Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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tidrlbcrger Zeilung.

M 3V«

Freitag, 2t Dezember

* Politische UmscbttU.

Heidetberg, 20. December.

Uebereinstrmmenden Berichten in der „Allg.
Ztg." zufolge steht die Ernennung deS Fürsten
Hohenlohe zum bahrischen Ltaatöminister schon
in den nächsten Tagen bevor, dagegen würden
weitere Veränderungen im Ministerium nicht
vorgenommen werden.

Die Bundesverfassung enthält zwölf Kapitel
oder Hauptartikel, 69 Nebenartikel. Der de-
stnitive Reichstag geht aus directer Wahl mit
allgemeinem Stimmrccht hervor und schließt
Beamte aus. Die Verfassung wird auf dem
Wege des Vertrages zwischen den Regierungen
vereinbart.

Als wahrscheinlicher Termin' für Eröffnung
des norddeutschen Reichstags wird der 15. Fe-
bruar n. I. bezeichnet.

Als künftigen norddeutschen „Bundeskanzler"
bezeichnet man den Grafen Bismarck.

DaS KrönungS- und Ordensfest wird am
20. d. in Bcrlin glanzvoll begangen werden.

Jn der letzken Sitzung des ungarischen Land-
tags trat ein Serbe auf und drohte Ungarn
mit dcm Schicksal Polens, wenn nicht die Na-
tionaiitätenfrage befriedigend gelöst würde.
Szentiraly erklärte darauf, unter Beifall der
Versammlung: Dies sei ein Appell an Ruß-
land, den Todfeind Ungarns, das sich gegen
jenen bis zum Tode vertheidigen merde.

Nach der „Wiener Abendpost" beabsichtigt
die Kaiserin der Franzosen am 26. d. M. nach
Rom zu reisen.

Es steht nun fest, daß der Papst nicht frei-

ein Consistorium nach Rom — „insofern die
rechte Hand des Allmachtigen, wie zu hoffen
erlaubt ist, den Ausbruch des herannahenden
Sturmes verhindern wird" — auf den 29. Zuni
k. I. berufen, um mehrere überselige Märty-
rer, Beichtväter und Jungfrauen, die nament-
lich bezeichnet werden, in das Buch der Heili-
gen einzuschreiben.

Washingtoner Depeschen zufolge telegraphirte
Bigelow, der amerikanische Gesandte in
Paris, daß seincr Ueberzeugung nach Napo-
leon Mexiko räumen und Behufs Wie-
derherstellung der republikanischen Regier-
ungsform mit Amerika cooperiren merde.
Napoleon sei für eine unbeeinflußte Präsiden-
tenwahl in Meriko. General Sedgwick wird
wegen der Occupation von Matamoros vor
ein Kriegsgericht gestellt. Seward instruirte
den Gesandten Campbell, von dem RegierungS-
sitze des Präsidenten Juarez aus die Sachlage

darzustellen, jedoch nichts mit Maximilian oder
den Franzosen abzumachen, was Juarez Ver-
legenheiten bercitcn könnte. Seward erklärt,
Amerika wünsche weder Eroberung noch Ankauf
mexikanischen Gebietes, sondern bloS die Nicht-
einmischung des AuölandeS. Die in Canada
ausgesprochenen Todesurtheile sind dis zum
13. März aufgeschoben.

Deutfchland.

kannlmachun^en deS großb. MinisteriumS dkS Jnnern:
r») Die Uebersicht der Schüleizabl der polykechnischen
Schllle^ im Skudienjahr 1366/67 betreffrnd. b) Die

Wah^des DecanS für die Dlöcrse Sin^heim bclreffend.

ll. TodeSfall. Gestorben ist: Am 11. August d. I.
der pensionirte Geh. Hofrath Stehberger in Mann-

Karlsruhe, 19. Dec. Nach den zwischen
Preußen und den süddeutschen Staaten im
jüngsten Sommer geschlossenen Friedensverträ-
gen endigt bekanntlich am 31. Dec. d. Z. die
Erhebung der Nheinzölle. Eine Folge davon
ist die Aufhebung der Zölle auf dcm Main
und Neckar, die demnachst bevorstcht. Die
gr. Negierung hat nun, wie die K. Z. erfährt,
Verhandlungcn mit Würtemberg und den be-
rcchtigten Genossenschaften und Privaten ein-
gcleitet, um eine Aufhebung der Abgaben und
Belastungen, die auf der Flößerei auf den
Nebenflüffen des Main und Neckar ruhen, zu

erreichen. und zwar auf der Enz, Würm, Na-
gold, Murg und Kinzig. Der Ausfall. den
die StaatSkaffe durch die Aufhebung der Flöße-
reiabgaben erleiden dürfte, wird auf jährlich
60 bis 70,000 fl. geschätzt. Dieser Ausfall
dürfte übrigens bei einer regen Entwickelung
der Flößerci und dcs Holzhandels durch dje
Erhöhung verschiedener Einnahmeposten sehr
bald ersetzt werden.

Die großh. Regierung hat neuerdings die
Aufnahme einer Reihe von Straßenbauten und
Flußcorrectionen angeordnet, deren Kosten auf
mehr als 100,000 fl. veranschlagt sind. Die
Eijenhahnbauten werden stark betrieben auf dcn
Strecken Werthcim-Lauda (Tauberthal); dann
von Mcckesheim über SinSheim, Rappenau Md
Wimpfen nach Zaxtfeld; ferner von Engen nach
Donauejchingen und Villingen; eudlich von
Stockach nach Nadolfzell. Diese Bahnen sollen
in etwa 1^/z Jahren sämmtlich zum Betrieb
fertig sein, so daß mit der Beschaffung der
Schwellen, Schienen und des Betriebsmaterials
schon jetzt vorgegangen werden muß. Die
Mannheimer Nheinbrücke wird bis 1. Zanuar
so weit vollendet sein, daß sie an Stelle der
Trajectanstalt an der Mühlau zur Ueberfüh-
rung von Güterwagen benützt werden kann.
Dem regelmäßigen Betrieb kann die Brücke erst
dann überwiescn werden, wenn die Haltstelle
und die Verbindungsgeleise auf dem diesseitigen
Ufer ausgebaut sein werden.

Heidelberg, 19. Delbr. Man wird
dem Takte uud der Umsicht der italienischen
Staatsmanncr, womit diese die schöne apenni-
nische Halbinsel von ihrer politischcn Zerriffen-
heit befreiten und allmählig der Einheit zuführ-
ten, für immer eine aufrichtige Bewunderung
zollen müffen. Aber nicht minder verdienen
sie unsere Anerkennung für die maßvolle und
doch energische Art und Weise, wic sie die im
Ganzen und Großcn errungene Einheit der
Nation zu befestigen und an Klippen vorüber-
zuführen wissen, die ihr noch da und dort im
eigenen Jnnern drohcn. Die Hauptklippe ist
hier die Stellung des neugeborenen StaateS zur
Kirche, beziehungöweise zum römischen Stuhle.

Jn dcr Thronrede, womit Victor Emanuel
soeben die Versammlung deS italienischen Par-
lamentS eröffnet hat, ist auch in dieser Bezie-
hung das Richtige, durch die ganze Lage der
Sache Empfohlene angedeutet und soweit nöthig
in bestimmter Form vorgezeichnet. Wie Jta-
lien die größern Schwierigkeiten bei sciner po-
litischen Wiedergcburt nicht durch äußere Ge-
walt und Zwang, sondern allein durch die still-
wirkeude Macht der Freiheit überwunden hat,

Darmstadt, 11. Dec. Staatsminister v. Dal-
wig k veröffentlicht in der „Darmst. Ztg." folgende
Erklärung: „Jn einer aus dem Großherzogthum
Hessrn datirten Correspondenz der „Main-Ztg."
wird erzählt, daß ich, nach einem mehrfach im
Lande verbreiteten Gerückte, auf die ersten „Lügen-
posten" von österreichischkn Siegen aus Böhmen,
im öffentlichen Gasthause „Ehampagner äuf Lham-
pagner habe aufführen lassen". Es wird dann
weiter bemrrkt, daß eS mindestens eine große Tact-
losigkeit sei, einen Sieg übrr deutsche Brüder in
Ehampagner zu feiern, und eS wird daran dte
Moral geknupft, ja nicht zu frühe ühampagner
kommen zu lassen, der an das Ende und nicht
an den Anfang der Mahlzeit gehöre. — Ach bin
zwar nickt gewohnt, auf dte zahllosen Angriffe
meiner polittschen Gegner Hu antworten, ober alle
entstellten oder erfundenen Thatsachen zu berichti-
gen, die man aus meinem öffentlichen oder Privat-
leben durck die Presse gegen mich verbreitet. Dazu
fehlt mir Zeit und Neigung. Wenn ich im vorlie-
genden Fall eine Ausnahme mache, so geschieht
dies unter auSdrücklicher Verwahrung gegen alle
Eonsequenzen. Und somit erkläre ich FolgendeS:

1) Jch dabe sett bem Beginn des letzten traurigen
DruderkriegeS in ketnem Darmstäbten Gasthofe

Champagner auftragen laffcn. Dazu war mrine
Stimmung zu ernst. 2) Dte Behauptung des
Lorrespondenken der „Main-Zeitung", es set mtn-

sollten. — Darmstadt, am lO.December 1866.—
v. Dalwigk.

(Preise für histortsche Raritäten.) Ein
franzöfischeS Aournal stellt die Preise etnzelner
historischer Reliquien und Raritäten zusammen,
wte dieselben seinerzett verkauft wurden. Wir heben
davon die folgenden herauS: Der el^nbeinerne !

Lübeck erbielt, wurde 1823 um 58,000 fl. einem
Kammrrherrn des Königs von Schweden, Herrn
Schinkel, verkauft. Das Gebetbuch Karl's I., daS
er noch benützte, als er auf das Schaffot stteg,
wurde 1823 in London für 100 Pfund Sterling
verkauft. Der Rock, welchen Karl XII. bei Pultawa
trug und welchen Oberst Roson aufbewahrte, wurde
in Edinburg 1826 um 22,000 Pfund Sterling loS-
geschlagen. (Oberst Roson war mit Karl XII. nach
Bender gegangen.) Für ein Paar Ballschuhe Lud-
wig's XIV. zahlte Abbe Aerson eine ganz unver-
hältnißmäßige Summe. Ein Zahn Newton'S kam
1816 auf 16,595 Franken und kam an einen eng-
lischen Lord, dcr ihn in etnen Ring fassen lteß.
Der Zahn ist noch im Befitze der Famtlte des Lords.
Für einen angeblichen Zahn der Heloise bot ein
Engländer 100,000 Franken Den Hut Napoleon'S,
welchen er bei Eylau trug, kauste Doctor de la
Eroir für 1920 Franken. Sir Burnlett, Schwiegrr-
sohn Walter Scott'S, zahlte 1825 sür die zwei
Federn, womtt ber Friede von Amiens unterzeich-
net wurde, 12,000 Kranken. Dagegen wurde der
Schädel deS DescartrS 1820 für nur 100 Kranken,
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