Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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Holbach. Der Herzog war bei dcm Anbttck^sMrr
vormaligcn Offizicre so ergriffen, daß ihn die
Thränen übcrmannten und er nichtS sprechen
konnte, als die Worte: „DaS sind noch did
einzigen Treuen!" Die Herzogin dagegen war
völlig gefaßt, führte den Offizieren die beiden
Prinzen vor. ermahnte sie, in der Treuc aus-
zuharren, und erging sich in lebhaften Vor-
würfen gegen die übrigen Offiziere, die nicht
ihren Abschied genommen haben, sondern in
preußischen Dienst getreten sind. Hr. v. Hol-
bach suchte die trübe Stimmung zu verscheuchen,
und alS er dem Herzog versicherte, das gauze
Land sei ihm aufrichtig ergcben, schüttelte der
hohe Herr den Kopfund erwiderte: „Ware dem
so, dann säße ich nicht hier." Die Audienz
daucrte 3V, Stunde. Zum Schluß nahmen die
Osfiziere ein geineinsames Dincr in Frankfurt
ein. (Köln. Z.)

?Aerlin, 4. Nov. Der Plan der preußi-
schen Lotterie wird, unter VorauSsetzung der
Zustimmung deS LandlagS, erst im Jahre >868
nach Aufhebung der haunöverschen und Frank-
furtcr Lotterie geandert werden. — Das Bud-
get des Königs soll von dem den 12. d. M.
zusammentretenden allgemeincn Landtage bedeu-
tend erhöht werden. — Jn unterrichteten Krei--
sen verlautct, die Regierung gehe jetzt ernstlich
mit der Absicht um, dem Landtage auch das in
der Verfassung verheißene Geietz über die Ver-
antwortlichkeit der Minister und daS Gesetz
wegen der Befugnisse der OberrechnungSkammer
nach dem ursprünglichen Entwurf vorzulcgen.

Berlin, 6. Nov. Der König von Sachscn
wird in dcn nächsten Tagen in Bcrlin eintref-
fen. — Jn VerwaltungSkreisen hält man die
Einführung des Systems der Bczirkslandräthe
in den annektirten Ländern für gewiß. Ueber
die Einführung von RegierungScollegialverfas-
sung oder deS SystemS der Landdrofteieu ist
noch nichts entschieden. Die Umgestaltung des
Steuersystems ist wahrscheinlich. — ES ver-
lautet, die preußischen Truppen in Sachsen
würden demobilisirt.

Jnsterburg, 6. Nov. Die Anklage gegen
den Abg. Frentzel wurde vom hiesigen Appel-
lationsgericht heute zurückgewiesen, indem das
Gericht den Artikel 84 der Verfaffung, der
Entscheidung des Obertribunals gegenüber, als
zu Recht bestehend angenommen hat.

Oefterreichische Monarchie.

Wien, 5. Nov. Der ehemalige Eiviladlatus
des österreichischen Statthalters in Schleswig-
Holstein, Hr. v. HoffMann, hat die Preßleitung
des auswärtigen Amtes erhalten. Hr. v. Beust
wird in Rumburg als Abgeordneter für den
böhmischen Landtag vorgeschlagen.

Wien, 7. Nov. Gencral Graf Revel ist
zum italienischen Gesandten am hicstgen Hofe
ernannt worden. — Der Abschluß der Punkta-
tionen zu einem HandelSvertrag mit Frankreich
steht unnnttelbar bevorz

E n g l a n d

London, 6. Nov^. Mit dxm Dampfer
„Belgian" sind folgcnve Berichte aus Neuyork
bis zum 27. Okt. eingetroffen: General Sheri-

dan hat den Commandanten von Brownsville
angrwirsen, Zuar^, Mftichtigft zu unterstützen,
als einzigeS die Siluation am Nio-

Gvaude daurrhaft zu beffern. Juarez bleibt das
auerkannte Haupt der libcralen Regierung. Die
Vereinigten Staaten werden keine Verletzung
der Neutralitälsgesetze durch die Imperialisten,
oder durch die Parteien Ortega's, Santa Anna's
rc. dulden.

London, 7. Nov. Der „TimeS" zufolge
wird die brilische Gesandtschaft in Dresdeu ab-
geschafft. — Das allantische Kabel wirft be-
reits über 25 pCt. Zntcressen ab.

London, 7. Nov. Laut einem an die Ad-
miralität gcrichteten Bericht verwandelte ein
zweitägiger hcftiger Orkan die Stadt und das
Land Naffau (New Providence) in der Nacht
vom 1. auf den 2. October in Ruinen und
versalzte bis zu ciner Entfernung von 4 Mei-
lcn ins Jnland alle Quellen.

Z t a l i e n.

Rom, 5. Novbr. Die französtschc Legion^
welche in Viterbo liegt, weigerte sich, der gelb-
weißen päpstlichen Fahne zu folgen und ver-
langte cine französische. Als solchem nicht will-
fahren wurde, brach ein Aufstand unter ocn-
selben aus, der mit einem Kampfe gegen die
päpstliche Gensdarmerie endete, wobei 22 GenS-
darmen getödet und Viele verwundet wurden.

T ü r k e i.

Konstantinopel, 7. ^ov. Bei Bettada
3 Gefechte. Sämmtliche 33 Sphakioten-Chefs
unterworfen. Aufstattd beendet.

Aus Baden. Durch höchsten Befehl S.
K. Hoheit des Großherzogs werden die Leut-
nante Walter vom 3. Jnfanterieregiment und
von Froben vom Jägerbataillon zur Dienstlei-
stung bei der Pionniercompagnie befehligt. —
Dem von Konstanz scheidenden Hrn. Oberamt-
mann Stösser, nunmehriger Stadtdirector in
Heidelberg, wurde am Abend deS 6. d. Ml. im
Badischcn Hof daselbst ein Abschiedsfest gegeben,
woran sich außer dem Kern der Konstanzer
Bürgerschaft und des dortigen BeamtenstandeS
viele Bewohner der Umgegend, uamentlich auch
aus der benachbarten L-ch-veiz bethieAiflten. DaS-
Fest, durch viele Toaste gewürzt, verlief in
schönster gehobenstcr Stimmung. — Vielfach
ist nach dem Schw. M. das Gerücht verbrci-
tct, daß die Garnison in Konstanz nicht mehr
beibehalten, sondcrn in'S Unterland verlegt wird.

Neueste Nachrichten.

Benedig, 7. Nov. Heute ist der König
von Jlalien dahier eingctroffen.

Paris, 8. Nov. Ein Bulletin im Abend-
Moniteur meldet: Die Verhandlungen zu Paris
wegen Vertheilung dcr Staatsschuld deS Kir-
chenstaates dauern sort, eine baldige Beendi-
gung ist zu hoffen. — Dic Verhandluugen
wegen eines österreichisch-französischen Handels-
vertrages nehmen einen wahrscheinlich günstigen
Ausgang. — Die TranSportjchiffe, welche zur
Abholung der französtschen Truppen nach Me-

xiko gehcn sollen, smd zur Absahrt bereit. Die
mexikanische Regierung verfolgt in verVoppelter
Anstrengung das von Kaiser Maximilian un-
ternommene Werk.

-j- Heidelberg, 8. Nov. Stböffengerickts-
fitzung vom 7. Rov. l. I. Vorfitzender großb.
AmtSrickter Süpfle, Vrrtreter der StaatSan-
waltschast Hr. Referenkär Brauer.

Der erste Fall drr heutigrn TageSordnung war
die llntersuckung gegen Maurer Wilhelm Milck
von Schlierback «egrn im Affect verüdter Körper-

^Derftlbe ist ^beschuldi^, ^den Peter SckMz von

daß Sckulz etwa 4 bis 6 Tagr arbeitSunsahig wa^
Dcr Angesckuldigte und Verletzte bekamrn da-
durch Hä^drl, daß erstrrrr dem letzteren vorwarf,

Faas. ^ ^ ^ ^

DaS Urtheil lautete auf vierzehn Tage AmtSge-
fängniß.

Drr zweite Kall war die Untersuchung gegrn Pht-
lipp Büssecker von Wieblingrn wegen Wider-
srtz^licdkett. ^ ^ ^

büßen. Nach mehrmaligem sruchtlosen Auffördern,
sich in Arrcst zu begeben, wollte der Poltzeidienrr
den Augrklagten zwangSweise ins Arrestlocal ver-

Das Gericht crkannte auf 6 Wochen AmtS-
gefängniß.

Der dritte Kall war die llntersuchung gegen

einer im Affrct verübtrn Körperverletzung.

Michael Wesch batte am Ktrckweih-Dicnstag dem
Iohann Körner mit ^einem ^Prügel aus den Kopf

Dertheidigung angab^nur einrn leisen Schlag ver-
setzt habe, war der Verletzte mehrere Tage lang
brfinnungslos und in den ersten Tagen, wie der
großh. Bezirksarzt bertchtete, für sein Lebrn ernst-
lich zu furchten. Der Angeklagte hat eS daher
auch nur dem harten Hirnschädel deS Verletzten zu
danken, daß die Verletzung obne sonstigen bletben-
den Nachtheil, nur eine elstägige Krankhrit und
ArbeitSunsäbigkeit zur Folgc hatte.

DaS Gericht sprach eine Amtsgrfängnißstrafe von
6 Wochen auS.

* LoealeS.

Heidelberg, 6. Nov. Seildem in Folge der Er-
ös^nng ^der^^isen^hn^^nach S^ürzburg diest ^Lah^stre^e

den andern aber oflmals ani unbestimmte und zuweilen
sehr lange Zeil geschlossen halten muß. Jm Jntereffe
der Bewohner jener Stratze, sowie deS ab- und zu-

Kreisverkündigungsblatt für den Kreis Heidelberg,

zusteich Amstblatt für den Amts- und Ämtsgerichtsbezirk Heidetberg und Wiestoch und den Amtsgerichtsbezirk Aechargemünd.

Großh. Bezirksamt Heidelberg.

Die ortspolizeilichen Vorschriften ü-er
öff'Ntliche Rttnlichkeit, Sicherheit
und Bequemlichkcit deS Verkehrs
betr.

Beschluß.

Nr. 24260. Mit Zustimmung des Gemeindc-
raths und Beftatigung des Großb. Landeskommis-
särs haben die in obigem Betreff unterm 1. De-
cembcr v. I. erlassenen ortspolizeilichen Vorschrif-
ten folgende Abänderungen erlitten, brztehungS-
weise Zusätze erhalten:

§ 34 wird dahin abgeändert: Waaren, welche
in Fenstern und an Tbürgcstellen znr Sckau aus-
gestellt oder aufgehängt werden, durfen nicht über
die Bauflucht des HauseS bervorragen. Fleisch-
und andere Waaren, deren Rerübrung beschmutzt,
dürfen außerdem nicht an Thürgrstellen und über-
ba»pt nicht auf etne Weise ausgebangt werdrn, daß
Vorübergehendc durch sie beschmutzt werden können.

8 35 erbalt den Zusatz: nlle Heu- und Stroh-
wägen, welche von und nach dem Heumarkt fahren,
dürfen ihren Weg uicht durch vie sehr stetle ver-
längerte große Mandelgasse zwischen den HLusern

des Kaufmann Ruprecht unb Bürgermetster Hoff-
meister nehmen.

Heidelberg, den 2^November 1866.

Großh. Bezirksamt Heidelberg.

Nr. 23733. Anf der Gemarkung^Mauer, Ge-

von Ettundstückkn befchlossen. Dm Plan darüber
liegt während 8 Tagen anf der Bezirksamtskanzlei
auf. Etwaige Einsprachen dagegen find binnen
gleicher Frist geltend ru machen.

Heidelberg, den 5. November 1866.

Sonntag.

Großh. Bezirksamt Heidelberg.

Nr. 23954. Albert Ueberle von Neuenheim,
Iean Platz von Handschnbsheim,
Ludw. Kaltschmitt von Rohrbach u.
Valentin Eller von Kirchheim
werden als Agentm der Basler Versicherungsge-
sellschaft für den Amtsbezirk Heidelberg bestätigl.

Hetdelberg. den 5. November 1866.

Großh. Bezirksamt Heidelberg.

Nr. 24466. Die Gesuche um Unterstützung auS
dem allgemeinen Lehrgelderfond (Anzeigeblatt für
den Neckar-, Main- und Tauberkreis von 1830,
Scite 87 und Verordnungsblatt deS Unterrhein-
kreiftk. von 1843, Seitr 71) sind spätestens bis zum
20^Dez,mber d^I^dabier einzurrichen, da fie sonst

Heidelberg, den 2. November 1866.

Großh. Amtsgericht Heidelberg.

Die Gant gegcn Georg Layer von
Heiligkreuzsteinach, Forderung und
Vorzug betr.

Nr. 27490. Den Schuldnern des Georg Layer
von Hriligkreuzsteinach wird aufgegeben, bei Ver-
meidung doppelter Zahlung nur an den einstwei-
ligen Maffepfleger Nikolaus Beckenbach in Heilig-
kreuzsteinach zu bezahlen.

Heidelberg, den 6. November 1886.

IunghannS.
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