Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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die bkthriligtkn Eigenthümkr der Schafe und
Stallungen vorzuschießen. 4) und S) grvßh.
Handelsministeriums vom s. und 6. d. M.,
die Erthkilung von Erfindungshatenten auf
3 Jahre, und zwar an Herru Fabrikanten F.
PaSquay in Waffelonne lWaffclnheim) für den
von ihm ersundenen Kettenlinienroft, und die
Herrcn Zaroslaw Zadora Paßkowski ll. Algerd
SabinSki in PariS sür daS von ihnen ersun-
dene vrrbefferte Vcrfahren der Fabrikation von
luftführendem Leuchlgaie und deu hiezu zu ver-
wendenden Apparat nach vorgclegter Zeichuung
betr. III. Dicnsterledigung: die Stelle eineS
AmtSrichterS bci großh. Ämtsgerichte Mann-
heim, Bewerbung binncn 8 Tagen bei großh.
Zustizministerium.

Darmstadt, 10. Novbr. Gestern Abend
fand die Versammlung der Urwähler der liberal-
conservativen Partci statt. Jn der Einladung
war gcsagt, es geltc Männer zu wählen, die
unabhängig von der dnrch dic s. g. FortschrittS-
startei auSgeübten Parteiherrschast für da» Ls-
sentliche Wohl in liberal-conservativem Sinne
wirkten; Männer, die in der deutschen Frage
die nothwcndige nationale Bcrständigung mit
Preußen nicht zurückwcisen, zugleich aber die
hiermit vereinbarlichc versaflungSmäßigc Selbst-
ständigkcit HeffenS erhalten wiffen wollten."
Die FortschrittSpartei hat die Herren Hofge-
richtSrath Schnlz und Buchhändler Diehl als
Candidaten aufgestellt. Dieseldcn find sür den
soforligcn Anschluß an Preußcn. Die ttr-
wahlcn in Darmstadt finden an den drei ersten
Werktagen der nächsten Woche statt.

L Stllttftart, 11. Nov. Dic heute statt-
gcsundene Versammlung jüddeulscher Abgeord-
neter und Patrioten wurde in den schöuen
RLumen der Licderhalle abgehalten. Es waren
einige dreißig MSnner auS Baycrn, Würtem-
berg, Baden und Heflen erschienen, theils in
eigenem Namen, thcils als Eommiltirte größerer
Kreise. Tags vorher sand eine Vorberathung
statt, und wurde nach Ablehnung aller An-
träge, die über das eigentliche Ziel drr Ver-
sammlung hinausgiugrn oder hinter demselben
zurückblicben, cine Commisjion niedcrgesctzt,
wclche fich mit der Ausstcllung eines Pro-
grammeS bcschäftigen jollte, daS in seine» we-
senllichen Bestimmungen als AuSgangSpunkt
dienen könnte zu einer gemeinsamen Wirksam»
keit bezüglich einer gedeihliche» Fördcrung dcr
deutschcn Sache nach dcm gkgenwärtigen Stand-
punkte der Dinge in Süddeutschland. Zn der
hcutigen Hauptversammlung wurden die Vor-
schläge der Commisston für ein solchcs gemein-
sameS Programm, das im Wesentlichen die
Bestimmungen des bereits Mitgktheilten aus-
genommen hat, angenommen. DaS Programm
der »ationalen süddeutschen Partci cnchält nun
folgende Bestimmungen:

1) Die Theilung DeutschlandS, welchc die
jüngsten Ercignisse herbeisnhrten, mit allen
Mitteln durch Erftrebung eiuer Wicdervercini-
gnng u»d Gesammtversaffung zu beseitigen, ist
heilige Pflicht der Regierungcn wie sämmtlicher
Stämme DcutschlandS.

8) Diese Wiederveicinigung kann nur in
bundeSstaatlicher Form erfolgen, wic ste in der

ltch 7N Ja^e'.) d-r Prmj Karl nam-

St. Petersburg, 9. Nov. Um 8 Mr Morgens
vcrkündeten hcute fünf Kanonenschüssc von der Li-
tadelle den Bewohnern der Residenz, daß an die-
sem Tage die Vermählung des Großfürsten-Thron-
folgers und ber Prinzcsfin Maria Feodorowna
stattfinden werde. Um 12 Uhr versammelten fich
sämmtliche Fesigäste im Winterpalast, die Damen
in rusfischer Nationaltracht, die Herren in Parade-
uniform. Als die kaiserliche Familie aus den in-
nrren Gemächern den Concertsaal betrat, wurden
21 Kanonenschüsse abgefeuert, und eS gruppirte
fich al^>atd dcr Festzu^g. ^ Voran efi Fou-

kaiserl. Familic anschlosscn. Den Schluß^bes Zuges ;
dildeten die Staatsdamen und die eingeladeuen
Gäste, namcntlich die Botscbafter und Gesandten
der fremden Mächte. Die Braut trug eine Krone I

Reichsverfaffung von 1849 mit Grundrechten
bereits einen gesetzlichen AuSdruck gefunden hat.

3) Gegenüber den Hinderniffcn, welche sol-
cher Vereinigung SeitenS der preußischen Re-
gierung bis jetzl entgcgengestellt -worden, und
bei dcm Mangel ciner Verfaffung dcs Nord-
bundeS, welche die Gewähr für eine freiheitliche
Entwicklung innerer Ttaatsverhältniffe wie
einer parlamentarischcn Gesammtvcrfaffung in
die Hafld giht, ist cs Aufgghe der süddeutschen
Staatcn, ffch gemeinsam jur Verwirklichung
solcher^nationaler Ziele zu vereinigen.

4) Splchc Vereiuigung muß zur Grundlage
haben dic Erstrebuug ciner durch und durch
freiheitlichen Entwicklung der innern Verfas-
sungSverhältniffe der Südstaaten selbst; sic muß
in gemeinsamer Verbindung dieser Staatcn ins-
besondere durch Einführung eincr aus kurzer
Dienstzeit beruhenden und wenigft kostspieligen
Volkswehr mit allgemeinex Wehrpflicht sich der
Art organisiren, daß sie zur gelegenen Zeit die
durch die nationalen Jntereffen gebotene Vkr-
einigung mit dem übrigen Deutschland zu ver-
tretcn im Stande ist.

Die Punkte 1, 3 und 4 wurden einstimmig,
Nr. 2 mit Mehrheit angenommen.

München, 9. Nov. DaS Militärverord-
uungSblatt Nr. 63 enthält eiuen Armeebefehl
ü. 6. Hohenschwangau 7. Nov., bctreffend die
Enthebuug deS Prinzen Karl von Bayern von
seiner Stelle als Gencralinspector der Armee
und als Jnhaber der beiden gehabten Rcgimen-
ter, auf desien Ansuchen und uuter Ausspruch
der Anerkennung der von demselben geleisteten
Dienste.

Berlin, 11. November. Der Konig dankte
heute anf dcm Schloßhofe den vcrsammelten
decorirteil Militärs auf's Neuc für die bewie-
senc Tapferkeit, auf welche bei der Armee stets
zu rechncn sei.

Berli»- 13. Nov. Erste Sitzung des Hau-
ses dcr Abgeordneten. Der Finanzminister über-
reicht den Staatshaushaltsetat für das Jahr
1867: Die letztbewilligle Anstihe ist noch un-
bcnützt; dem StaatSschatze sind 27^/^ Million.
Thaler überwiescn. Die Einnahmen für 1866
betragen 168,804,000 Thaler incl. 4,600,000
Thaler Zuschuß aus den Kriegscontrlbutioncn,
der Voranschlag ist sonach um 7,210,000 Thlr.
überstiegen. Von diesen Ueberschüffen werden
2,400,000 Thlr. zur Ausbesierung der Beamten-
gehälter, zu Lehrerdotationen und zur Erhöhung
deS Soldes dcr Soldaten zu verwenden bean-
tragt.

Düfseldopf, 9. Nov. Dr. Becker wurde
heute wegen einer in der Wlchlmännerversamm-
lung zu Dortmund gehaltenen Rede zu vier
Wochen Gefängniß verurtheilt. Der Redacteur
der Rheinischen Zeitung, in welcher die Rede
abgedruckt war, wurde zu 25 Thlr. Geldstrafc
verurtheilt. (Köln. Z.)

Kiel, 9. Nov. Der Kontre-Admiral Jach-
mann ist von Danzig nach Kiel zurückgekehrt.
Dem Vernehmen nach wird binnen Kurzem
auch eine Rekrutirung für die Kriegsmarine
vollzogen werden. Die Mannschafts-Verzeich-
niffe stnd bereits in der Ausarbeitung.

verricktel und während des Tedeums bonnerten
101 Kanonenschüffe von der Eitadelle. Jm Nikolat-
saal fand dann großes Galadiner statt, wobei der

auf daS Brautpaar, das kaiserl. HauS, auf König
und Königin von Dänemark und auf die Geistlich-
keit und alle getreuen Untertbanen mit 31 Kano-

gleitet wurden. Am Abend Galaball tm Georgen-
saal, nach deffen Scbluß ein großer feierlichcr Fest-
zug die Neuvermädlten in bas für fie besttmmte
Palais geleitete. Den ganzen Tag und die fol-

Kirchcn und an allcn drei Abcnden glanzende Erleuch-
tung der Stadt. Am dritten Tage Morgens Gra-
tulationscour bei dem jungen Ehepaar. Für die
folgenden Tage ist Galavorstellung im großen Thea-
ter, ssroßer Ball unv Souper im Winterpalast,

Oesterretchische Msnarchie.

Wien, 9. Novbr. Die Wiener Burschen-
schaft „Silesia" hat an sämmtliche Burschen-
schaften DeutschlandS eine Erklarung gerichtet,
die mit folgendem Protest schließt: „Wir ver-
wahren uns im Namen unserer Hochschule. an
der noch dcutsches Wort und deutscher Geist
lebt, gegen jede Ablrennung vom reichen, aka-
demischen Leben der deutschen Universitaten,
und protestiren feierlich gegen die einseitige
Trennung oder Umformung des Eisenacher
Bundes." — Die „Neue fr. Presie" hört, „daß
die Meinung, als sei das Attentat ein fingirtes,
keine Berechtigung hat, daß der Attentäter
Pust überführt ist, daß Capitän Palmer als
ein ganz unbedenklicher Zeuge angesehen werden
kann, und daß die Staatsanwaltschaft die Jour-
nalc, die scine Zeugcnaussage verdächtigt habcn,
zu verfolgen im Begriffe steht."

Wien, 10. Nov. Gestern Abenb ist der
Kaiser von seinem Besuche der von dem Kriege
betroffenen Provinzen in die Hauptstat zurück-
gekehrt. Er wurde amEahnhofe von dem Ge-
meinderathe, der Handelskammer unh einer gro-
ßen Menschenmenge empfangen und bcgrüßt.
Auf die Willkommrede des Bürgermeisters aist-
wortete der Kaiser: „Ich danke Jhnen. Herp
Bürgzrmeister, für die im Namen der getreuen
Stadt Wien ausgesprochenen Gcsinuungen der
Anhänglichkeit. — Jch habe die vom Kriege
heimgcsuchten Länder bis an die äußerften
Gränzen besucht, viel Noth und Elend ange-
troffen — aber an allen Orten Beweise fest^r
Treue und uuerschütterlicher Anhänglichkeit au
Kaiser und R^ich empfangen. — Bei^en treuen
Gesinnungen Meiner Vaterstadt Wien — mit
Gottes Hilfe, Ausdauer und Einigkeit hoffe Ich,
daß wir einer befferen Zukunft entgegengehen."

Wien. 11. Nov. Das „Wiener Journal"
sagt in einem Artikel über die Zuständc im
Orient u. A. Folgcndes: „Oefterreich müßte
jedcn Versuch einer gewaltsamen Umwälzung
mit aufrichtigem Leidwesen und mit Besorgniß
in's Auge faffen. Es sei zu hoffen, daß die
vereinte Action der friedlich gesinnten Mächte
Europa's genügen werde, den inneren Friedeu
in der Türkei zu erhalten, und es sei klar, daß
jeder christl. Staat anftehen würde, mit Zwangs-
mitteln oder gar mit Kriegsmitteln gegen die
dvrtige christliche Bevölkernng aufzutreten. Na-
mentlich sei Oestereich bei einer Gefährdung
des Friedens im Orient nur gestattet, von ern-
ster Vorstellung und freundschaftlichcr Mediation
Gebrauch zu machen. Dieß fordere außer der
Gerechtigkeit und neben potttischen Gründen die
Stammesverwandtschaft einiger österreichischer
Völker mit StammeSgenoffen auf türkischem
Doden." Der Artikel räth dcr Pforte Nachgie-
bigkcit gegenüber den Forderungen der Serben
an; er hält es fnr die wahrscheinlich beste Lö-
sung der orientalischen Frage, die Aufrechthal-
tung cineö politischen Bandes zwischen den
christlichen Bevölkerungen und der Regierung
der Pforte, welches Band die innere Selbst-
ständigkeit gewährleiste, und schließt mit folgen-
der Mahnung: „Wenn die christlichen Stämme
in ihren Forderungen Maß halten und wenn
die Pforts sich politisch klug entschließt, Unhalt-
bares ohne Kampf fahren zu laffen, so könn-
ten die den Frieden Europa's erschütternden
Gefahren gebannt oder lange hintangehalten
werden."

Prag. 9. Novbr. Die Staatsbnchbaltung
hat der 'Stadt Prag als Kriegsentschädigung
590,000 Gulden zuerkannt.

F r a n k r e i ch.

Paris, 8. Nov. Der Heeresreorganisations-
Commission, welche gestern die zweite Sitzung
hielt, liegen sieben Projecte vor. — Die Zei-
tungen beschäftigen sich jetzt angelegentlich mit
dem Vorschlag Persignys, eine Milliarde (1000
Millionen) zu leihen, um damit Staatsbauten
auszuführen, die Jndustrie und Ackerbau zu
unterstützen. Das Project der „Socialabsolu-
tisten", die Alles vom Staate ansgeführt wiffen
wollen, findet bei den meisten Blättern gcrin-
gen Anklang. Die „France" sagt, mit diesem
Systeme schaffe man kraftlose, entartete Zwit-
terbcvölkerungen, die Alles von der Obrigkeit
erwarten und sich einer Energielofigkeit, welche
die Schwester dcs Todes ist, überlaffen-

Paris, 10. Novbr. Dem Kaiser scheint
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