Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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400,000 Mann auf die Peine gebracht, mit
denselben eine emVfindlicke Nrederlage erlitten
hat und nuumehr von deM Alliirten von 185^
die Ablrchung TenetienS — wer weiß um wel-
chen Pnkis — erkaufen svll Jm Vorgrfühl
desie«, was komm.-n wird, ^agt die ministerielle
„Jtalie" vom 1. Iuli: „Mittcn in den Schmcr-
zen der gegenwärtigen Stunde habcn wir eine
Hosinung: daß Oesterreich in Folge der preu-
ßischen Siege bcdroht, nnd stolz auf seinen
zweifelhafteu (?) Sicg vom 24. Juni, unS in
einigen Tageu Bencticn abtreten wird, um alle
seine Krafte gegcn Preußen wenden zu kön-
nen. Die italienische Ration würde ein solch
beleidigendes Anerbicten mit Indignakion zu-
rückweiscn und den BeweiS liefcrn, daß die
östcrreichifche Monarchie den RachegelüsteU,
welche fie aus. ihrcm Haapte gejamlMlt hat,
endlich erliegen muß. Wenn, wie man sagt,
die preußischen Armecn unter den Maucrn von
Wien sich begegnen sollen, so wird Jtalicn
nicht dei dicsem Stelldichcin fehlcn. Dcr Tag
der Revanche ist gekommcn rmd ße wird un-
serer Heldcn und Martyrer würdig fein." Wir
sind hegierig, ob man in Florenz dicse Sprachc
gegen den nunmehrigcn Bcsitzer Denetiens
wiederholen wird.

Zn welchcm Sinn Oestcrreich fich znr Ab-
tretumg Venetiens entschlossen hat, kaun nicht
zweifelhaft sein: eS concentrirt seine
ganze Krast auf die Vertheidigung
seiner Positiou in Deutfchlaud. Was
aller Wclt längst klar sein mußte, daß nämlich
Oesterreich vor die Alternative gestellt, auf Ve-
netien zu verzichtcn oder in Deutschlaud zu ab-
diciren, unzweifelhaft das erftere wählen, da-
gogen an die Bchauplung seiner S-ellung in
Delktschland, welche die Geschrchte fast eines
halben Jahrtaujcnde bedeutrt, wclche Grundlage
uirb Lcbeuöbedingung seiner gauzen Existeuz ist,
allkS setzen würde — daS ist nun eingetreteu.
Die Politik seines TodfeindeS hat Ocstcrreich
dahin gebracht, scinen eigensten Lebenskern wie-
der zu finden; die Niederlagen in Böhmen ha.
ben Ocsterreich den schönsicn, schwerstcn Sicg
eingelrageu: cs hat stch jclbst übcrwuudcn, uud
zum ersten Mal in seinem Leben erwirbt sich
der ^dlc deutsche Namen BiSmarck ein Verbienst
um Rccht uud Freiheit: er ist bcr Befrcirr
Ztalieus gcworden. und in demfelbcn Sinne
-- sehr wider seinen Willeü mcinl die N. F.
A. — wird er auch der Bcfreier DeutschlaudS
werven.

France sagt über die ncueste Wendung der
Dinge: Es werde dadurch für Europa eine
ernste Lage geschaffcn, die sorgsältige Beachtung
verdiene. Nachdcm Preußen alle Hindernisie,
die seinem Ehrgeiz entgegenftanden, beseiligt,
sei ein deutfches Ncich keine Chimärc mehr,
und an Frankreich träteu neue Pflichten heran.
Die gefährlichste Schöpfung der Traclate von
1815 sei ein nrachtigcs Preußen gewcHen, und
sede Vermehrung dcr preußischen Macht mache
daher die Tractate uoch bedrohlichcr für Frauk-
reich. Europa wcrde Preußen in Schranken
zu haltcn wisicn. Keine französische Regierung
konnte Preußeu in Dcutschland herrscheud wer-
deu tassen; die Gefahr wäre für Frankreich zu
groß. Ein patriotisches Gefühl müsse daher nun
die Franzoien vereinigen; m einer solchcp Lage
mühten die Parteicu verschwinden und die Mei-
nungen sich eiuander nähern; im ganzcu Lande
dürfe sich nur eine Stimme für die nationale
Politik erheben, bei welcher es der Wahrung
der Jnteresfcn und der Würde Fraukreichs als
Großmacht gclte.

Wie der „Deutsch. Allg. Ztg." -Lcitens des
Leipziger Hauptzeitungsbürcauö mitgecheilt wird,
werden vou jetzt an kcine Frankfurter Blätter
mehr iu Lcipzig zugelasien.

Zn Köln wurde Clasieu-Kappelmann in das
Haus der Abgeordmten gewählt.

Bei den iu Berlin stattgefundenen Wahlen
zum Abgeordneteuhause erhielten die Candida-
ten der Fortschrittspartei, und zwar faft aus-
nahmslos dic bisherigeu Vertreter der betref-
fenden Wahlkreise, wiederum die Majorität.
Jn Stettin ist Grabow an Stelle von Prince-
Smith> der kein Mandat annehmen wollte, mit
205 gegen 32 Stimmsn gewählt worden.

Nach der „Köln. Ztg." hat Preußen. ohne
die jüngste Aushebung deS zweiteu Landwchr-
aufgebots, 580,000 Mann unter den Waffen.

DaS welmarische Conlingent wird nach Ulm
verlegt. Das Oificicrcorps desielben soll sich auf
die NeutralitLr WeimarS brrufen haven. Wür-
tembcrgifche Truppen ersctzen daffelbe.

Vom Kriegsschaupfatz.

Wien, 3. Juli. Bencdck hat gestern 30,000
Mann für die Nordarmee gefordert. Ebenfalls
seit gestern hat die Armirung der Verfchan-
zungen auf dem rechten Donau-Ufcr bei Wien,
wclche die Donau-Ucbergänge zu dcckcn be-
stimmt sind, begonnen. Es dürftcn schon 500
Geschütze, mciftcns des schwersten Calibers,
dort aufgestellt sein, denn der Transport ist
auch während Ler Nacht nicht ünrerbrochen
worden. — Und wiederum gesteru haben die
Werbungen für daS Wiener Frciwilligencorps,
ihren Anfang genommen, währeud glcichzeitig
dic Wcrbnngen für das (Wiener) Ncgiment
Deuljchmeistcr wiever aufgenommen wnrderz.
Das Regimenl, zu dem CorpS Elam Gallas
gehörend. hat enorme Verluste erlitten, und
wurde am Tage nach dem Treffen, da fämmt-
liche StabSofstciere gefallen over vcrwundet
warcn, vou cincm Hauptmann commandirt.

Wren, 3. Juli. Die Bayern sind in Eger
eingcrückt.

Ölmütz, 3. Jnli. Zur zrößeren Sicher-
heit hat der Festungöcommandanl, F.-M.-L.
Vermcr, die Gesetze zum Schutz der perföu-
Uchen Kreiheit und des Hausrechts für Ol-
mütz auf Lriegsdaurr suspendirt. Die hie-
sige Bürgerwehr gab das Aviso, sich zum Wach-
dienst bereit zu halten.

Wien. 4. Juli. Die Generale der Nord-
armec Clam-GallaS, Heniksteiu und KriSma-
nilsch sind verhaftet, und fchon hierher unter-
wegS zur U.ntersuchung. Graf Mensdorsi ist
mil dem kaiserlichcu Flügcladjntanten TejeSvary
zur Nordarmce abgegangen, um die militärische
Sachlage zu erheben.

Wien, 4. Juli. Von Details über den
geslrigen Kampftag wird uirö bckannt, daß
Erzhcrzog Wilhclm cine leichlc Schußwunde am
Kopf erhallcn uns dem Commandauten des 4.
Armeccorps, Grafen Festetics, eine Kanonen-
kugcl den Fuß schwer beschädigt habe. Die
österreichifche Actillcrie soll fürchterliche Lücken
in die prcußifchen Reihcn gerissen. und ejuzclne
Huiarcnrcgimcnter dic crfolgrcichsten Attaqueu
auf die feindliche Liuie ausgeführt haben.

Wien, 4. Juli. Joscphstadt ist von den Preu-
ßeugcnommen.

Prag, 4. Juli Die Bctriebsmittel der
Turnau Kraluper Bahn sind in Sicherheit ge-
bracht. Jn Graupen habcn prcußische Ulanen
die Staatsgelver bcgehrt. Jungbunzlau ist nach
Gcrüchten wieder besctzt, Pardubitz bcdroht.
Der geftrige Wiener Eijenbahnzug ist nicht ab-
gegangeu. Der Westbahnverkehr ist wieder
hcrgestellt.

Wieu, 4. Juli. Ju einem Telegramm der
„F. P. Z." über die Schlacht bei Königgrätz
hcißt cs: „Die verfügbaren vier Armeecvrps
kämpften Anfangs crfolgreich gegen die sieben
preußischen. Nordarmee zurnckweichend in der
Richtung von Olmütz. Beiderseitige Verlufte
ungeheuer.

Trautenau (über Paris), 4. Juli. Jn
der Schlacht von gesterri war dic Armee des
Prinzen Friedrich Carl seit 8 Uhr Morgens
allein im Kampfe, als eS der Armee des Kron-
prinzen noch rechtzeitig gelang, in die Lrchlacht-
linie cinzurncken. Diefelbe hat ihren Angriff
cnls den rechten Flügel der Oesterreicher gerich-
tet und dadurch den Sieg cntfchiedcn. Die Ver-
lufte der Armee des Prinzen Friedrich Carl
sind erheblich.

Berlin, 4. Juli. Wegen des Sieges von
Savowa wurden hier 10 l Kanonenfalven ge-
geben; ungcheure Demonstrationen finden statt.
Die preußische Cavallerie verfolgt dis Oester-
reicher.

PaHs, 4. Juli. Die Standarte bringt
Einzelheiten Mer die Schlacht.von Sadoba.
Die Preußen haben gestern früh die auf dem
rechten Ufer der Clbe zusammeugezogene öster-
reichische Armce zwischen Königgrätz und Jo-
sephftadt angegriffcn. Bis 10 Uhr war der
Kampf günstig für die Oesterrcicher. Alsdann
umgingcn die Preußcn die Flügel der Qester-
reicher. Dsr Hauptkampf fand zwischen Sa-
doba und Horitz (halbwegs Gitschin und Kö-

nigSgrätz) statt. Die ganze sächfische Armee
war nebst oem Armeecorps des GenöralS Gabs
lenz uno krem 8. ArmeeeorpS im Kampfe. Ein
Telcgramm ocs CoinmaNdanten von Joseph-
stadt stellt bie vollkoinmene Niederlage des öster-
reichischen linkeir FlügelS um4Uhr fest. Keine
Nachrichten über ven rechten Flügel und daS
Cecktrum. Erzhcrzog Wilhelm ist verwundet.

Paris, 5. Juli. Der „France" gehen fol-
gende Millheilungen zu: Jn der Nacht vom
3. auf den 4. Juli ersuhr der Kaiser von
Oesterreich das desinitive Resnltar dcr Schlacht
vou Königgrätz. Gestern Morgen starker Tele-
grammenwechsel zwijchen Wien und den Tnile-
rien. — Drc-Äyn ve Lhnys mchrmais in Vie
Tnilerien berufen, wo er fast deu ganzen Tag
zubrachtc. Gegen 8 Uhr Abends ging Metter-
nich zum Kaifer, wo er Drouyn de Lyuys an-
traf. Metternich tclegraphifch mit ausgedehnten
Vollmachten zur Unterhaudlung ausgerüfüt.
Die „Moniteur"-Notiz ist die Folge dieser Zn-
sammenkunft. — Jn Paris beginnen die Häuser
sich mit Fahnen zu schmückcn.

Dertin (übrr Paris), 5. Juli. General
Gablenz verhandelt über einen Waffenstillstand.
Man schätzt die Zahl der Gesangenen auf
20,000.

Wetzlar, 2 Juli. Etwa 4000 Maun
vom Corps des Prinzen Alcxander von Hessen
sind hier eingerückl und machten Rcquistlionen.
Sie verließen NachmittagS die Sladt, in der
Richtung auf Gicßen. Sie requirirten 2100
Flascheu Wein, 4200 Portioneu Fleijch, 800
Brode, 200 Rationen Fourage, 20 Ctr. Hafer
und ILCentner Heu. Das Telegrapheubüreau
wurde bis 7 Uhr von einem Truppencommando
besetzt.gehalten, aber nicht zerstört.

Cobur^, 3. Juli. Nach genaucren hier
eingctrosfenen Nachrichlen hatte der crste Bericht
den Verlust dcs coburg-gothaischen Regiments
in dem Treficn bei Langensalza bedeulend über-
tricben; er beläuft sich auf ctwaS über 100
Todte nud Verwnndete. Wahrscheinlich hatte
man znerst die nunmehr wieder zurückgcgebeneu
Gefangenen mitgcrechnet.

Kobur^, 3. Juli. Die Prenßcn sollen in
ciner Stärke von 20,000 Mann d«n Thüringer
Wald übcrschreileu und dcn Bayeru entgegen
marschiren.

München, 4. Jutr. Die „Bayer. Ztg."
meldet: Hettte Mittag sind preußifche Bataillone
nebst Artillerie in Nassau eingcrnckt und aN
der Lahn cknfwärls in der Richtuüg auf Lim-
bnrg gezogen.

Frankfurt, 4. Juli. Der „Pfälz. Crrr."
schreibt ünterm 3. d.: „Wir erfahren so eben
aus zuverlässigster Quelle, dnß die Weine, welche
von den p.eußischen Truppcn auf ihrcm Streif-
zuge nach Rüdesheim auS dem dortigen her-
zogl. nafs. Domanialkeller und auf preußisches
Gebi^t geschafft wnrdcn. aus Berfllgung der
Prentzischcn Regirrnng vrrsicgelt worden sind.
um von Koblenz birrct an il>ren biSherigen La-
gcrplatz in Nüdesheim zurüikgesandt zu werden,
so wic scrner. daß der prenß. Major. der die
Expedition in die Weinkellcr veranlaßt hatte.
seinem Leben durch Erhängen ein Ende ge-
machl hat."

Frankfurt, 4. Juli. Die „Frankf. Posi-
Ztg." schrcibl: .Die Armee des 8. ArmeecorpS
ftcht nunmehr hei Kassel den Preutzen gegen-
über. Bei dem kalt rcgnerischcn Wetter chohl
uur unler starken Slraxazen, dic aber dem
Gegncr cben so wcnig fehlc» werden. Dcr
Gcist dcr Trnppen ist nach allcn Berichten der
beste, sie Ivcrden in Kurhcffen als Bkfrcier be-
grützt, währcnd sich in den hannover'schen Städ-
ten schon übcrall VolkSbcwegungcn bilden."
Nach dcr „N. F. Z." sind die Bayern und die
Trnppcn des 8. Arnieccorps so wcit vorgerückt,
daß ihre Vereinigung nahc bevorsteht.

Frankfurt, ä. Juli. Einem Gcrüchtc zu-
folge sollen preußische Truppcu nach Alzcy ge-
kvinnien sein.

Fulda, 4. Juli. Zwischen Hünfeld und
HcrSscld fand ciu Zusammenstoß zwischc» bay-
crischcn Cnrajsicren und preußischcn Trnppcn
statt. Es sind einige verwniidete Cirajstere
hier «ngebracht wordeu. Dic Prenßcn waren
in eincm Walde verborgcn. Jhre Zahl ist
nicht bekannt. — Nachschrlft: Adcnds. Soeben
trifft ein prcußischer höh-rer Officier ohnc Be-
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