Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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schließen werdc. Eine Verschiedenheit der An-
sichten dürfte in dieser Beziehung nur über die
Mcthode der Behandlung hervortretcn und sich
geltend machen. Denn man kann die ange-
gebene Politik vollkommen billigen, als die ver-
ständigste und sachgemäßeste, und dennoch wün-
schen, daß die süddeutschen Staatcn zu gemein-
samen Schritten sich zusammenthun und über
die gemeinsamen Bedingungen stch verständigen,
untcr denen sie mit dem norddeutschen Bunde
sich vereinigen können und wollen. ES ist dieS
für das Gelingen der Sache selbst von großer
Bedeutung, und wäre daher sehr zu wünschen,
daß nicht gewisse Erfahrungen und Erscheinun-
gen der neuesten Tage Hindernisse, hier Em-
pfindlichkeiten, dort Mißtrauen bereiteten.

Um solchen Trübungen in Verfolgung der
gcmeinsamen nationalen Aufgabe entgegenzu-
wirken, werden, wie wir hören, süddeutsche
Volksabgeordnete nächstens wahrscheinlich in
Stuttgart zusammcntreten, nm über ein gemein-
sames und einhelliges Vorgehen in dieser Sache
sich zu verständigen.

Heidelberg, 23. Sept. An die Stelle
des bisherigen Abgeordneten Fauler ist Be-
zirksrath Helmle von Steig im 43. Aemter-
wahlbezirk, Landamt Freiöurg, mit 32 Stimmen
von 40 gewählt worden.

Kafsel, 20. Sept. Der Administrator des
Kurfürstenthums Hefien, Regierungspräsident
v. Mocller, veröffentlicht folgende Urkunde,
betreffend die Eidesentbindung der kurhessischen
Truppen, Civil- und Hofdienerschaft und Un-
tcrthanen:

^DaS Tchicks^l.^ ^wel^es Mich ui^d Mein Land be-

Meiner Regentenrechte unmöqlich gemacht worden ist,
die, dieien Rechten cntsprechenden Pflichlen Meiuer
U^tertbanen jeden StandeS ^und^ Benifes^ ^entqegcn zu

Hofdienerschaft von dem Mir geleisteten Diensteide. So
gescheben zu Stettin. den 18. Sept. 1866. (gez.) Fried-
rich Wilhelm, Kurfnrst von Hessen.

Hildburgbausen. Das herzogl. Rezie-
rungsblatt veröffentlicht folgende Proclamation:

An Mcine getreuen Meininger! DaS eiserne Gcschick
unserer Lage hat auch nnS betrofsen. Jch trete heute
von der Re.tierung des LandeS zurück. daS Jch 45 Jahre
mit Liebe und Treue regiert habe. Jch tbue cS sckmerz-
lich und tief bewegt; Jck hatte gehofft bis au's Ende
Meiner Tage Euer Herzog zu bleiben, und nur um
Euch vor schweren Opfern zu bewahren, die Jch auf
andere Weise vou Euch uud dem Lande nichl abwenden
konnte, entschloß Jch Mick dazu. Die Regierung geht
auk Meineu Sobu. den Erbprinzen Georg über, dsm
Gott beisteben möge auf seinen schweren Wegen. Der-
selbe tritt mit rüstiger Krrft in die neue Zeit, und wird
sich ihr bess r anznpasien versteben. alS wie es Mir
möglich gewesen wäre. Bringt ibm Berlrauen und Liebe
entgegen, sowie derselbe gewih Euch mit Vertrauen und
Liebe entgeaenkommen wird. Gotl nehme Mein theureS
Vaterland in seinxn gnädigen Schutz! Meiningen, den
20. Sept. 1866. Beruhard Eri» Freund.

München, 20. Sext. Die Negierung will
nichi erst, wie frühcr beabsichligt war. das Zu-
standekommen dcr Socialgefetze abwartcn. son-
dern ohne Verzug dic ümänderung der gc-
fammten HeereSorganisation in Angriff nehmcn.
Einstwcilen wird ein Gcsctz cntwvrfen, welchrS
die Grundlagen dieser Organisation feststellt,
und das schon dem bkvvrstehenden Landtag (Er-
Lffnung Ende Okt. oder Anfgng Noo.) vorge-
Irgt werden foll. Als Grundprincix ist die
allgemeine Wehrpfl icht aufgestkllt. (A.Z.)

Berli«, 21. Sept. Anch dcr hentige Ein-
zug der Truypen war doch wieder oom fchön-
sten Wciter begünstigt. Er ersolgte »m I1>/,
Uhr. gan; entiprechend dcr gestrigen Feicr, »nr
die Ansprachen fiele» sort; auch Gras BiSmarck
war wieder im Zuge. Wieder herrschte unbc-
schreiblicher VolkSenihufiaSwuS. Nachdcm der
König die in KriegS-Schlachtordnung ausgestcll-
ten Truppensronten durchritlen hatte, kehrte er
nach der Stadt zurück und bezab stch, gkfolgt
»on glänzcndcr Suite. nach dcm Opernplatze,
wo er den Vorbeimarsch der heute cinziehendcn
Truppcn entgegennahm. Der Kvnig.ries vcr-
schicdcne Offizirre und Mannschasten h-ran,
lobte sie, drückle ihncn die Hand, wic auch ge-
stern geschehen. Nach' dcm Vorbeimarsche be-
gab sich dcr König nach dem Lustgarten. Dort

hatten fich bereits frühzeilig die Abordnungen
dsr gestern ringezvgenen Regimcntcr eingcsun-
den, dencii sich die heulc eingezogenen anschlos-
scn. Auf der MagistratStribüne hatlen stch auch
sast sämmlliche Milglieder deS HcrrcnhauseS und
de« AbgcordiictrnhanseS zu dem Tedcum cingc-
funden. Um 1 Uhr erschiencn hicr im KönigS-
zclt der Hof, die Generale, Minister, Gesandle
rc., 104 Geistliche allcr Konscsstoncn (evänge-
lische, kalholijche und jüdijche) umstandcn die
Stufcn des AltarS. DaS Endr deS GotteS-
dicnstkS war um 1>/, Uhr. Dcr König ver-
neigtc sich gegen dle Geistlicheii und verlieg d»S

Z->t

Berlin, 22. Sept. Bei dem gestrigen Di-
ner brachte der König folgenden Toast aus:
„Mein Nuf, daß das Vaterland in Gefahr,
entzündete beispiellose Opfirwilligkeit in allen
Preußenherzen, in allen Ständen, allen Ge-
Hchlechtern. Als das langerwartete „VorwärtS"
ertönte, drang die Armee mit ungeahnter Schnel-
ligkeit von Sieg zu Sieg. Ein ehrenvoller
Friede krönte daS blutige, glorreiche Werk. Dem
Andenken an die gefallenen Opfer folgen un-
fere trauernden Herzen. Möge der Friede dau-
ernd und für Preußens und Deutschlands Zu-
kunft gleich glücklich jein! Jndem ich das GlaS
erhebe, danke ich meinem treuen Volke und der
glorreichen Armee. Hoch die Armee, das Volk
in Waffen! Hoch das Vaterland!"

Berlin, 22. Scpt. Der „Staats-Anzeiger"
publicirt das Gesetz über die Vereinigung Han-
novers, Kurhcssens, Nassaus nnd Frankfurts
mit der preußischcn Monarchie. — Die „Kreuz-
zeitung" sagt: Das Beftnden des Grafen von
Bismarck ist noch nicht s'o weit hergestellt, um
sich mit den Arbeiten seines MinisteriuMs be-
schäftigen zu können. Die Uebertragung der-
selben dauert noch fort. Nach dem Schluß des
Landtages, muthmaßlich nächste Woche, dürste
der Graf v. Bismarck sich auf'S Land begeben.

Hannover, 19. Sept. Nach Bekannt-
machung des preußischen Gouvernements wird
fortan ausschließlich das Ausziehen und Aus-
hängen von Fahnen in den preußischen Farben
geftattek. Ueber ben Gebrauch von Fahnen in
den hannoverschen Farben bleibt weitere Be-
stimmung vorbehalten.

O este rreieyise^e Mouarchie

Wlen, 18. Sept. Schon seit Beginn dcs
Kriegs war, wie man sich erinnern wird, die
Rede davon, daß der Kriegsplan Benedeks den
Preußen verrathen worden se,i. Jetzt erzählen
die in Prag erscheinende „Politik" und die
Wiener „Debatte", daß em Prinz von Hohen-
zollcrn in einem Nachtquartier in Böhmen ein
kleines, nettes, in der „geheimen Hofbuchdrucke-
rei zu Berlin" gedrucktes uud den höhern Of-
ficieren bci ihrem Einmarsch in Böhmen ver-
theiltes Büchlein zurückgelaffen habe, welches
nichts wenigeres enthält als — die „Oräre äs
dstuille" der österr. Armee im Juni d. I. Die
„Politik" verschaffte sich diesen „geheimen Kriegs-
plan" Benedeks, und siehe da, das Büchlein,
welches die „Politik" vollinhaltlich veröffentlicht,
ist so detaillirt, daß selbst halbe Batterien und
halbe Schwadronen mit ihren L-tandortcn und
ihren taktis'cheu Bewegungcn genau angegeben
sind. Daß ein ganzer Kriegsplan mit den
kleinsten Details nicht von einzelncn Ortsspio-
nen zusammengetragen werden kann, ist evident;
wic kam er also in die geheime Hofbuchdrucke-
rei nach Berlin? Bei diescr Gelegenheit erinnert
die „Debatte" daran, daß sie einst confiszcirt
wurde, weil ste die Namen einiger Corpscom-
mandanten mitgetheilt hatte. Aus Vorstchen-
dem ersieht man, daß die Preußen schon viel
früher weit mehr gewußt haben.

Wien, 18. Sept. Jn Oesterreich geht die
Abrüstung ihren Gang. Gestern sind die beiden
in Wicn geworbenen Tyroler Scharfschützen-
compagnien wieder hier eiugerückt und lösen
sich sofort auf. Von hente ab werden, bis zu
im Ganz'en 4000 Pferden, bloß in Wien täg»
lich 1H0 — 200 Pferde der Bes'pannung der
Armee öffentlich verkauft. Und cbenfalls mit
dem heutigen Tage ftellt daS einzige noch be-
stchende Feldpostamt (in CormonS) seine Functio-
nen cin.

Prag, 20. Sept. Die Jesuiten beabsich-
tigen, unbekümmert um die Anlipathien der
Bevölkerung, ein Gymnasium zu gründen.

A r a n k r e i ch

Paris, 21. Sept. Man vcrsichert, Fürst
Gortschakoff werde in drei Tagen hierher kom-
men unc> von hier aus in Familienangelegen-
heiten nach Biarritz gehen.

B e l g i e n.

Brüfsel, 22. Sept. Es bestätigt sich, daß
die Kaiserin von Mexiko nach ihrer Rückkehr
von Rom den belgischen Hof besucht.

Z t a l i e n.

Meffkna, 20. Sept. Das Meer ist noch
sehr unruhig, die Telegraphen-Verbindung man-
gelhafl. DaS Gerücht sagt, daß 5000 Mann
Truppen in Palcrmo gelandct sind und daß
sich die Jnsurgenlen bei ihrer Annäherung zu-
rückgezogen hab.n, zwei cnglische Frcgatten sol-
len bei Palermo, drei andere vor Syracus an-
gekommen sein. Hier ift das französtsche Schiff
„Gomer" eingetroffen.

Meffina, 20. L>ept. Am Lwnntag sind
zehn italienische Schiffe mil Truppen vor Pa-
lermo angekommen. Der Kampf mit den Zn-
jurgcnten enlspann sich und dauerte hcute noch
sort. Die Jnsurgenten haben einen leitendeu
Ausschuß gebildet. Die Truppen blieben im
Besitz des königlichen Palastes und der Bank,
in welcher srch 16 Millionen befinden. Man
glaubt an cin baldiges Ende Ler Lewegung.

Florenz, 22. Scpt. Gestern sind die Trup-
pen ohne großen Widerstano und mit geriUgen
Verlustcn in Palermo eingeLvgen. Der Aufstand
. ist besicgl.

Roru, 22. Sept. Die römische Lcgurn lst
unter dcm Zulauf einer ungehcuern Menge in
Rom eingezogcn.

R tt ß L » n

Perersbnrq, 21. Sept. Ein Telegramm
dcr rnssischcn Telegraphen-Agentur aus Odesia
bringt die dort aus Konstantinopel vom 18. d.
eingegangenc Postmeldung, daß auf der Jnsel
Candia die Lgyptischen Truppen die empfind-
lichsten Verluste in einer Schlacht gegen die
Jnsurgenten erlitten nnd daß die Pforte am
16. d. ein Geschwader (cin Linienschiff, zwei
Fregatten und zwei kleinere Dampfer) mit Ver-
stärkungen dorkhin gefandt hätte. Auf demselben
Wege wird gemeldet, daß Jsmail Pascha (der
frühere Gouverneur der Jnsel) auch wieder nach
Candia zurückgckehrt war, daß an der Kon-
stantinopeler Börse fortgesetzt Panik herrsckte
und daß Marquis de Moustier am 19. d.
(Mittwoch) uach Paris abreisen wollte. Trotz
des die Couponzahlung garantirenden Fermans
sind die 5procentigen neuerdings im Fallen.

^teueste ^achrichten.

Neuyork, 11. Sept. Jn St. Louis ist
der Präsident cnthusiastisch cmpfangen worden.
— Aus Vera-Cru;, 25. Aug., wird gemeldet,
man erwarte eine Schlacht, die Marschall Ba-
zaine gegen Garcia mit 30,000 Mann zwischen
Potosi und Mexico liefern werde. Bei Tuxpan
wurden 200 Franzosen von dcn Liberalen ge-
fangen genommen. Letztere plünderten und
zerstörten auch Medalin.

Aitonir, 22. Sept. Morgen hält der schles-
wig-holsteinische Armeekorps-Kommandeur, Ge-
neral v. Manteuffcl, an der Spitze des erften
Bataillons des zweiten schlestschen Grenadier-
Regiments seiyen Einzug in Schleswig. Ge-
neral Flics ist zum Kommandanten von Altona
ernannt. Die in dic Herzogthümer zurückkch-
renden preußischcn Truppen werden allerorts
festlichst empfangen.

Konstantinopel, 22. Septbr., Abends.
(Uebcr Wien.) Auf Kandia haben sich 43,000
türkische Bauern aus dem Jnnern nach Kanea
geflüchtet, welches von den Griechen verlassen
wurde. Der Gouverneur von Kandia ist ab-
gesetzt worden. Die zweite ägyptische Division
wurde nach Kandia eingeschifft. Jn den An-
titaurus wurden Truppen adgesandt. Theffa-
lonien und Epirus sind ruhiq.

Berlin, 23. Sept., Abends. Der Vertreter
Oesterreichs, LegationSrath Haymerle, ist be-
gleitet vom Secretär Grafen ZaviSki, heute
Morgen von Wien hier eingetroffen.

Atts Badeu. Oberarzt Picot vom Feld-
Artillerieregiment erhielt die nachgesuchte Ent-
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