Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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wehren einführt, die vielleicht wenige Jahre
darauf abermaliger Aenderung bedarf.

Karlsruhe, 12. Oct. Dem Vernehmen
nach beabsichligt die großh. Regierung, dem
nächsten Landtag den Entwurf eincS Straßen-
gesetzeS vorzulegen. ES dürfte nicht leicht ei-
nen Gegenstand geben, bei welchem die Jnter-
esscn dcr Gemeinden, Bezirke und Kreise so
sehr betheiligt sind, al« bei einem Gesetz llber
Anlegung und Unterhaltung der Straßen und
über Bestreitung der hiefür erforderlichen Ko-
sten. ES sollen deßhalb auch die im nächsten
Monat zusammentretenden KreiSversammlungen
mit ihren Vorschlägen über die wesentlichen Be-
stimmungcn eineS Straßengesetzes gehört wer-
den. Um einen Anhaltspunkt für die Berath-
ungen der Kreisversammlungen über diesen Ge-
genstand zu bieten, hat das Handelsministerium,
in dessen GeschäftSkreis die für den Verkehr
bedeutenden Straßen zunächst gehören, Grund-
züge aufgesteüt, welche bei dem Straßengesetz
zu berücksichtigen sein dürften, und diese Grund-
züge in einer Denkschrift nähcr erläutert. Wie
wir vernehmen, ift diese Denkschrift bereits an
die KreiShauptmänner mit vem Auftrag abge-
gangen, die AuSschüsse zu veranlassen, den
Kreisversammlungen über die in ein Slraßen-
gesetz aufzunchmenden Hauptbestimmungen Be-
richt zn erstatten. Auch die Mitglieder der
Kreisversammlungen erhalten die Denkschrift so
frühzeitig, um sich für die Berathung dieseS
äußerst wichtigen Gegenstandes vorbereiten zu
können. Man darf wohl annehmen, daß bei
der Berathung in den KreiSversammlungen ein
vvllständiges Material für Bearbeitung eineS
StraßengesetzeS gewonnen und dadürch dem Zu-
standckommcn dieseS Gesetzes, welcheS als ein
dringendcS Bedürfniß für die Beförderung des
Verkehrs schon längst erkannt ist, ein bcdeulen-
der Vorschub geleistet wird.

-ch Karlsruhe» 12. Oct. Freiherr von
Roggenbach, der hier seine frühere Woh-
nung wieder bezogen hat, gab neuerdingS
(wie schon geftern gemeldet) die Erklärung ab, daß
er in Consequenz mit sich ielbst und bekannten
Vorfällen, jede Wahl als Abgeoroneter in die
zweite badische Kammer ablehnen werde und
müffe.

Karlsruhe, 12. Oct. Nächften Sonn-
tag, den 14. October, hält eine Anzahl süd-
deütscher Volksvcrtreter eine Zusammenkunft in
Stuttgart. Zweck ist Besprechung der gegen-
wärtigen Lage SüddeutschlandS und deffen künf-
tige. Stellung zum Norden. AuS Baiern wird
Völk, aus Hessen-Darmstadt Metz mit Ge-
nossen kommen: Aus Baden werden vier bis
sechs Abgeordnetc, die theils dcr FortschrittS-
partei, theils der aus Fractionen aller Art zu-
sammengesctzten Majorität der Kammer ange-
hören, Thcil nehmen. Vorausgesetzt wird: An-
schluß an Preußen, als der bei der jetzizen
Sachlage einzig möglichen Form der Einheit
Deutschlands, die durch eine Reihe vollendeter
That'achen vorgezeichnet ist. Verschieden aber
stnd die Ansichten über Art und Weise dieses
Anschluffes. Man kann diesen als nothwendig
und einzig möglich erklären, oder wenigstens
für wünschcnswerth und zulässig erachten, und
doch über die Modalitäten, wie derselbe zu er-
streben und zu bewirken sei, sehr weit ausein-
ander gehen. Hierüber stimmen selbst inner-
halb der Fractionen die Meinungen nicht über-
ein; doch wollen die Vertreter der Majorität
in unserer Kammer vorherrschend den unbe-
dingten Anschluß, d. i. sie wollen ihn sofort
und mit allen Mitteln, also um jeden Preis,
indem ihnen die Einheit Deutschlands ats das
höchste gilt. Die FortschrittSfraction kann schon
ihrer liberalen Principien wegen eincm snuve
qni peut in'S preußische Lager nicht beistim-
men. Sie will den Anschluß an Preußen eben-
falls, schon deßhalb, weil jedes Andere vom ge-
meinsamen Ziele, der nationalen Einigung nur
abführen könnte; aber sie will zugleich bestimmte
Garantien für Erhaltung der Freiheit, indcm
ste diese für ein ebenso hohes Gut HLlt, ohne
welche ohnehin die bloß Lußere Einheit von
zweifelhaftem Werth wäre. Jene Unitarier
steuern dem Einheitsstaate zu; diese sind Föde-
ralisten, welche den Bundesstaat unter Preu-
ßens Führung auf dem Grunde der bestehen-
den Gliederung deS deutschen Volkes ausgeführt
wiffen wollen.

Der Abg. Hölder, der die Zusammenkunst

in Ttuttgart vorzüglich veranlaßt hat, hat mit
aller WLrme bci den neulichen Kammerverhand-
lungen in Stuttgart in seinem und seiner po-
litischen Freunde Namen für die Nothwendig-
keit, von Preußcn sichernde Garantien im Jn-
tereffe der freiheitlichen Entwicklung der deut-
schen Einzelstaaten zu fordern, sich auSgespro-
chen. Man ist auf daS Resultat der Lrtuttgarter
Besprcchungen gespannt, da sie auf die Auffas-
sung diescr brennenden Frage in unserer Kam-
mer sicherlich Einfluß üben werden.

Darmfiadt. 11. Oct. Wie daS „Fr. I."
aus zuperlLssigcr Quelle vernimmt, ist nunmehr
die Untersuchung gegen diejenigen Beamten er-
kannt worden, denen die Sorge für die im
Zeughaus und Kasernen aufbewahrten Effecten
obgelegen hatte.

Sturrgart, 12. Oct. AbgeordnetenhauS.
Schluß der allgcmcinen Adreßdebatte. PrLlat
Möhring: Ehcr sei der Nordbund ein Rhein-
bund alö. der Südbund. Becher: Letzterer
sei allein correct.

Dresden, 11. Oct. Das „Dresdn. I."
veröffentlicht eine Bekanntmachung, in welcher
der General-Gouverneur seine Geneigtheit auS--
spricht, denjenigen Officieren und Soldaten der
sächsischen Armee, welche ihre Genesung in der
Heimath suchen oder auS dringenden Privat-
rücksichten daselbst zu verweilen wünschen, auf
deßfallsiges Ansuchen die Genehmigung zum
Aufenthalte in Sachsen zu gewähren. — Dem
Begräbniß des Commandanten von Königstein,
GeneralS v. Nostiz, habe der General-Gouver-
ncur beigewohnt.

Berljn, 11. Oct. Gcgenüber der „Bank-
und Handelszeitung", welche Gerüchte von an-
geblich beunruhigenden militärischen Anordnun-
gen brachte, versichert die „Nordd. Allg. Ztg.",
daß in unterrichteten Kreisen hierüber nichts
bekanut sei und in den politischen Verhältniffen
durchaus keine Veranlaffung zu solchen Anord-
nungen liege.

PutbuS, 8. Oct. Graf Bismarck hat ge-
stern daS Zimmcr hüten und dte Hülfe des hie-
stgen ArzteS Dr. Hohenbaum in Auspruch neh-
men müffen. Heute ist daS Befinden befrie-
digend und der Graf auS dem Hotel in das
Gärtnerhäuschen übergesiedelt, welches der Fürst
zu PutbuS ihm während der Dauer seineS Auf-
enthalteS zur Verfügung gestellt hat. (N. St. Z.)

Niederlande

Haag, 12. Oct. Der König hat an seine
„lieben Landsleute und Unterthanen" einc Pro-
clamation erlaffen, worin er dieselben auffor.
dert, dei den bevorstehenden Neuwahlen zu den
Kammern sich cinzufinden und ihre Wünsche
zu erkenncn zu geben.

Frankreich.

Paris, 12. Okt. Der Kaiser hat gcstcrn
in Bayvnne -ine Truppenrevue abgehalten. —
Lant den letzten Rachrichten auS Mexico haben
neuerdings mehrere Gefcchte zwischen den Kai-
serlichen und d-n Nepublikanern stattgesundcn.
General Castagny hat, in Verfolg der von dem
Obergeneral nenerdings vorgeschriebenen Con-
centrativnsbewegung, sein Hauptquartier in St.
Leon aufgeschlagen.

B e l g i e n.

Briiffel, 11. Oct. Das „Echo du Parlc-
ment" erfährt, daß die letzten Nachrichten über
die Kaiferin Eharlotte von Mepico sehr beruhi-
gend lanten und daß die Aerzte glauben, ihre
Wiederherstellung garantiren zu können.

Z t a l i e n.

Florenz, 11. Okt. Rach der „Ztalie" stnd
Mantna und Peschiera heute vollständig ge.
räumt. — Der neuc württembergische Gesandle
in Flvrenz ist der Baron v. Ow, früher in
Wien. — Das „Giornale di Roma" vom 11.
bringt eiue Depesche auS Baltimore vom 9.,
worin die daselbst im Cvncil versammelten 7
Erzbischöfe nnd 40 Bischöfe dem Papst ihren
Gruß s-nden und 'ihrcm Wunsche für die Er-
haltnng der alten Rechte des päpstlichen Stuhles
Ausdruck geben.

Aus Radeu. Jn Mannheim brach am
10. d. Abends gegen llhr in den Brauerei-
gebäuden zur alten Pfalz cin Brand aus, der
jedoch durch die Feuerwehr in kurzer Zeit gelöscht
wurde. — Auf V-ranlaflnng deS Hrn. Oberst
Beß vom Hamburger Contingent, welchcS in
Boxberg in Quartier lag, wurde Hrn. Ober- ^

amtmann Ncff daselbft vom Hamburger Ver-
cinc z»r Untcrftützung der Nolhlcidenden aus
den KriegSschauplätzen die Summe vvn 1312 fi.
30 kr. zur Vcrtheilung an die durch den Krieg
in Noth Geralhencn übcrsendet. Rach Benehmen
mit dem Hcrrn LandeScommiffär wurde dicse
Summc an dic Bczirksämter Tauberbijchvfs-
hcim, Werthcim und Walldürn vertheilt. —
Jn Ofsenburg wurdc in der Nacht vom
9. ans den 10. d. ein Diebstahl im Betrage
von nahezu fl. 400. an der schalterkasse de«
dortigen Bahnhvss bcgangen. Der Vcrdacht
ficl jvgleich anf eincn Bedicnsteten der Eisen-
bahn und soll derselbc ucbst jcincr Frau und
Tochter bercitS vcrhaftct wordcn sein.

Neuesie sttnchrichten.

Triesi, 12. Oct., Abends. Die Levante-
post bringl directe Berichtc aus Kandia bis
zum 3. Oct. Darnach wärcn die Jnsurgenten
zur hartnäckigen Fortsetzung dkS KampfeS cnt-
schlossen. Oberst KoroneoS, Commandant der
Nationalgarde in Athen, war heimlich uach
Kreta gcgangen. Aus Konst antinopel bis
zum ö. Octbr. I Alle auswärtigcn griechischen
Blätter stnd vcrboten. Aus Smyrna bis
zum i>. Oct.: Die Ausständc in Abchasten und in
Daghcstansind von dcnRusfcn völlig »ntcrdrückt.

Wien, 13. Oct., Morgens. Die „Neue
Freie Presse" meldet: Der General Menabrea,
welchcr hcute zur kaiserlichen Hoftasel gcladen
war, wird als italienischer Gesandter hierher
zurückkehre». Die LandtagsberusungSpatente
jollen am 24. Octbr. publicirt, der ungarijchc
Landtag joll am 15. Nov. eröffnct werden. Die
Rachrichten aus Miramare lauten ungknstig.

K^rlsrilhe^ 12.^ Okt. ^Dfe Choler^m Walld^nrI^

llde Rastatt. 12. Oclober. Die Cholcra ist hicr im
Zunehmen^^egrisfen; in ^dei^letzlen Tagen starben^daran

Vermehrnng dcr Bcsatzung dürsle hicrnach^ verschoben

1 Heidelberg, 12. Oclober. Jn hiesrqen Blättcrn
finden wir^di^fer Tage rine ^bescheidene ^Anfrage wcren

fchon bisher sehr fühlbar gemacht hat. Bei der jctzigen
Einrichtung geht die Fahrstraße zivijchen den Wcchsel-
Plätzen^ dcr^ Schienen hindurch.^ und bel dem Lftern AuS-

nothgedrnngen der Fall sein wird. Wird inan^diese
günstige G-tegenheii benntzent Batd wird ,s daiu >u
fsät fein.__

Gottesdienji in Heidelberg.

Sonntaq, den 14. Octbr.. Vormittag« 9 Ubr, predigen
in oer Heiliggeistkirche: Hr. Stadtpfr. Herbst; in'der
Providenzkirche: Hr. Vicar Schwarz.

" NachmittagS 2 Uhr,

in der Providenzk i rche: Hr. Sladtpfr. Schellen-
berg.

Wochengottesdienst:

MiMvoch, 9 Uhr, in der Hciliggeistkirche: Hr. ^tadt-

Deutschkatholische Gemeinde.

Sonntag, den 14. Oct., MorgenS 9 Uyr, Vortrag
pon Hrn. Scholl.
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