Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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Patrouillen über daS Anrücken feindlicher Co-
lonncn wurde die grotzh. bad. Felddivision am
23., früh halb 3 Uhr, alarmirt und alsbald
von den in Werthcim liegenden Truppen der
Marsch auf OedengesLß und Neunkirchen an-
getrelen. Die ausgesandten Patrouillen hatten
jedoch keinen Feind angetroffen, und so sollte
der Rückmarsch nach Wertheim angetreten wer-
den. Da traf plötzlich die Kunde ein, daß eine
starke feindliche Colonne von Eichbühl gegen
Riedern marschire. ES wurden nun die großh.
bad. Truppen auf Hundheim dirigirt und zwi-
schen diesem Ort und Stcinbach Stellung ge-
nommen. Erst gegen halb 2 Uhr zeigten sich
auf der Straßc von Neunkirchen im Wald beim
Tiefenthaler Hof feindliche Reiterpatrvuillen,
welche auf eine Znfanteriepatrouille schosien.
Prinz Wilhelm führte nun sogleich 2 Com-
pagnien des Leibregimcnts, 1 Schwadron des
2. Dragonerrcgiments und 2 gezogene Geschütze
der Batterie Deimling auf der Hundheim-Neun-
kircher Straßc vor, welche Abtheilung von ein-
zelnen Flintenschüsicn empfangen wurde. Die
beiden Compagnien nahmen jedoch alsbald Besitz
vom Waldsaum und hiermit war auch die wahr-
scheinlich sehr schwache feindliche Patrouille ver-
schwunden; man sah nur auf deu Feldern ge-
gen Ncunkirchen Reiterei (beiläufig cine Schwa-
dron) sich rasch zurückziehen; diese Abtheilkng
wurde noch durch unsere Artillerie beschosien.
ES zog sich unserc vorbenannte Abtheilung auf
Hundheim zurück. Hier licf nun die Mcldung
ein, daß von der Straße von Oedengesäß her
feindliche Patrouillen sich zeigten, und alsbald
waren auch Abtheilungen des. 5. Jnsantericre-
giments von feindlicher Jnfanteric angegriffen;
es entspann sich hier ein kurzes Scharmützel,
in welchem es mehrere Todte und Verwundete
gab. Der Feind wurde jedoch zurückgedrängt,
und so war anschcinend dieser Zusammenstoß
abgeschlagen. Es wurden daraufhin die Pa-
trouillen ausgescndet, um die Todten und Ver-
wundeten auszusuchen und zurückzubringen. Es
sollte nun diese Colonne ihren Rückmarsch auf
Hundheim antreten; sobald jedoch die Spitze
der Colonne den Wald verlicß, wurde dieselbe
von einer seitwärts liegenden Waldspitze — Hin-
tere ^taude gcnannt — durch cin sehr heftiges
Kleingewehrfeuer übcrrascht; daraufhin warf
sich die vorderste Abtheilung deS 5. Jnfanterie-
regiments alsbald mit gefalltem Bayonnet auf
den Waldsaum und drängte auf diese Weise
den Feind von der Waldlisiere zurück; es ent-
stand aber in diesem Wald ein sehr heftiges
Gefecht. in welchem unsere Truppen durch
Uekrmacht gedrängt und vom Birkhof aus
durch scindliche Reiterei bedroht, so wie auch
durch 2 feindliche Geschützc beschoffen, dcn Nück-
zug aus Hundheim antreten mußten; inzwischen
wurden von unseren Trnppen aus Hundheim
zur Unterstützung herangezogen und so die vor
Hundheim sich erhebende Anhöhe längere Zeit
gehalten und erst gegen 7 Uhr Abends unter
dem Schutz der 2. Brigade, Oberst v. Neubronn,
nachdem das Gefecht abgcbrochen war, der Nück-
zug von Hundhcim auf Külsheim angetreten,
und hintcr Külsheim der Bivouak bezogen; die
Rückzugslinie wurde auf Tauberbischofsheim zu

Sehr bedauert wird der Tod des Majors Rohde-

Gefecht bei Laufach.

AlS am 13. Auli die Brigade Wrangel gerade
im Begriffe war, auS den Defileen Ves SpessartS
bei Hain vorzurücken, wurde ihr gemeldet, daß
feindliche Cavallerie und Anfanterie von Laufach
her längs deS Eisenbahndammes auf Hain im
Anmarscke wären. Die Preußen schoben das Füfi-
lierbataillon des 55. Regiments vor, nahmen daS
Dorf Laufach, besetzten den Eisenbahnhof und den
davor liegenden Einschnitt, den fie zur Vorposten-
stellung bestimmten. Oberst v. d. Goltz erhielt den
Befehl, mit seinen 3 Bataillonen und 1 EScadron
die Vorpostenstellung einzunehmen und das vorge-
drungene Füfilwrbataillon abzulösen.

Während drffen rückte der Feind vor uud die
preußische Brigade nabm daS Gefecht strhend an.

DaS Dorf Frohnhöfen.in der Fronte war mit
dret Compagnien besetzt, rechtS und links die Höhen
urit 6, resp. 7 Compagnien und etwas vorwärtS

alS Reserve. — Der Feind ging auf allen Punkten
zum Angrtff über, so daß succeffive nach dem Dorfe

j nehmen befohlen. Jm Laufe des Gefechts war
ein Officier zu der hinter Külsheim bivouaki-
renden königl. würtembergischen Division ent-
sendet worden, um von dort um Unterstützung
zu bitten, welche jedoch nicht gegeben werden
konnte. Die großh. badischen Truppen schlugen
sich mit großer Nuhe und Kaltblütigkeit, und
wurde auch der Nückzug während des Gefechts
in bester Ordnnng bewerkstelligt. Bis hierher
reichen die zuverlässigcn Nachrichten. Ueber die
Anzahl der Tödten, Verwundeten und Vermiß-
ten waren bis dahin die genauen Meldungen
noch nicht eingelaufen. (K. Z.)

Karlsruhe. 25. Juli. Die neuesten hier
eingetroffenen Nachrichten vom Kriegsschauplatz
reichen biS gestern Abend. Das von unS ge-
meldete Vorrücken der Preußen aüf Tauber-
bischofshcim hal sich bestätigt. Seit gestern
Nachmittag 2 Uhr hat stch dort ein Gefecht
entsponnen, wclches bis zum Abend anhiclt und
nach tapferm Kampf mit dem Rückgang dcr
Bundestruppcn auf Würzburg zu endete'. So
weit unsere Nachrichlen reichen, standen dort
keine badischen Truppen. Die Telegraphenver-
bindung über Boxberg hinauS ist unterbrochen,
und damit das bisherige Ausbleiben schleuniger
und zuverlässigcr Nachrichten erklärt.

Karlsruhe, 25. Juli. Ueber das Gefecht
bei Tauberbischofsheim am 24. d. M. entneh-
men wir einer Privatmittheilung folgende An-
gaben. Dasielbe dauerte von Nachmittags 2
bis Abends 7 Uhr. Die Preußen begannen
den Angriff auf dem linken Tauberufer, das
rechte wurde von den Würlcüibergern gehalten.
Es entwickelte sich ein außerordentlich lcbhaftes
Gewehrfeuer und eine heftige Kanonade; cs
mögen etwa 3000 Kanonenschüsie abgegeben
worden sein. Jn Tauberbischofsheim wurden
zwei Häuser in Brand geschosien, mehrere an-
dere beschädigt. Am folgenden Morgen (Mitt-
woch) wurde die Post von den Preußen demo-
lirt. Die Bundestruppen haben die Straße
nach Würzburg eingeschlagen; die Preußen,
welche in der Nacht Verftärkung erhielten, rücken
ihnen nach.

Stuttgtrrt, 25. Juli. Der „Würtemb.
Staatöanzeiger" berichtet: Se. Maj. der König
erhielt heute Nacht folgcndes Telegramm aus
dem Hauptquartier: Alle Truppen sind bei
Tauberbischofsheim im Gefecht gewescn. Die
Stellung wurde behauptet. Die Truppen hiel-
ten sich brav. Verluste nicht unbedeutend.
Nähere Nachrichten durch aus dem Hauptquar-
tier hieher gesendete Officiere sind in Bälde zu
erwarten und werden sogleich veröffentlicht
werden.

Der „Schw. Merk." hat folge'ndes Telegramm
erhalten: „Mcrgentheim, 25. Juli, Nachts 1
Uhr Preußen 3mal ans Tauberbischofsheim
hinausgeworfen, letztere Stadt von Würtem-
bergern behauptet."

Wren, 25. Juli. Es ist officicll consta-
tirt, daß preußischc Truppenabtheilungen die
Demarcationslinie verletzt haben. Wegen Räu-
mung unrechtmäßig besetzter Landestheile sind
die geeigneten Schritte geschehen.

Florenz, 23. Juli. (Ueber Paris.) Die
„Jtalie" versichert aus guter Quelle, Preußen

Frohnhöfcn und nach der linken Flanke mehrere !
Compagnten zur Unterstützung gesandt werden muß- ^
ten. Den Hauptangriff machte der Feind gegen den !
rechten Flügel der Aufstrllung. Die Brigade Wran- -
gel sah fich genöthigt, vte Batterie und die Esca- i
dron dorthin zu dirigiren und auch das 1. und
2. Bataillon 55. Regiments dahin zu schieben
Etn Offenfiv-Stoß bes Oberst v. d. Goltz von !
drn Höhen herab, tn Verbindung mit dem Vor-
gehen der Escadron Schmidt und daS Feuer der
12pfündigen Batterie, schlugen auch diesen Angriff
ab, und beim Dunkelwerden zog fich der Feind
auf allen Punkten gegen Aschaffenburg zurück,
mehr wie 100 Gefangene, sehr viel Verwundete
und Todte, so wie einen großen Theil seines Gc-
päckS zurücklassend. — Der Verlust der Preußen
soll nur sehr gering sein und daS Zündnadelgewehr
in der Defenfivstellung fich glänzend bewährt haben.

(Schluß folgt.)

luste unsere Nordarmee'erleidet, schretbt die Wr.
Med. WochensLrtft, mag auch daS Folgende gel-
ten: Fast alle Spttäler, welche in den KriegSjah-

habe Jtalien keine Einladung zur Unterzeich-
nung des Waffenstillstandes zugehen lasien,
sondern der preußische Gesandte in Jtalien sei
blos bcauftragt, mit der italienischen Regierung
über die Grundlage dieses Waffenstillstandes zu
unterhandeln.

Florenz, 24. Juli. Die „Gaz. ufficiale"
schrcibt: Jtalien hat sich bereit erklärt, unter
der Bedingung der Gegenseitigkeit in eine acht-
tägigc Einstellung der Feindseligkeiten cinzu-
wiüigen, während welcher Zeit Unterhandlungcn
stattfinden über den Beitritt JtalienS zu einem
Waffenstillstand, desien Bedingungen als Präli-
minarien eines ehrcnvollen Friedens angenom-
men werden könntcn. Ein Berliner Tclegramm
meldet: Preußen, die Abschließung cines Waffen-
stillstandcs als bevorstehend betrachtend, willjgt
in die Verlängerung derFeindseligkeitseinstellung
auf fünf Tage ein.

Florenz, 24. Juli. Gestern liefertc Medici
ein neues Gefecht im Val Sugano bei dem
Dorf Borgo, wo der Feind verschaüzt war und
Abcnds die Schanzen mit Sturm genommcn
wurden. Aus Levico: Die österreichischen Ver-
luste an Todten, Verwundeten und Gefangenen
sind zahlreich. Medici marschirt auf Cente,
wovon er 18 Kilometer entfernt ist.

Paris, 24. Juli. Die „Patrie" will wis-.
sen, daß unter den Bedingungen eincS Waffen-
stillstandcs in Jtalien die Besetzung von Verona
sich befindet. Uebcr den Ort der Friedensvcr-
handlungen ist noch nichts bestimmt. Frank-
reich wird durch Hrn. Benedetli vertreten sein.

Jnnsbruck, 24. Zuli, Abends. Hauptquar-
tier Trient, 24. Juli. Gestern wurde die
unter Major Pichler in Val Sugana stehende
Abtheilung Rainer Jnfanterie von der 10,000
Mann starken Armeedivifion Bixio angegriffen,
der weitere Truppen folgten. Ein gleichzeitig
in Judikarien mit 40,000 Mann unter Gari-
baldi erfolgter Angriff sowie die vom Feinde
beabsichtigte Umgehung der linken Flanke durch
das Cembrathal (Fleimserthal, das bei Lavis
in das Etschthal tritt) veranlassen zur Trup-
penconzentrirung im Etschthal, um die Ver-
theidigung nach Deutschtyrol verlegen zu können.

D e u t f ch l a n d.

rten: 1) Bekannlipachungeii des großd. Justizministe-

und II. belreffend. Für diese auf den 23. Juli d. I.
neu gcbildelen Notariatsdistricte wurden als Nolare er-

II?Diensterledigung. Der Notariatsdistrict Wein-

! ren 1859 und 1864 für verwundete Ofstciere er-
! richtet worden waren, wurdcn nur allmälig und
! unzulänglich bevölkert. Heute, am achten Tage der
^ KriegSaction tm Norden, find bereits allc tn Wien
! vorbereiteten Räumlichkeiten für verwündete Offi-
ciere nicht nur vollauf belegt, sondern diese muß-
ten auch in versLiedenen HotelS untergebracht wcr-
! den. Dieser lctztere Umstanb hatte unter anderen
Uebelständen auch den, daß die ärztltche Hilfe da-
durch viel mühevoller und anstrcngender wurde.
Denn es ist keine kleine Aufgabe, je 6 —8 Ver-
wundete, in verfchiedenen Hotels zerstreut, ärztlich
zu überwachen. Auf Anregung des Patriottschen
Hilfsvereines wurde schleunigst eine tüchtige Ab-
hilfe getroffen. Es werden nämlich die dcrmalen
unbelegten Betten der chirnrgischen Cliniken für
verwundete Officiere — etwa 40 bts 50 — adoptirt,
und deren ärztliche Behandlung wird Profeffor
Dittel leiten. Letchtverwundete Offictere werden
nach Baden transportirt. Alle diese Anstalten
wurden binnen wenigen Stunden, mit Umgehung
aller altherkömmlichen Förmlichkeiten, Schreibereien
und milttärärztlichen Bureaukratie, inS Leben ge-
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