Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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Commisstvn nächst der Aufhebung der Flößerei-
abgaben auch eine neue Floßordnung in AuS-
sicht nehmen, deren Entwurf den badischen Jn-
teressenten in einer am 7. Januar k. I. zu
Wolfach abzuhaltenden Versammlung mitgetbeilt
wcrden soll. Die biS jctzt noch geltende Ord-
nung des Kinzig-FloßwesenS beruht zum gro-
ßen Theil auf sehr alten Vereinbarungen, welche
schon vor etwa 100 Jahren zwischen den Re-
gierungen von Württembcrg und Fürstenberg
gctroffen wurden, und daher der neuen Ge-
werbegesetzgebung, sowie den veränderten De-
dürfniffen des Handels und Verkehrs nicht
mchr entsprechen.

Mainz, 26. Dec. Die verbreitele Nach-
richt von der endlichen Entlassung der Wehr-
männer des 32. Jnfanterieregiments ist nach
der „Fr. Ztg." eine voreilige. Bis jetzt war
diese Entlassung nur vorbereitet, und erwartete
man in der laufenden Woche die desfallsige
Entschließung des Königs. Leider ist diese an-
gebliche Nachricht auch in hicsige Localblätter
übergegangen, und so zur Kenntniß der Wehr-
männer gelangt, die alsdann von ihren Feld-
webeln ungestüm Aufklärung forderten und sich
dabei mehrfach wicder gegen die Disciplinar-
gesetze vergingen. Richtig ist es, daß die hie-
sige Bürgerschaft großen Antheil an dem Schick-
sal der armen Leute nimmt.

Kafsel, 27. Dcc. Dic Generalversamm-
lung der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn war
stark und znr großen Mehrzahl von Berliner
Actionären mil Strohmännern besucht. Ver-
waltungsrath^ uud Direction protestiren gegcn
Verhandlungen wegen Verletzung statutenge-
mäßer Bestimmungen. Mehrere Actionäre über-
reichcn Nechtsverwahrungen. Die Anträge auf
Betriebsübertragung an die Regierung wurden
mit 1160 gcgen 140 Stimmen angenommen.

Kisfinqen, 15. Dec. Aus dem rentamt-
lichen Berichte ist crsichtlich, daß der directe
KriegSschaden Kissingens 200,000 fl., der Scha-
den durch Entgang der Kdr circa 1 Million
beträgt. Von dem zur Unterstützung der hie-
sigen Einwohner von auswärls gespendeten
Getreide erhielt heute jeder Bürger einen Schef-
fel Korn.

Berlin, 26. Dec. Nachdem in dem Pen--
sionSgesetze für die Officiere auch für die Witt-
wen und Waisen vor dem Feinde gebliebener
oder im Felde gestorbener Militärpersonen die-
ser Kategorie in sehr liberaler Weise gesorgt
und von dem Hause der Abgeordneten selbst
der Wunsch ausgesprochen worden ist, daß eine
ahnliche Ergänzung auck dem Pensionsgesetzc
für MilitärS vom Wachtmeister und Feldwebel
abwärtS vom 6. Juli v. I. noch hinzugefügt
werden möchte, hat die StaatSregierung, wie
bereitS neulich mitgetheilt, diesem Wunsche dnrch
eine Vorlage entsprochen. Die für diesen Ge-
setzentwurf ernannten Referenten, Abgg. Sta-
venhagen und v. Bunsen, empfehlen die An-
nahme des Gesetzes mit einigen Modificationen.
Nachdem das vorhandene PensionSgesetz diese
Erweiterung erfahren haben wird, kann man
ohne Uebertreibung behaupten, daß für die Mi-
litär-Jnvalidcn, sowie für die Wittwen und
Waisen vor dem Feinde gebliebener oder im

widersttzcn. Man wirft ihn in einen Graben, wo
cr ein Bein bricht. Vin Gefangener, von Mitleid
ergriffen, will ebenfallS Widerstand lersten; er hat
das nämliche Schtcksal. Wenige Minutrn später
enthtelt daS Magaztn nur nock verkohlte Leichen.
Und die Steger, durch die Metzelei und die Orgien
ermüdet, überließen fich hierauf dem Schlafe.

Londou, 20. Drc. An DarnSley wüthet noch
immer daS Feuer im Annern, da eS nicht gelingt,
durch Schlirßung der Grube und Wasserzulaß des-
felben Herr zu werden, vtelmehr die Erplofionen
fortvauern. »Unglücksfalle find ntcht dabri zu be-
klagen. Der Erzhtschof von Uork besuchte gestern
die UnglückSstätte und hielt an eine große Anzahl
der verwaisten Familten eine hrrzgewinnende An°
rede voll Mitgefühl und Theilnahme. Zur Linde»
rung der Noth laufen sehr zahlretche Beiträge ein.
Der Prinz von WaleS tst dabet mit 100, die Prin-
zesfin von Wales mit 5V Pfd. brtheiltgt. DaS Eity-
comite hat bereits 4500 L. gesammelt.

(O Zetten, o Sitten!) An einer derbevölkert-
sten Straßen von PartS steht auf einem Echtlde:

s Felde gestorbener Krieger in keinem Staate Eu-
ropa's besser gesorgt ist, alS in Preußen.

Hannover, 24. Decbr. Graf Bennigsen
hat zu Gunsten von R. v. Bennigfen auf eine
Wahl zum Parlameute für die Stadt Hanno-
ver verzichtet. — Ans Eelle wird gemeldet,
Graf KielmannSeggc, der ehemalige Comman-
deur des Cambridge-Drazoner-Regiments, sei
seiner Haft in Minden wieder entlassen wor-
den. Kaufmann Sontag wird noch daselbst in
Haft gehalten. — Von der Commssstou der-
hannover'schen Officiere sind zwei Herrcn nach
Wien gereist, um die Entschließungcn König
Georgs entgegcn zu nehmcn.

C n g l a » d

London, 26. Tecbr. Wettlauf dcr drei
amerikanischen Pachten im atlantischen Ocean.
Die Henriette ist gcstern Abend um 5 Uhr
40 Min. bei Cowes (Jnsel Wight), dem Ziel-
punkte deS Wetllaufes, zuerst angelangt. Der
Fletwing und die Vesta sind heute Mor-
gen angekommcn.

Griechenland.

Atben, 24. Dcc. Muftapha Pascha hat
die Christcn in ihrer Stellung bei Kares in
der Provinz ApocoroneS angcgriffen, mußte
sich jedoch nach ciuem sechsstündigen Kampfe
mit bedeutendem Verluste nach Laku« zurück-
ziehen. Hierdurch ist Mustapha Pascha der
Eintritt in die Provinz Selino abgeschnitten.

. T ü r k e i

Konstantinopel, 26. Dec. Di- Pforte
erhob, da außer Freiwilligen auch griechischeS
Militär aus Candia gelandet und Griechenland
an jeinen Grenzen Truppen zusamnienzieht, bei
dcr gricchischen Regiernng energische Vorstql-
lungeu, indcm die Pforte zugleich die griechi-
sche Regierung sür die darauS hervorgehenden
Consequenzen »erantwortlich machte.

A m e r i k a.

Newyork, 45. Decbr. Die beiden Kam-
mern von Nordkxiolina haben daS Amendemcnt
zur Verfassung verworfen. — Jm Staate Mis-
souri hcrrscht grohe Unordnung. — Nachrich-
ten aus Wexico metden die Räumung der
Städte Durango, San Louis de Potosi und
Mazatlan SeilcnS der Kalserlichen. Kaiser
Mapimllian war am 29. Nov. in Pucbla und
wvllte nach Mexico zurückkehren. Mehrere
Anführer der Republikancr haben aufgehört,
dem Kaiserreich hinfort Widerstand zu leisten.

M e x i c o.

Der „Mess. franco-americ." meldet, daß nach
Briefen aus Vera Cruz vom 28. Nov. Kai-
ser Maximilian in Orizaba ein Manifest vor-
bereitet hat, das er bei seiner definitiven Ab-
reise nach Europa in die Welt schicken will.
Dasselbe enthält scine sofortige Abdankung, die
Uebertragung der Regierung an ein Tciumvi-
rat, gebildet von General Marquez, General
Meija, und dem derzeitigen Minister des Jn-
nern Teofilo Marin. Endlich fordert er darin
die Nation auf, durch eine allgemeine Abstim-
mung die Form der neuen Regierung festzu-
setzen.

„Flinten für Damen", gerade gegenüber bei einer
Rätherin: „Scknürleiber für Herren."

* Sadische Literatur.

Am Verlage yon A. Schneider in Mannheim
ik soeben ein „Führer auf den Badischen
Eisenbahnen und deren nächste Umge-
bung für GeschäftS- und VergnügungS-
retsende" herauSgegrben worden. — Der „Kührer" ,
vereintgt bei dem btlligen Preife von 9 kr. etn prak- !
tisches Reisebandbuch durch daS badtsche Land mit ^
einem eben so praktisch ringefügten Fahrplan, somit !
AlleS, waS etn Eisenbahnreisender für seine Zwrcke
bedarf, und dürfte dasselbe daher Keinem fehlen.

-f L-gogryph.

Oft sLon als 'nen FriedenSgruß der Ferne
Hörte mancher müde Wandrrr mcincn Klang,
Stlmmte bann wobl freudlg an und gcrne
Eincn lieben, trauten Heimathösang.

Neucste Nachrichton.

Konstantinopel, 28. Decbr. Als Ent-
schäbigung für den dci Candig beschossenen ita-
lieiiischen Dampser „Tommaso" durch ein tür-
kisches KriegSschiff werden 52,000 LircS und
die Absetzung deS türkischen Capitins, die Sa-
lutirung der italienischen Flagge gefordert. —
Der außerordcntliche Gesandte BucharaS ift
eingetroffen.

1 Heidelberg, 27. Decbr. Jn der hentizen Ver-
sammlung des qroßen BürgerauSschnsseS kameil die be-

pital von 68,000 und 12,000 fl., zusammen 80,0M fl.,

käuflich erworben werden könnte.

WaS die Ausführung selbst betreffe, so ^entstehe die
Frage, ob eii^Neubau. oder die^Erwcrbuiiq eincs be-

Erwerbung' cineS evangelischen SchulbauseS'so llmqe
auszuschen sei, bis über das fraaliche Gebäude endaültig
entschieden sein wird, so ^wäre^ AnqestchtS^ der

sprechen würden. ^ ^

Sollte aber die Mehrheit fich sür. den Neuban ent-
scheiden, so würden wir die Benützunq deS im Jahre
1859 bereitS anqekauften FrieS'schen GartenS alS Bau-
platz empfeblen. Die Hcrstcllunq eineS Schulhauses mit
12 Lehrsälen, 4 Hauptlehrerwohnunqen und einer
Dienenvobnung würde annähernd einen Bauaufwand

datz mit Hinzurechnnng der Kausaccise, Zinsverlust
u. s. w. die zu erwartende Verqleichssumme für voll-
ständige AuSführunq eineS solchen Baues gerade hin-

Der Gemeinderatb habe fich für AuSführung de«
Neubaucs entschieden und den Stadlbaumeister mit An-
fertigung der Detailplane uuter Beizug eines Architecten

Hell und freudtg oft mein Ruf erklinget,

Aber ach! auch traurig, ernst und schwer.
Manckes Herz durch mich empor fich schwinget
An die Höh': hoch über Lanb und Meer.
Meiner Stimme lauschest du so gerne,

Wenn fie'einlädt dich zu süßer Rast,

Wenn ich laut verkünde nah' und ferne:
„Ruht am Tag des Herrn von trd'scher Last!"
Trenn' von mir den ersten Eonsonanten,

Und ein andrr Btld erscheinet dir;

Aa in allen Zeiten, allen Landen
Hat viel HübscheS man gerühmt von mir.

Bald fiehst du des KindeS ros'ge Wangen
Von drm hellen, gold'nen Sckein umwallt;
Gretse oft im Stlberschimmer prangen;

Denn hübsch stehe ich wohl Aung und Alt.
Bald in hellem, bald in dunklem Glanze,
Auch bald kurz, baib lang erschein' ich dir,
Bald in letcktem, bald in dichtem Kranze
Btn ich manchen HaupteS Sckmuck und Zter.
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