Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

Page: 280
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1866a/0280
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
maßige Kleidung; Eintheilung der Truppen-
einheiten nach Wohnorl, Alter, Waffengatlun-
gen nnd Dicnstzweigen und Rang unter Füh-
rern, die stufcnrveise uuter MitwirkMg dtt zu-
nächst Untergcbenen gewählt werden; Uebung
dersclven im rcm Kriegerischen, in der Heimath
stufenweise von der Gemeinde aussteigend bis
zum ganzen Lande mit möglichfter Rückkehr auf
Gewerbe und Landbau bezüglich dcr Zeit; Ver-
pflegung, Besoldung, Vcrsicherung gegen KriegS-
schadcn bei getreuer Pflichtersüüung in Fein-
desabwehr, vollständige' Sorge für Vcrlaffene
und Hinterbliebene, nicht bloß durch freiwillige
Stiftung, sondern von Gefetzeswegen."

Portugal hat seinen Beitritt zu ver Genfer
Convention erklärt.

Aus Mepiko, 25. August, wird gemeldet:
Mehrere Amerikaner sind als Verschwörer im
Fort San Juan Ulloa eingekerkert. Man
glaubt, einer dersclben werde erschoffen werden.

D e ;r r s ch t n n d.

Karlsruhe, 16. Sept. Seine Königl. Hoheii der
bold ül Pcsch das Ritterkreuz Ällerhöchstihres OrVcns

Sanitäkscompa^nie und des^ AnfnahinSh'ospitalszum

1. Füsilierbat. zrmr 3. Dra^.-Req. Prinz Karl, Ven
Regimentsarzl Braun vom 2. Ins.-Reg. Könrg von

Arzt Dr. Schmidt vom 5. Jnf.-Reg. znm 2.. Zkf-.-

Draa.-Reg. Mar'kgraf-MlriNtttian. (Schluß folgt.)

Karlsruhe, 15. Septbr. Das heute er-
schienene Regierungsblatt Nr. 50 enthält (außer
Persönalnachrichten):

I. Verfügungen und Bekanntmachungen der
Ministerien. 1) Bekanntmachung des gr. Miki-
sieriums des gr. Hattses und der auswärtigen
Angelegenheiten: Die Errichtung eines.großh.
Konsulats zu San Francisco in Kalifornien
betreffend. 2) Bekanntmachungen des großh.
Ministcriums des Jnnern: a) Die mit der k.
belgischen Negierung über das Paßwesen ge-
troffene Uebereinkünst betr. d) Die Ausgabe
von Schuldveischreibungen an den Jnhaber durch
bie Stadtgemeinde Manuheim belr. o) Die im
Späffahr d. I. vorzunehmende medrcinische Vor-
und Hauptprüsung betr. Jm Spätjahr d. I.
wird sowohl einc medicinische Vorprüfung als
auch eine medieinische Hauptprüfung stattfinden.
3) Bckanntmachung deS großh.Handelsministc-
riumö: Die Ertheilung von Erfindungspatcnten
betr., und zwar an Hrn. Papicrfabrikanten H.
Völter in Hcidcnhcim für den vou ihm er-
fündenen, durch Beschreibung und Zeichnung
erläuterten Holzzeug-Apparat sowohl in seincr
Gcsammtheit als auch für dessen einzelne rigent-
liche der Holzzcug-Fabrikation angepaßte Bc-
standtheile; ferner an did Herren Reinhardt
und Sammet in Mannheim für die von ihnen

erfundene, durch Zeichnung und Befchreibung
nachgcwiescne konjlruktive Modifikation von
Caloriseres; ferner an Hru. Antoine Alexandre
Pelaz in Paris für das von ihm erfundcne
eigenthümliche Doppeldruck-Verfahrcn; ferner
an die Bindestoff-Farbenfabrik München für
die von ihr erfundenen Bindcstoff-Karben. 4)
Bekanntmachungen des gr. Ministeriums der
Finanzeu: a) Me Staatsprüfung im Baufache
betr. Darnach stnd nach erstausener ordnungs-
mäßigcr Staatsprüfung nachstehende Baukandi-
daten unler die Zahl der Baupraklikanten auf-
genommen wordcn. Franz Gerstner von
Karlsruhe, Adalbert Kerler von da, Julius
Pecher von Stockach. d) Die Staatsprüfung
der Kameralkandidaten belr. Dadurch wird eine
dcn 15. Oktober o.I. bcginncnde Staalsprüfung
angeorbnet. 5) Bekamttmachung des gr. KriegK-
ministeriums: a) Dcn Garnisonswechsel betr.
b) Die Formation und Einchcilung der Jn-
fanterie des gr. Armeekorps betr.

II. Todesfälte. Auf drm Feldc der Ehre
sind geblieben: Am 23. Juli d. I. in dem Ge^
fecht bei Hundheim: Oberleulnant Karl Vöge-
lin, Oberleutnant Gustav Schmidt u. Ober-
lemnant JuliuS Fritschi vom 5. Znfanterie-
regimcnt. Gestorben sind: Am 4. August d. I.
in Würzburg: Hauptmann Alfred von Lclh
vom 3. Znfanteriercgiment an fcinen im Ge-
fecht vei Wcrbach am 24. Juli d. I. crhalte-
nen Wunden. Am 25. Aug. d. I. in Milten-
berg: Leutnant Hermann Delorme vom 5.
Jnfanterieregimenl an seinen im Gefecht bei
Hundheim am 23. Juli d. I. erhaltcnen Wun-
den.

Kartsrrrhe, 15. Sept. Die „Karlsr.
Ztg." fchreibt: Eiüe angeblich in Wien bei
Zamarski gedruckte, von Karl Aue in Stutt-
garl debitirte Druckschrift: „Aklenmäßige inte-
rcssante Enthüllungcn über den badischen Vet^
rath an den deutschen Bunveslruppen in dem
so eben beendiglen preußisch-deutschen Kriege"
hat, wohl meht durch ihren Tikel, als durch
ihren Jnhalt, in weiteren Kreisen Aufmerk-
samkeil crrcgt.

Ueber die Berechtigung zu der Ucberschrift
„aklenmäßig" mögen solgende Proben AuSkunft
gebcn:

Auf S. 13 wird ein aus Vilbel vom7. ,Juli
datirtcr, „Einer für Vicle des Garoe-Grenadier-
regiments" unterzcichneterBriefabgedruckl, nach-
dem dieses Fabrikat der Literaten der srüheren
„Neuen Franfurter Zeilung" längst durch die
Vermuthung, daß ein Augehöriger des Leid-
Jnfanterieregiments wenigstens den Namen
jeines Negimenls gckannt und richtig geschrie-
ben hätte, serner durch eine öffentliche Erklärnng
dcs gesammtcn Offizierkorps dcs Regiments,
endlich durch die Thatsache widerlegt war, daß
am 7. Juli kein einziger Soldat des Regimenls
in Vildcl stand.

Auf S. 23 wird die Dermuthung ausge-
.fprochen, daß die nach dem Gcfecht bei Wer-
.bach Vermißten (warum nicht auch die scheiü-
bar Verwundeten und Todten?) sich wohl nur
zeitweilig bei den Preußen aushielken, um
von dem dortigen Generül die Befehld für Ven
nächsten Tag entgegenzunehmen.

Auf S. 21 läßt man Seiner' Königlichen
Hoheit dem Großherzog einen Zusammenstoß
preußischer und badischer Truppen aus Preu-
ß e n melden, und erst nachdem aus dieser Unter--
stellung die nöthigen Schlüsse auf den „badischen
Verrath" gezogcn sind, wird in einigcn der
im. Großhcrzogthum verbreiteten Exemplare
der Schrifl die verübte Fälschung durch einen
eingeklebten Papierstreifen vahin berichtigt, daß
die betrcffcnde Meldung nicht aus Preußen,
fondern aus — Buchen kam.

Der Umstand übrigens, daß die Druckschrift
nebenbei auch wirklich authentische Aktenstücke,
dienstliche Meldungen und Brfehle, sogar Privat-
telegramme enthielt, welche nur einer beschränk-
ten Anzahl von Personen zugänglich waren,
daß in der Druckschrift wiederholt angegeben
ist, dieses und jenes Aktcnstück befinde sich oder
fehle in den Akten des VHI. Bundes-Armee-
corps, gab derfelben immerhin einen osfi-
ziellen Anstrich, und bei den fchweren Ver-
dächtigungen,wclche die Schrift gegen die badische
Regierung, gegen dic zweite Division des Vlll:
Armcecorps, und insbefondere gegen deren
Commandanten, dcn Prinzen Wilhelm von

Baden. enthält, find weitere Schritte unum-
gänglich.

Dor Allem glaübte Seine Großhttzogliche
Hoheit felbst d'tt dürch dis persönliche «nd mili-
tärische Ehre geboteneü Schritte b^njenigen
höhereü Osfizieren gegenüber thun zü sollen,
aus welche die Natur der Sache ünd die
Stellung,die sie im Vlll. Armeecorps cinnahmen,
zunächst hinwies.

Berichte aus Wien und Stusigart meldeten,
daß die öffentliche Meinung den vormaligen
Commandanten des VHI. Armeccorps, Seine
Großherzogliche Hoheit den Prinzen Alexander
von Heffen, äls denjenigen bezeichne, welcher
oas Material zu der Schrift geliefert habe.
Diese Anfchauung war auch hierlands verbrei-
tet, und schien oadurch unterstützt, daß sieh
Seine Hoheit kurz vor Erscheinen dcr Broschüre
in Stuttgart und Wien aufgehalten halte. Wit
freuen uns, diese Unterstellung durch die folgendß
Erkläruüg wiedttlegt zu sehen, welche Seine
Hoheit den zu ihm entsandten Generallieutenant
Waag und Obersten Grafen Sponcck abgab
und fchriftlich einhändigte:

„Äuf den Wunsch Seiner Großherzoglichen
Hoheit des Prinzen Wilhelm von Baden er-
kläre ich hiemit, daß ich zu der Ferkigung und
Veröffentlichung der Schrift „Aktenmäßige in-
tereffante Enthüllungen über den badischen
Verrath an den deutschen Bundestruppen in
dem so eben beendigten preußisch-dcutschett
Kriege", in keinerlei Bezichung stehe, daß mit
übcrhaupt diese Schrift, bis zu ihrem Erschei-
nen im Drucke, fremd geblieben ift, und ich
die dort eingehaltene Art und Weise der An-
'griffe gegen den Prinzen Wilhclm von Badett
uicht billigen kann.

Seine Großhcrzogliche Hoheit werden hiermit
ermächtigt, von dieser Erklärung jeden beliebigen
Gebrauch zu machen.

(gez.) Prinz Alexander von Hessen.

Hei ligenberg, 11. Sept. 1866."

Der mit den Corpsakten getriebene MißbraUch
veranlaßtc ferner eine Correspondenz mit dem
vormaligen Chef des Generalstabs des VIII.
Armeecorps, dcm königl. württemb. General--
lieulenant Bauer, welchcr folgende Erklärüng
abzugcben die Güte hatte:

1) /,Jch habe von der Broschüre vorher nichts
gewußt, ich bin von ihr wie das übrige Pub-
likum überrascht worden, unv weiß daher auch
nicht, wer der Verfasser oder Urheber ist.

2) Mit meinem Wiffen nnd meiner Erlaub-
niß wurdc kein Slück der Corpsaktcn, das auf
jenes Werk enffernt Bezug hat, abgegeben. Seik
dem Einmarsch in Ludwigsburg, 9. August bis°
4^ Sept., wo die Akten sämmtlich an daö kgl.
Kriegsministerium abgeliefert werdCn mußten,
war dic Rcgistratur untcr meiNem Verschlussi
und wurde n ichts davon eütfernt.

3) Die mit Bleistift gejchriebene Meldung
von Oberaltersheim habe ich nie gesehen. Jch
fand sie auch tticht in den CorpSakten unb glaube
nicht, daß sie dort sich befindet.

4) Jch habe dem Corpscommandanten nie^-
mals einen Antrag aüf Suspension des Cdltt->
mandantcn der 2. Division gestellt. Dagegen
ist richtig, daß in Crainftld, als die Meldüng
von dem Zurückgehen der Badener einkraf, da-
rübek gesprochen wurde, ob jener Commandant,
wettn er den Besehl, wiedcr vorzurücken, nicht
befolge, vom Amte nicht zu suspendiren wäre.
Der Befehl wurdc sofort befolgt. von Suspen-
sion war von da und auch später nicht mehr
die Nede, wenigstens ist Mir nie etwas davon
bekannt geworden.

J'ch beklage tief die Broschüre und würve
von ganzem Herzeu wünschcn, daß sie unge-
schricben geblicben wäre, wcil ich die schmerz-
lichen Gefühle ermeffe, welche sie bei Höchstden-
selben hervorbringen mußte. rc.

Ludwigöburg, 10. Sept. 1866.

(gez.) Baur, Gl."

Hiemit hielt Scine Großherzogliche Hohcit,
der Prinz Wilhelm, und hielten diejcnigen Per-
sonen, welche er zu Rath zn ziehen für gut
fand, die persönlichen L-chritte, die Seine Hoheit
thun konnte, für erschöpft; es wird die Ange-
legenheit nun durch die zustandigen Behörden
weiter behandelt werden und wir werden die
Ergebniffe berichten.

Sollte sich außerdem irgend Jemand zu einer
Entgegnung, auf demselben Wege, auf welchern
loading ...