Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

Page: 97
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1866a/0097
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
m. TodeSfäüe. Gestorben smd: Am 14. März d. I.
der penstonirle Generalstaals - Cassier Frutliger zu
Tirnau in llngarn. Am 17. Mai d. I. der pmsionirle
Oberrechnungsratb Birnbacher in Karlsruhe. Am
17. v. M. der großh. Bezirksförster Lais in Wollbach.
Am 3. d. M. Generalmajor v. Wechmar vom Armee-
corps in Mannheim.

Karlsruhe, 25. Juli. Se. Gr. Hoh. der
Prinz Karl ist gcstern Abend nach6Uhr aus
dem badischen Hauptquartier hier eingetroffen
und bat sich sofort zur Meldung zu Sr. K. H.
dem Großherzog begeben. Der Prinz wird
heute wicder zurückreisen. (B. L.-Z.)

tz Karlsrude, 24. Juli. Die Adresie,
welche am letzten Samstag in einer im Saale
des Gasthauies zum Bären abgehaltenen Ver-
sammlung von Abgeordnetcn der zweiten Kam-
mer an Se. Königl. Hoheit den Großherzog
zu überreichcn beschlosien worden ist, tragt 39
Unterschriften. Man darf dahcr wohl fragen,
was haben die übrigen24Mitglieder für Gründe
gehaot. an einer solchen Zusammenkunft sich
nicht zu betheiligen. So viel wir wisien, hegten
manche Abgeordnete von vornherein gegen den
von einzelnen Mitgliedern hervorgerufenen
Schritt schon formale Bedcnken, indem eine
Gcsammtberathung der Abgeordneten
als Solchcn mit den Bestimmungen dcs §
52 dcr Venasiungsurkunde kaum in Einklang
zu bringen sein dürfte. da während dcr Ver-
tagung der Kammern kein Zusammentritt und
keine Beratbung der Ständcmitglieder in ihrer
Gcsammtheit stattfinden darf. ES liegt dieS in
der Natnr des monarchisch - constitutionellcn
Staates; das Gegentheil würde zu den bedenk-
lichsten Conscquenzen führen. Jedenfalls ist
jeder Act, den eine solche aparte Versammlung
vornimmt, nicht ein Act von Volksabgeord-
neten, sondern lediglich von Privaten, von
Bürgern und Staatsangehörigen, die in einem
gegcbenen Falle für sich ihre Meinung aus-
sprechen wollen. (Von einem solchen Stand-
punkt aus wird wohl die Sache auch allgemein
angesehen worden sein. Die Red.) Ob hierzu
der rechte Augenblick gewählt wurde — auch
bierüber ließe sich manches Bedenken erheben.
Doch wir wollen weder dem Einzelnen, noch
Mehreren zusammcn das Nccht geschmälert
wissen, in öffentlichen Angelegenheitcn jederzeit
ihre Ansicht auszusprechen, und wenn sic dies
für nöthig erachten, selbst vor den Landesherrn
— mit Umgchung seiner constitutioncllen Rath-
geber odcr Minister — zu bringen. Wcnn aber
eine Versammlung von Volksabgeord-
nelen in einer öffentlichen Landesangclegcn-
heit einen derartigen Wcg einschlägt, so klingt
dies fast wic eine Mißstimmung, um uicht zu
sagen Mißtrauensvotum gcgcn das bcstehcnde
Ministcrium. (Für diese Auffasiung sinden
sich nach unserem Dafürhalten hinreichende
Gründe kaum vor. Die Red.) Auch diesc Seite
der Sache dürfte manche Abgeordncte abgehal-
ten haben, an der Versammlung im Bären sich
zu betheiligen, da sie nirgends einen Grund
sehen, auf die g.cgenwärtige libcrale Vcrwaltung,
die das Vertrauen des weitgrößten Thcils des
hadischen Volkes bisher besessen hat und noch
besitzt, auch nur den Schatten cines Mißtrauens
zu werfen.

Doch abgeschen von dieser Auffassung deS
genannten Schrittes eines Theils unserer Ab-
geordneten, so wird Jcdermann mit dem Jn-
halte der beschlossenen und nun auch überreich-
ten Adresie wenigstens im Wesentlichen einver-
standen sein können, denn kein ehrlicher Freund
des cngeren badischen und weiteren deutschen
Vaterlandes kann eine Zerreißung Deutschlands
wünschen durch die sog. Mainlinie der von
Hcrrn v. Bismarck bekanntlich zuerst in Scene
gesetztcn Politik; ferner wird jeder verständige
Badener dcn warmen Wunsch hegen, daß un-
sere erworbenen Rechte und Freiheiten, kurz
unsere politische Entwicklung seit 1860 unge-
fchmälert erhalten werden möge. Also mit die-
sen beiden Hauptpunktcn der Adresie wird jeder
einsichtsvolle Mann einverstandxn sein. Auch
wird man cs gerne anerkennen, daß diese Adresse
der Regierung keine- unehrenhafte Politik zu-
muthet!

Heidelberg, 26. Juli. Die „KarlSruher
Ztg." meldet bis heute den Rücktritt des Mi-
nistcrs des Auswärtigen nicht, dagegen sagt die
„Bad. Ldöztg.": Derselbe wird als endgiltig
bezeichnet und hat derselbe, süfern wir recht

unterrichtet sind, bercits die Geschäfte niederge-
legt; jenc des Handelsministeriums werden für-
sorglich durch Geh. Referendär Dietz besorgt;
über die Besctzung des auswärtigen Ministe-
riums verlauten vorerst nur Gcrüchte, die sich
auf eincn „Mann der Vermittelung" zusam-
menfindcn.

Dem „Frkf. Z.", das uns immer noch nicht
dircct zugcgangen ist, entnehmen nordd. Bl.
folgende Nachrichten aus der Umgebung von
Frankfurt: Wiesbaden, 20. Juli. Der
Staatsminister Prinz v. Wittgenstein ist seit
gestern seiner Functionen enthoben und der
Ministerial - Palast dnrch preußische Wachen
gesperrt. Die Verwattungs - und Justizbe-
hörden sind in ungehemmter Thätigkeit. Die
preußischen Truppcn kaserniren theilweise. LZie
Forlsetzung des Noulettespiels im Kur-
hause ist seither nicht gehemml worden.
— Fulda, 20. Juli. Gestern Abend traf
der Administrator des Kurfürstcnthums. Herr
v. Möller, in Begleitung des das Ministerium
des Jnilcrn versehxnden Geh. Negicrungsrathes
Mittler dahier ein und versammelte noch an
selbigem Abend die Vorstände der Staatsbehör-
den bei sich. Die Stadt hat dermalen pine stän-
dige preußische Garnison von 200 Mann. —
Offenbach, 21. Juli. Auch hier mußten
gestern auf Befchl der Militärbehörde dic L-chieß-
waffen der Mitglieder der ehcmaligen Bürger-
wehr und des Schützenvereins abgeliefert wer-
den. Der seil einigen Tagen unterbrochcne Be-
trieb der Frankfurt-Offenbqchcr Eiscnbahn ist
vou heute an wieder exöffnet worden.

München, 19. Juli. Der bayrische Zoll-
bcvollmächtigte in Cöln, Hr. v. Wittmann, ist
gesterlk hier eingetroffen, da durch den obschwe-
benden Krieg mit Preußen dic Zollvercinsan-
gelegenheiten in Frage gestellt sind. — Seit
gestern haben die Durchzüge der öfterreichischen
Südarmee durch Bayern (Linie Nosenheim-
Salzburg) ihrcn Abschluß gesunden. (A. Abdz.)

München, 24. Juli. Von der Großh.
bad. Gesandtschaft dahier wird uns mitgetheilt,
daß dieselbe bezüglich des Telegramms aus
Karlsrnhe, 22. Juli, Anfrage gestellt und dic
amtliche Mit-thellung am 23. Abqyds aus
Karlsruhe erhalten hat, daß dort von einer
prcußischcn Sommation nichts'bekannt sei.

(B°yr. Zlg.)

Berlin, 23. Juli. Man schreibt der Köln.
Ztg.: Daß die Wicdereinsetzung der Fürsten
erst nach ihrer Einwilligung in die preußischen
Bedingungeu, sowohl wegcn dcr Bundesreform
als wegen der Abtrekungen, crfolgen würde, ist
selbstverständlich. Bei Frankreich und England
werden sie keinen Schutz gegen Preußens mä-
ßige Forderungen finden. Frankreich hat die
prcußischcn Präliminarien bekanntlich im We-
scntlichen gebilligt. Jhm gegenüber handelte
es sich größtentheils um dic Ziffer der von
Preußen zu gewinnenden Seelenzahl. Wir
wissen nicht, ob cs begründet ist, daß Preußen
bei dcr crsten Mittheilung seiner Präliminarien
bcmerkt habe, es könnte im Vcrhältniß zu den
Ergcbnissen des Kriegs die gänzliche Abtretung
der occupirten Länder verlangen. AngesichtS
des ungünstigen Eindrucks diescr Aüfstellung
sci dann bald demcrkt wordcn, das Maß und
der Umfang der Abtrctungen könne Unterhand-
lungen zulasien, worauf man sich über die be-
kannte Minimalforderung, die aber noch im
Einzelnen festzustellen sein würde, geeinigt habe.
Ob das ganz richtig ist, mag dahingestellt blei-
ben. Jedenfalls werdcn sich Hannover und
Kurhesien auf genügende Abtretungen, crsteres
wahrscheinlich auch an der Küste, gefaßt machen
müsien.

Wien, 21. Juli. Dic heute confiseirte
Nummer der „Presse" ist der „Allg. Z." brief-
lich zugegangen. Sie enthält einen allerdings
bitterbösen Ausfall gegen das Ministerium
Efterhazy-Belcredi, dessen Sinn^ in dem Schluß-
satze zusammengefaßt, dahin geht: „Auf den
Feldern von Königgrätz haben Tausende für
den-sogenannten deutschen Beruf Oesterreichs
geblutet. Vor den Schanzcn von Florisdors
werden Tausende für die angebliche deutsche
Sendung OesterreichS fallen. Die Minister aber,
wclche diese Tausende ins Feuer und in den
Tod senden, haben Alles gethan, um das Deutsch-
thum in Oesterreich zu verdrängen. Sie haben
zu Gastein das deutsche Bundesrecht geopfert,

sie haben im Septemberpatent das deutsche Ver-
fasiungörecht, das deutsche Element in Oester-
reich untergraben. Wer für Swatopluk Md
Arpad streitet, der schließe Frieden mit Preußen
und vergieße keincs Mannes Blut für.eine
Sache, die nic die seinige war."

Wien. 22. Juli. Die Sprache der mili-
tärischen Blätter gestattet keinen Zweifel, daß
die militärischen Kreise entschieden auf die Fort-
führung des Kampfes dringcn, und der Tag
von Lisia mag neuen Muth in manches schon
verzagende Herz gegosicn haben. Die Mittel,
dem Feind mit allem Nachdruck entgegenzutre-
ten, sind zur Hand: der letzte Soldat der Süd-
armee, der nicht unmittelbar zur Besetzung des
Festungsvierechs und der südlichen Landcsgrenze
verwendet wird, steht an der Dönaulinie, und
die ,von.Olmütz herangezogene Armee Benedek's
hat Preßburg ynd also das diesseitige Ufer er-
reicht. — Die. amtliche Zeitung bringt heute
cine lange Neihe von Auszeichnungen für Thaten
im Felde. — Die Verhaftung deS Grciner Be-
aBtenpersonals des Herzogs von Koburg be-
stätigt sich; Frhr. von Haynau (ejn Neffe des
Feldzqugmeisters), der Chef der Güterperwal-
lUNg, und Hr. v. Minkwitz, der Chef des Forst-
meisteramts, sind gefänglich chier eingebracht.
— Deak war hier; er hatte nicht blos eine
lange Conferenz mit Pcm ungarischen Hofkanz-
lcr, sondern auch cine anderthalbstündige Au-
dienz beim Kaiser. So geheimnißvoll, rpar sein
Kommen und Gehcn, daß cr nicht auf dem
Raaber Bahnhof wicder in die Eisenbahn stieg,
sondern sich von einem Fiaker auf die crste
Bahnstation führen ließ. Was die Nesultate
seiner Anwesenheit betrifft, so ist wenigstens
Das sicher, daß von ungarischer Seite auf d-s
bestimmteste behauptet wird: die Frage eines
ungarischcn MinisteriUmS wcrde kein Hinder-
niß des Ausgleichs mehr scin.

Wien, 23. Juli. Zur Stunde dürften die
Friedenseinleitungen im Prinzip bereits festge-
sieüt scin, und zum Mindesten ist die^grotze
Wahrscheinlichkeit dafür, daß sich die hcute be-
ginnende Waffenruhe am künftigen Freitag in
einen vierwöchigen Waffenstillstand verwandelt,
während hesien Dauer ein Congreß stattsindet.

Wien, 24. Juli. Der Admiral Tegetthoff
kommt heute in Triest an und ^reist sogleich
nach Wien weiter.

F r a n k r e i ch.

Paris, 21. Juli. Dic günstige Stimmung
für eine rasche Herstellung des Friedens durch
Napoleon'S Klugheit, König Wilhelm's Mäßi-
gung und Franz Joseph's Nachgiebigkeit erhält
sich nicht blos, sondcrn nimmt sichtbar an Con-
sistenz zu. Dagegcn ist selbstverständlich über
die Details der französischen Vorschläge immer
noch nichts Begründetes zu melden. Dies gilt
namentlich auch von der „Presie", der zufolge
die Friedens-Präliminarien so lauten: „Prcußen
annexirt sich bie Elb-Herzogthümer, dcn süd-
lichen Thei! Hannovers und das Kurfürstett-
thum Hesstn, um auf diese Weise seine West-
und Ost-Proviyzen in Verbindung. zu sctzen.
Alle im Norden vom Main gelegenen Staaten
bilden einen besonderen Bund, desicn Führung
Preußen erhält; es wird diesen Bund allein
im Auslande repräsentiren und dessen militä-
rischc Streitkräftc, welchc organisirt wcrben.
wie die preußischen. nnter seinem Cymmando
haben. Den südlich vom Main gelegenen
L-taaten steht es frei, einen besondercn Bund
zn schließen; es ist ihnen nicht verboten, Ocster-
reichs dsutsches Gebiet darin aufzunehmen.
Wenn die , beiden Bundesstaaten unter sich
wcgen gemeinschaftlicher Angelegenhciten ver-
mittelsteines Bundcstagcs Beziehuugen herstcllen
wollen, so wird die Präsidentschaft Preußen
angehören. Die Stimmen werden so vertheilt,
daß der Norden zchn, und der Süden sechs
hat. Oesterrcich wird sein ganzes Tcrritorium
behalten, mit Ausnahme von Vcnedig. das der
König von Jtalien erhält. Oesterreich wird
Preußen cine KriegSsteuer von 200 Millionen
bczahlen; diese Summe wird abcr durch den
Theil der österreichischen Schuld, welchen Jta-
lien in Folge der Cession Venetiens übcrnimmt,
compensirt werden." Die Angaben bedürfcn,
wir wiederholen es, noch der Bestätigung sehr.

(Köln. Z.)

C n g t a rr d.

London, 25. Juli. Gestern Abend fan-
loading ...