Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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wird. WeitauS die meisten Heilungen erfolgeu
im 1. unv 2. Behandluugsjahr, nicht mehr i»
den spätereu Jahren. — Es wird neuerding»
bezweifclt, o,ß StLatSminister Stabel da» Zu-
fiizminiskerium wiedcr ibernehme. (S. M.

KarlSroh^, 12. Sept. Wie Württemberg
und Bayern wird auch Badeu, wic man dcm
S. M. schreibt, eine durchgreisende Reorgani-
sation des MilitarwesenS ansirebeu. Sind in
diejer Beziehung wichtigr Erfahrungen >m letz-
ten Krieg gesammelt worden, so ist auch der
Bund kein Hindernih mehr, um cine abgekürzte
Präsenzzeit einzuführen und große Kosten zu
sparen

Karlsrube, 13. Sept. Wir vernehmeu,
daß die von Bade» an Preußen nach dem
FriedenSvertrag zu leistende KriegSkosten-Ent-
schädigung von 6 Millionen Gulden vollständig
baar dezahlt ift. Rachdem bekanntlich bereilS
svgleich nach dem Abschluß d-S Frredens
der genannten Summe entrichtet worden waren,
wurde der lktztc Rest am 6. Sept. einbezahlt.
Die DiSconto-Vergütung für Zahlung vor Ab-
lauf der zweimonatlicheu Frist beträgt etwa
46,5l>0 fl. — Die Cholera, welche im Ge-
solge des KriegeS in die Main- und Tanber-
gegend eingcdrnngen, hat ihr Ende noch nicht
erreicht. Zwar in Wertheim, wohin ste zuerst
eingeschleppt worden, treten die Erkrankungeu
nur sehr vereinzelt auf, so daß seil dem 9. Aug.
von der Bevölkerung nur 17 Pcrsonen starben.
Am hestigften herrscht sic in einigen Orten de»
Amtes TauberbischosSheim, in Schönseld,
wo von eincr Bevölkerung von nur 524 L-eelen
137 erkrankten und 51 starbcn, und in Dit-
tigheim mit 1037-Einwohnern, von denen
134 crkrankten und 49 starben. Seit kurzem
erfolgten nun auch in dem dem erstern nahe-
gelegenen Jlmspan 8 TodeSfälle. GrünS-
seld zählt 11k Erkrankungen, doch nicht mchr
als 18 Todessällc; cbenso Gerlachsheim nur
4 unter 38. Nur vereinzelte Sterbfälle ereig-
neten sich in Werbach, Dittwar, Vilch-
band, Hardheim; in Gerchsheim doch
beren k, in Schwcigern und Wölchingen
bei Boxderg je 2, in Krautheim in diesen
Tagen einer, von Osterburken herstammend,
mit der Zeit deS RüekmarscheS der hanseatischen
Truppenzusammenfallend. Hefttgcr ist die ncueste
Vcrbrcitung in Walldürn, wo 19 Personcn
starben unter 81 Erkrankungen jeden Grade»,
und in Freudenberg am Main. WaS der
Seuche entgcgcngejetzt werdcn kann, geschieht
mit Umsicht und Anstrengung; hofle» Wir aus
baldigen Erfolg, und räumeu wir indcß alles
DaS hinweg, waS ihr einen Bodcn v-rschaflc>z
konnte. (K. Z.)

Karlsruhe, 13. Scpt. Nach Nrtikel
9 drs zwischen Preußen und Badsn am t7.
August d. I. abgeschloflenen Fricdensvertragcs
verpflichten sich die Kontrahentcn, vom 1. Ja-
unar 18K7keincrlci Schifssahrts-Abgaben
aus dem Rhein weiter zu erhebcn, sofer» die
übrigen deuljchcn Userftaaten deS RheinS gleich-
zeitig die gleichc Maßregel trcflen.

' Bekanntlich haden sich nun die übrigeu deut-
jchen Uferstaalen am Rhein, Baicrn und Hes-
sen-Darmstadt, in den mit Preußen abgcschlos-
scnen Verträgen zum Aufhebcn dcr vou ihnen
bisher von der Rheinschifffahrt bezogenen Zölli
und sonstigen Abgaben verstchcn müssen. R a s-
sau, das stets am hartnäckigsten Widerstand
leistetk, dic Rhcinschifffahrt frei zu geben, fällt
von selbst weg, da eS künstig Preußen angehört.

Das Nheinoctroi, das Baden btsher be-
zog, hat in den letzten Jahre» zwischen 73,000
und 91,000 fl. gcschwankt; als Durchschmtt ist
im gegcnwärtigen Slaatsblldget die Summe
von rund 83,000 fl- für das Jahr angenom-
men. Bekanntlich ist dieser Gegenstand in je-
der Sesflo» dcr badischen zweiten Kammer zur
Sprache gekommen, indcm man die Ermäßigung
oder bcffer die völlige Abschaffung der Rhcin-
zölle, sammt Oclroi's uud sog. Rckognitions-
gebühren für eine Grundbcdingung dcs Fort-
beftandes der für die deutschen Handels- und
Gewcrbsintcressen jo wichtigen Schiflfahrt auf
dem Rhein erklärte. Die Schifffahrt hat aiff
dieser mächtigsten deutjchen Waflerstraße von
Jahr zu Jahr abgenomnien, indem sic bei den
hohen Abgaben und Belästigungen aller Art,
welche zumal Rafsau und Hessen-Darmstadt ihr
bereitete», nur mit äußerster Mühe im Stande

«ar, die Coucurrenz mit den an beiden Ufern
hinlaufcnden Eijcnbahncn zu bestehen.

Die dadisch« Regierung befand sich im We-
sentlichcn über das Bcrkchrte Ulld Rachtheilige
der Rheinzölle mit den Kammern in ll-berein-
pimmung; leidcr vermochten aber alle ihrc Be-
mühungen bei den übrigen betheiligten Staaten
nicht durchzudringen; nur eine klrine Ermäßi-
gung dcr Rekognitionsgebühren um °/, ist
ihr in I-tzter Zeit gelunzen. A« hartnäckigsten
widerstano man stetS iu WieSbaden u»d in
Mainz, beziehungSweise Darmstadt; dagegen
zeigtc stch Preußen ielbst längst bcreit zur Aus-
hcbung ber RheinjchifffahrtSsbgaben.

Wem auch daS Vcrdienst gcbührt, ste bei der
jetzigen günstigen Lagc dnrchgesetzt zu haben,
ob Pkeußen vder Baden, jedenfalls ist diese
Seile der von Preußen abgeschlosscnen FriedenS-
vcrträge die crfr-ulichste; und es gebührt ihm,
da die Sache doch jedenfalls hauptsächlich in
seiner Hanb lag, der D«nk deS deutschen Han-
del« und dcr deutschen Jndustrie.

Nach dicscm Borgang ist zu hoffen, daß auch
auf nnsern Nebenflüffen, »amcntlich dem Main
uno Reckar, alle Wasserzölle nach und »ach
ganz schwinden wcrdcn. Dieselben betrage»
zur Zeit noch ctwa 75,000 fl. jährlich, wodei
indeß wohl zu erwägen ist, daß die ErhebungS-
kosten schon von vornherei» einen guten Theil
dicser Slaatseinnahmen wegnehmen, und waS
> übrig bleibt, in keinen Betracht kommt zu der
Belästigung, welche dadurch der Schifffahrt und
der Flößerei bereitct wird.

Aus dem Kreis Lörrach, 10. Sept.
Frhr. v. Roggenbach, welcher jchon »nteim
25. Juli jein Mandat als Vcrtrcter deS VIII.
AemtcrwahlbezirkS niedergelegt, hat vor wenigen
Tagen i» einem auS Reuwied, 4. d. M., da-
tirten Schreiben an seine Wahlmänner über
die Motive dieseS Schrittes deS Nähern sich
auSgesprvchen. Nachdem der Hr. Verfafler die
potilijchcn Ereignffse vor Ausbruch d-s KriegeS
reprooucirt, sährt er svrt:

Sieg ett'tichicden und keinc sv überraschend schneN ENt-
scheidung oerauSzns-hM war. mich berci, erklärt, in
jeder Wcche ttiitzuwirken, daß die nalioiiale Sacke nichl
unkerliege. Die Uiiveiträglichkcil ciner gleichzciligen
polilifchen Thäligkcil in Baden mit der Erfüllimg dieser
HSHern Pflrcht lag auf ocr Hand, und fo schmerzlich mir
gcrade die Elttsaginrg ward, meinem Wahlkreis ferner
dieaen zu köiinen, so durslc ich doch nichk fchwariken.
in demjelbcn Äugendlick airch Meiireil AilStriN ans der
badischm kkaitnn-r zn erklären. Jch b,kla.,e im inner-
st-N Hcrzeu die Rothmmdigkeil di-s-S Enlschluffi«. aber
ich bereue ihn nicht. und ist gleich mit dem Sieg die
Gesahr und mil der Gesahr die Verpfiichkung wegge-
saltm, bereit zn scin zu irgend ivelchem Eiiigreiien in

welchc anö diesen creigliißreichen 'Monalm für den
einei ^rationalm politischen Thäligkeit cher schädlich ala

Zeit sich erhedenden Gerüchlcn ist, ich würdc ii^ preu-
tzischcn SlaalSdimst treten, so sest bin ich jedoch ent-

Frankfurt, 12. Sept. Morge» wird Ge-
neral v. Manteuffel mit dem Stab unsere Stadt
verlaffen. (S. M.)

Aschaffenburg, 12. Sept. Der Sokdat,
welcher das mchrerwähnte Attentat auf den
preußischen Premierlicutenant v. Fritschc aus
der Stalion Stockstadt verübte, ist ermittelt
worden. Dersclbe ist seines Geschäfts ein Floß-
knecht und aus Langenstadt (bei Kronach) ge-
bürlig. Er war bei seiner Ermittlung bercitS
von Jngolstadt in Urlaub enttassen und soll
scine sosortige V-rhaftung veffügt worden jein.

Bcrlin, 11. Scpt. Der Ministcr des Jn-
nern hat jetzt Anweisung ertheilt, den Saal
für die Plenarsitznngen dcs AbgeordnetenhanseS
crheblich erwcitern nnd sv etnrichken zu laffen, !
daß auch die Bcrtreter der Bevölkerungen iu
den neu erwvrbenen Landestheilen Platz finden, >

Jm Saal bcfinden stch gegenwärtig 375 Plätze
und es sollen nunmehr 435 Sttze eingertchtet
werde».

Berlin, 11. Sext. DaS HauS ber Ab-
georbNetcn begann hkute seine Verhandlün-
gen über dcn Entwurf eines Wahlgefttzes für
den RcichStag des norddeutschen BundcS. Die
Debatte wird durch den Berichterstatter Abg.
Twesten eröffnet. Es handlc stch, bemerkt der-
selbe, um zwei Fragen. Die erste Frage lau-
Icl: gibl es ei» EroberungSrecht? Dtese Frage
könne unbedingt nur mit Ja beantwortet wer-
ben. Gebe es aber ein EroberungSrecht, seten
benn bie Veffassnoge» ersberts« Länder z« ve-
spcctire»? Seien Bersaffunge» durch Revolution
oder Eroberung, also auf nichtverfaffungSmäßi-
gem Wcge, cinmal abgeschafft, so trete die neue
Macht auch mi! voller freict Hand ein. Die
zweite Frage handle fich um den Umfang deS
Bundes. Der alte Bund habe ganz Dcutsch-
land umfaßt, abcr cr habe nur di- Ohmnacht
Deutschtands repräsentirt, und eS trete jetzl der
feltene Fall ein, daß daS Stück stärker als das
Ganzc. (Bcifall.) Die Wiencr Verträge seien
jctzt auch fnr unS zerrissen; mit moralischcn
Eroberungen seien wir nicht vorwärts gekom-
mcn; nun aber habc der große Krieg diejeS
Sommcrs GroßeS vollbracht; mchr dliebe jedoch
noch zu ttzun, und vor Allcm habc dieses Haus
das Erreichte zu besestigen und zu erweitern.
Die Trennung von Nord- nnd Sübdeutschland
solle und bürfc ketne daucrnde sctn, nnb dep
AuSschluß OesterreichS werde die Etntgnng we-
scntlich erlcichtern. Nicht ein Abschluß, son-
drrn ein Anfang für das künfttge Dcntschland
sei das heutige Werk dieseS HauseS. (Betsall.)
Abg. Groote erklärt stch, vom großdcntschen
Standpunkte aus, geqen die Vorlage. Preuhen
habe den DualiSmuS abgeschafft, dafür aber den
DualiSmuS der Princ>pien gesetzt. Es handle
sich nur um eine Vergrößerung PrcußcnS, was
baneben, jei nur ein deutjches Chaos. Keiü
dentsches Gemüth würde jich darüber sreuen,
daß Deutschland an ein preußischeS Wesen über-
ltescrt werde. (Zischen rcchts.) Abg. Strosser:
Di< Conjervativen hättcn sich erst mtt der Vor-
lagc nicht besreunde» können, weil fie geglanbt
hätten, dah es sich hier um eine Art von Bolks-
souvcränetät handle," von welcher die Cvnserva-
tiven eben so wentg etwas wiffcn wollten, als
z. B. Hr. LSwe von den Fürsten; fle hätte»
aber etngeschen, daß eS stch um ein« gute und
leicht ausführbare Realttät handle, nachdem Oe-
stekreich auS Deutschland ausgeschtcden, und mit
»ollstem Herzen stimmten flc sür die Vorlage.
Abg. Dr. Birchow meint, bic Cvnservativcn
hätten ihre Ursache, mit Resignation >n die
Berathung einzntrcten. Rcdner erklärt, nicht
für die Vorlagc stimmen zu könne». Er will
ein ganzeS Deutjchland, kcin Dcntschland mit
einer Mainiinie. Auch sei das zu wählenbe
Parlament, wie cr glaube, mtt keiner Macht
ausgestatter. Warum sage die R-gierung nich«,
mit welchen Rechten daS Parlament auSgestat-
let sein solle? Ein solcher Körper, der k-ine
andere Macht habe, als die der Bcredsamkeit,
werde nur ein Mitlel in der Hanb der Regie-
rung jein und »uch wohl schwerlich eine andere
Ausgabe habcn, als die, eine Geldbewilligungs-
majchine zu sein. Abg. ». Carlowitz für die
Vorlage. Abg. Dr. Liebelt (polntsche Fraetion)
erklärt stch gegen die Borlage und legt gleich-
zeitig einen Protest gegen die Aufnahmc der
Provinz Postn in den norddeutschen Bunb aus
den Tisch des Hauses nteder. Glücktich sci,
wcr den Sommer 186k erlcbt; die deutsch« Ei-
nigung werde jetzt besser gelingen, als bei den
betreffenden früheren Versuchen. Nur cin Bun-
desstaat vhne Oesterreich könne zum Ziele füh-
ren, nnd dieses Ziel werde jetzi crreicht wer-
den. Etnc Bürgschaft für das Geiingcn seien
auch die Anneffonen: an vier Milltonen Men-
schen, die zu den edelsten deutschcn Stämmen
gehörten, kämen jetzl zu Prcußen, dessen Anrac-
livnSkraft jetzt natürlich eine viel größere wcr-
den inüsst. Redner wffst die Einwürfe dcr
Gegner der Vorlage znrück und schließt dann:
Dic dentschen Kaijcr haben ins Grab steigcn
inüfstn, aber dt- dcutsche StaatSaufgabc ist ge-
blieben, und dicse Aufgabe ist die Aufgabe nn-
sercS Staatks gewordcn. (Bcifall.) Abg. v'
Gerlach ist aus conscrvattven Gründen gege»
die Vorlagc. Er wolle pffnctptell kcin Parla-
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