Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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KreisverkündigMgsblatt für bcn Kreis Heidelberg Md amtliches Berlündignngsblatt für die Amts-- unü Amts-
Gerichtsbezirkc Heidclberg und Wicsloch und dcn Amtsgerichtsbczirk Nelkargemünd.

R» ISS. Dienstag. I« Zoli ° ^ 18««.

Besiekungen auf die „Heidelberger
Zeirung" nebst Beilaq^ „Heidelber-
ger Kamilienblätter" für das mit 1.
Juli 1866 begonnene 3. Quartal
werden fortwährend angenommen.

Die Expeditivn

* Politifche Umfchau.

Heidelberg, 9. Zuli.

Die bereits in dem gestrigen Extrablatt mit-
getheilte Wiener Depejche von der Annahme
eines Waffenstillstandes zwischen den krieg-
führendcn Mächten auf Grund des „uti pos-
siäetis" (g'egenwärtigen Bcsitzstandes) wird
durch die inzwischen eingelaufenen Nachrichten
der „France", des „Temps" und der „Patrie"
bestätigt. Alle diese unterrichteten Quellen
melden übereinstimmend, daß die Vermittlung
Napoleons von den Kriegführenden im Princip
angenommen sei. Jn Bezug auf den Waffen-
stillstand, theilt schon gestern die „France" mit,
sei von Prcußen ein Vorbehalt gemacht und
der preußische Botschafter in Paris, Graf Goltz,
mit Jnstruclionen versehen worden. (Eine
officielle Bcstätigung des Waffenstillstandes Ht
jedoch bis heute nicht eingetroffen.)

An der Frankfurter Börse erzählte man stch
am Abend, Preußen forbere außer den Elbe-
Herzogthümern dieAbtretung vonOesterreichisch-
Schlesten nebst einer KriegSentschädignng, bis
zu deren Entrichtung Nordböhmen als Pfand
besetzt bleibe! Wäre das richtig, so hieße dies
uichts Anderes, als daß Preußen den Frieden
uicht will. Eine andere Version bezeichnet als
preußischen Friedenspreis die Elbe-Herzogthü-
mer nebst Hamburg und Bremen, die Einver-
leibung mit Kuühessen und einen Tausch von
Hannover mit Rheinpreußen, von welch' Letz-
terem ein Stück Kohlengebiet an Frankrcich als
Prämie für die Fricdensvermittlung abstele."

Es ist anzrluehmen, daß die Stellung. dic
Preußen in wenigen Tagen in Norddeutschland
errungen, die kriegerischen Erfolge in Böhmen,
die Trefflichkeit der Waffen, wie das Geschick
der strategischen Operationen auch in den Tuil-
lerien einen gewissen Eindruck hervorgebracht
haben, und zwar einen heilsamen. Aber die Ge-
fahren, mit denen uns die herbeigerufene fremde
Einmischung bedroht, sind nichtsdestowcniger
vorhanden. Nur mit bitterm Jngrimm kann
man daran denken, daß in einem Streit zwi-

Der hekße Kampf um das Dorf Podoll

zwiscken Turnau und Münchengrätz, der am Abend
des 26. Juni gekämpft worden, wird am folgen-
den Tage von dem, militärischen „TimeS"-Corre-
spondenten im preußischen Hauptquartier in folgen-
der Weise geschildert:

Gestern Abend ließ Prinz Friedrich Karl eine
leichte Pontonbrücke über dte Iser bei Turnau
schlagkn und besetzte die Stadt mit etner schwachen
Abtbeilung ohne Widerstand. Gleichzeittg besetzte
HornS Divtfion daS Dorf Swieretn und ihre Avant-
garde drang gegen Podoll vor. Dte nach diesem
Punkte dirigirten Truppen bestanden ans zwei
Eompagnien des 4. ZägerbataillonS, dem 2. und
dem Füfilierbataillon deS 31. RegimentS und etnem
Bataillon deS 71.

Die Jäger, welche M an der Spitze befanden,
gingen biS circa 15 Minuten Entfernung von der
Podoller Brücke vor, bevor fie auf östcrreichische
Vorposten stießen. Hter jedoch fanden fie den Feind
und ein heißeS Gefecht erfolgte, denn die Oester-
reicher hatten s«bs Bataillone in dem Dorfe und
dackten eS zu halten und den Flußübergang zu

schen Deutschen und Dcutjcheu L-niS Napoleo«
entscheiden soll, daß eine Schlacht, in der deut-
sches Blut in Strömen grflossen ist, in PariS
als ein „Sieg Frankreichs" mit Beleuchtung
und Fahnenschmnck gefeiert wird, daß in Paris
schon die Zimmer hergerichtet werden, in wel-
chcn uach dem Waffenstillstaud der europäische
Congreß tagen soll, um die Geschicke Deutsch*
lands zn entscheiden. Zwei Gefahren sind es
zunächst, mit welchen die herbeigerufene fremde
Einmischung uns bedroht: Verlust deutschen
Gebicts und dauernde Schwächung Deutschlands
durch die Trennung von Nord und Süd. Wie
diese Doppclgefahr durch eine machtvolle Con-
centration der deutschen Kräfte abgewendet
werden soll, wird in der nächsten Zeit Sorge
und Aufgabe der deutschen Patrwten sein
müffen.

Vom Kriegsfchaupiatz.

Ueber die Schlacht bei Königgrätz brinzt der
„Nürnb. Corresp." folgenden Detailbericht aus
Wien, 4. d.: Berichte aus dem Hauptquartier
liegen nicht vor, wir sind auf zwei telegraphische
Dotschaften des Königgrätzer Festuugscomman-
danten Generalmajors Weigl und auf Privat-
depeschen ausPardubitz beschränkt. Das Schlacht-
feld liegt anderthalb Meilen westlich von der
Linie Josephstadt-Königgrätz. Die österreichische
Schlachtordnung scheint in Hufeiscnform gebil-
det und dic Armee in einem großcn Halbzirkel
auf deN Höhen, welche zwischen Neu-Bidschow
und Königgrätz liegen, aufgcstellt gewesen zu
sein, die Front nach Westen gerichtet. Der rechte
Flügel stand in Horitz, das Centrum in Sadowa,
der linke Flügel in Nechanitz; Horzitz und Ne-
chanktz sind die Endpunkte der Aufstellung. Die
Position war gut gewählt, vor der Front liegen
Sümpfe und Teiche, die dem Feinde den Auf-
marsch und Angriff erschweren; das weit zu-
rückgenommene Eentrum konnte im Falle des
Bedarfs beide Flügel unterstützen. Der Verlauf
der Schlacht scheint bis 2Uhr Nachmittags für
uns günstig gewcsen zu sein, der linke Flügel
des Feindes wurde bis Königinhof zurückgewor-
fen, der Kanoneudonner entferirte sich von Kö-
niggrätz. Um diese Zeit begann der Feind mit
aller Macht auf unseren linkcn Flügel zu vrük-
ken, und dort standen leider Truppen, die schon
am 30. geschlagen worden waren: das erste
Corps, gestern, wie es scheint, nicht mehr von
Clam-Gallas, sondern von Gondrecourt geführt,

decken. Es war gegen 8 Uhr und bas Abenddunkel
sank herein, als die Iägrr zuerst den Feind fühl-
ten. Reckter Hand von dcr Straße, ungefahr 10
Minuten vor der Brücke, steht das erste Haus des
DorfeS, ein großeS viereckigeS Gebäude. Die Oester-
reicher hielten es stark besetzt und dte fich vor ben
vordringrnben Preußen zurückziebenden PicketS for-
mirten auf der Straße neben demselben Linien,
welche, sobald die Preußen in Schußweite kamen,
zugleich mtt der Befttzung drS Bauernhofes etn
heftigeS Feuer auf fie eröffneten. Aber dtese ihrer-
seits giugen schnell zu Werke und hatten in der
Regel dreimal gefeuert, bevor die Oesterreicher mit
ihren von oben zu ladenden Büchftn zum zwetten
Schusse kamen. Bald erhielten die Iäger an dem
herbrteilenden 2. Bataillon vom 31. Verstärkung.

Jnzwischen war cs nahezu Nacht geworden und
das Aufblitzen der Gewehre, daS Geknatter der
Schüsse und Gejauchze der Kämpfenden waren fast
die einzigen Anzeichen über dte Pofitionen der
Truppen; indessen konnte man fo viel bemerken,
daß daS rapide Feuer drS ZündnadelgewebrS in
der österreickischen Ltnie auf der Straße aufräumte,
und daS Hurrahgeschret der Preußen zeigte, daß

und die unglücklichen Sachseu. Gegen 6 Uhr
Abcnds waren wirdort überflügelt und zurück-
gedrängt, der linke Flügel auf dem Rückzugc
nach Königgrätz; die Schlacht dauerte indeffen
fort, und noch nach 7 Uhr hörte man in Kö-
niggrätz den Kanonendonner^ Daß gerade der
linke Flügel geschlagen wurde, ist dvppelt be-
denklich, weil dadurch möglicher Weise Benedek's
Vcrbindung mit Pardübitz unterbrochen, die
Armee von der Eisenbahn abgeschnitten und ihr
der Rückmarsch nach Olmütz verleHt werdeu
kann. Das Hauptquartier „soll" sich nach einer
telegraphischcn Nachricht von 10Vr Uhr Abends
gestern nach der Schlacht in Swiuiarek auf dcr
Straße nach Hohenbruck befunden haben. Ob
von unserer Seite die ganze Armee im Gefecht
war, weiß man nicht; die Verluste müsscn bel-
derseits ungeheuer sein. (Nachschrift.) Bene-
dek's Bericht an den Kaiser aus Hohenmauth,
3 Uhr Morgens, läßt die Niederlage in noch
grelleremLicht erscheinen. Chlum, wodiePreu-
ßen in unserem Rücken erschienen, liegt gerade
hinker Sadowa , also hinter dem Stützpunkl
unseres Centrums (!), doch ift mil Hohenmauth
die Eisenbahn, also die Möglichkcit des Rück-
zugs nach Olmütz gewonnen. Hohenmauth ist
von Hohenbruck, wo gestern Abend das Haupt-
quartier sich „wahrscheinlich" befand, gegen fünf
Meilen enlfernt, die in der Nacht zurückgelegt
wurden.

Die neuesten Bcrichte des „Preuß. St.-A."
aus dem Hauptquartiere des Königs zu Horitz
über den qlänzenden Sicg unsereS Heeres in
der Schlacht bei Königgrätz am 3. Iuli 1606
lauten: „Nach den amtlichen Ermittelungen ist
bisher fcstgestellt, daß 18—20,000 Gefangene,
120 Geschütze und 3 Fahnen in den Händen
der Unserigen sind. Noch immcr werden Ge-
fangene in großer Zahl eingebracht. Das ganze
feindliche Heer stand im Kampfe gegen die
preußischen 'Colonnen; Gefangene von allen
österreichischen CorpS geben Zeugniß dafür.

Wien, 4. Juli. Mit demselben Zuge, mit
dem Erzherzog Wilhelm heute hier eintraf, kam
auch Feldmarschall - Lieutenant Graf Tassillo
Festetics an. Derselbe hat so schwere Verwun-
dungcn an beiden Füßen erlitten, daß der eine
ihm noch am Kriegsschauplatze amputirt werden
mußte, während der andere von Bandagen-völ-
lig umgeben ist. Derselbe Deparatzug brachte
endlich auch den Generalmajor v. Brandstettcn,
welcher gleichfalls an den Füßen schwere Ver-

von der Straße zerstreut hatten, ungeschwächt fort-
dauerte, schwieg das Feuern in der Straße plötz-
lich, denn die Jäger, ünterstutzt von dem 31.,
machten eine Attaque und trieben die Oesterreicher
vor fich htn von dem Hofe zurück, bis wo die
Straße beiderseitS von den Hütten deS DorfeS etn-
gefaßt ist und die Vertheidiger fie in der Eile mit
umgehauenen Weidenstämmen verbarrikadirtrn. Ein
furchtbarer Kampf erfolgte jetzt. Die Racht war
unterdeffen völlig hereingrsunken und ber Mond
noch nicht, aufgegangen. Die Presßen drangen auf
die Barrikade vor, die Oesterreicher behaupteten
tapfer ihre Stellung. Jn einer Entfernung von
kaum dret Schritten sandten Angreifer unv Der-
theidtger einander dte mörderischen Geschosse zu.

Ein solcher Kampf tst nicht gemacht, um lange
zu dauern. Den Preußen, welche vtel schneller
feuerten und in der engen Straße, wo keine Srite
thre ganze Stärke entfalten konnte, die Ueberlegen-
heit deS FekndeS an Zahl nicht verspürten, gelang
eS bald, dte Barrikade zu deseitigen und ihre Geg-
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