkeil herzustelleu.
Der Gejetzesentivurf wurde mit 273 Stiinmen
gcgen 14 (Jacobh, Groote, Kappelmann, Mi-
chäelis und Andere nebft den Katholiken) an-
genommcn. Die Polen enthielten sich der Ab-
stimmung. D-r Graf p. Bismarck übcrreichte
sodann den Gesetzesentwurf üder dic Annepion
der Elbhcrzogthümer mit dem Wunsche beschleu-
uigter GeschWsbchandluuL. Dep Efltwurs wurhe
der bisherigen AnMsipuScpmmijston üherwiesen.

A»s Baden. Bei der KarlSruher Maschi-
nenbaugesellschast hat dic Schweiz 60 gezogczic
Zwölfpfünder mit Hinterladung beftellt, ebenso
sollen sür Bayern uud Württemberg Bcstcl-
lungen nachfolgen. Für Baden selbst wcrden
ebensalls gezogenc Geschütze verfertizt, die der
Vollendung nahe stnd.

Niiiversitälg - Nachrichten.

Basel, 5- Sept. Zum ordentlichen Pro-
scffor M der jnristischeii Facultät der Hoch-
schule wurde Hr. Oi. Binding, Privatdocent
m Hcidclberg, ernannt,

4^ S -Vt.^ ^chon seil -^i^-iiTchlm
Nsubs«n «-durinjß Ab-pdjngs


i Ljtlll

-j- Heidelberg, 8. Sepl. Als Zeichen ihrer voll->
kommenen HochachtuNs, verebrten die Osfiziere vom

Krsisverküridigungsbratt fur den KreiS Heidelberg,

zugleich Rmisblatt sür deu Ämts- und Amtsgerichtsbezirk Heideiberg und Wiesioch unü den Ämtsgerichtsbczirk Neckargemünü.

Großh. Bezirksamt Heidelberg.

Nr. 19t02. Grenadier Pbilipp Föchner von
Spechbach hat sich unerlaubterwetse aus seinem
Garnisonsort entsernl und ist dessen Aufenthalts-
ort unbekannt.

Derselbewird aufgefordert, sich binnen acht Wocheu
bei miterzei^neter Stcüe^odcr ^dem^ Commando

tragt werden wird.

Zugleich wird deffen Vermögen hierdurch mit
Beschlag^belegt.^

Die landwirthschastlichen Winters
schulen betr.

Am 3. November beginnt der Unterricht in den
landwirthschaftlichen Winterschulen zu Karlsruhe,
Heidclberg und Bühl: Der Zweck dieses volksfaß-
lichm und his gegen Ostern nächsten Jahres vau-
ernden Unterrichts, wcscher täglich in 6 Stnnden
ertheilt wird, ist, jungen (mindestens fünszehnjäh-
rigcn) Landwirthen Gelegenheit zu verschaffen, um
dte zu einem verbeffcrten Bxtrieb ihres Ge.werbes
erforderlichen Kenntniffe zu erlangen. Das Schul-
geld beträgt 15 sl. Anmcldungen geschehen in
Karlöruhe bei der Gr. landwirthschaftlichen Gar-
tenbauschule, in Heidrlberg bei Landwirthschaftsin-
spcctor Gsell, in Bühl bei Landwirthschaftslehrer
Horn.

Karlsrube, den 1. September 1866.

Großh. Handels-Ministcrium.

_Z-d-,

Holzabfuhr betr.

Auf Antrag der Stadtbezirksforstei wird aus
forstpolizeilichen G ünden die Fristerstreckung zur
Holzabfuhr auf die Zett biS zum 15. d. M. be-
schränkt, nach deren Ablanf eine erhöhte Strafe für
jedes noch im Walde befindliche Klafter Holz oder
das demselben gleichkommende Quantum eintreten
muß.

Heidelverg, den 6. September 1866.

E De^Gemcinderath:

Sachs.

Güterverpachtung.

Im Auftrage des großh. BezirkSingenieurs Hrn.
Iost wird der Unterzeicdnete am

Samstag, den 15. d., Nachmittags 2 Uhr,
auf hiesigem Rathhause

die demselben zustehcnden Grundstücke in hiesiger
Gemarkung (Theile des ehcm. Mayer'schen Gutes),
in 50 Parcrllen bestehend, anf 6 weitere Iahre
— Martini 1866 bis dahin 1872 — mittelst Ver-

Heidelderg, den 8. September l866.
Rathschreiber
S a ch s.

Holzverstngerung.

^ Montug, den 17. September d. I.,

aus der Abtheilung Kalkofenberg:

75 Gebnnd Eichcnschälrinde, 80 Stuck eichene
Wagnerstangen, 156 Klafter eicheste Schälholz-
Prügel unb 3300 Stück dergleichen Wellen;
sodann von Windfällen a»s den Abtheilungen
Mühlbang, Felgenwald, Schönerbuchwalv, Ochsen-
lager und anderen des Camcralwaldes:

19 Klafter buchenes Scheitholz, 9 Klafter ge-
mischtes Prügcl- und 48 Klafter buchcnes Klotz-
holz, 850 Stück buchene Wellen und 11 Stück

Dienstag, den 18. September,

aus der Abtheilung Lockersberg bei Heiligkreuz.
steinach:

5 Stück geringe Eickstämme und 298 Stück ge-
schälte Wagnerstangen»96 Klafter etchene Schäl-
Holz-Prügel und ll375 Stück, dergl. Wellen.

Man versammelt sich am ersten Tag im Hirsch
iu Ziegelbausen und am zweiten Tag im Löwen
zu Heiligkreuzsteinach, ieweils früh 9 Uhr.

Ziegelhausen, den 4. September 1866.

Großb- bad. Bczirksforstei

_Föhlisch._(1)-

Heidelberg. Ein oder zwei
Knaben, die eine hiesige Lehr-
anstalt besuchen wollen, werden unter sehr annehm-
baren Redingungcn in Wohnung, Kost und gute
Aufficht gcnommen. Von wem, sagr die Erped.
der Heidelberger Zeitung. s'2j

Aeckerversteigerun^. ^

Montag, den 10. Septemder 1866,
Nachmittags 3 Uhr,

im Gafthaus zum Darmstädter Hof dahier,

in 21 Parzellen bestehenden Güterstucke ^freiwillig
zu Eigenthum versteigern.

Im Falle eineS ungünstigen Ergebniffes sollen
die Aecker znr Verpacktung ausgeboten werden.
Heidelberg, den 4. September 1866. (3!^

P. Defaga

(Altenbach.s

Arbeiten-Versteigerung.

Donnerstag, deu 13. d. M., Nachmittags
1 Uhr,

versteigern wir auf dem Rathhaus dte Reparatur-
Arbeiten am hiesigen Schulhause, im Anschlag

1) Maurerarbeit . . . 50 st. 40 kr.

2) Schreinerarbeit . . . 1 fl. 48 kr.

3) Blechnerarbeit . . . 57 fl. 12 kr.

.4) Tüncherarbeit . . . 164 fl. 40 kr.

znsammen . . 274 fl. 20 kr.

Der Kostenüberschlag kann zu jeder Zeit hier
cingesehen werden.

Altenbach, dcn 5. September 1866.

Der Bürgcrmeister
Röth.

Hoehr.

Marktanzeige.

Unser diesjähriger Oktobermarkt wird, weil das
Kirchweihfest. auf den 30. Septcmber fallt, am
1. Oktober abgehalten, was hiermit zur öffentlichen
Kenmniß gebracht wird.

Schönau, den 5. Septcmbcr 1866.

Das Bürgermeisteramt

Simon. (2)2
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