Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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Verhandlungen hierüber sollcn jedoch zur Zeit
noch nicht zum Abschluß gebracht sein.

Stuttgart, 29. Octbr. Gestern fand in
Leutkirch eine zahlreiche Volksversammlung statt,
dic sich gegen dcn Anschluß an den norddeut-
schcn Bund und für die Bildung eineS Süd-
bundes erklärt.

Stuttgart, 31. Oct. Richard von Neer-
gaard aus Kiel, dieser durch Bcfahigung wie
durch Charaktcr glcich ausgezeichnete Kämpfer
für Recht und Freiheit, ist im Alter von 45
Jahren gestern Abend 7 Uhr, nachdem cr 24
Stunden zuvor von einem Blutsturze befallen
war, gestorben. Erst vor 8 Tagen hatte er
seine zweite Vermählung gefeiert.

Darmstadt, 31. Oct. Die officiöse Ge-
genschrift ^uf die in Wien erschienene Bro-
schüre: „Actenmäßige interessante Enthüllun-
gen" ist soeben im Verlag von Ed. Zernin
hier erschienen unter dem Titel: „Zur Beur»
thcilung des VerhaltenS der badischcn Felddivi-
sion im Feldzug des Jahres 1866."

Frankfurt, 30. Oct. Das heutige AmtS-
blatt cnthält die Bekanntmachung der K. Ca-
binetsordre vom 13. betrefsend die Einführung
dcr allgemeinen Wehrpflicht in den neu crwor-
benen Ländern.

Dresden, 29. Oct. Dcr neu ernannte
Höchstcommandirende für Sachsen, General
v. Bonin, ist hier eingetroffen. Preußische
Garnisonen erhalten: Dresden, Leipzig, Chem-
nitz, Bautzen, Zittau. Großenhayn, Oschatz,
Riesa, Meiffen und Pirna; sächsische erhalten
die übrigen Städte; Dresden erhält die sächsi-
sche Leibgarde.

Aus Sachfen, 28. Oct. Ueber den Em-
pfang der preußischen Truppen auf dem König-
ftein wird berichtet: „Dcr sächsische Hauptmann
Ferraria empfing die 12. Compagnie des preuß.
Leibregiments, bestehend aus 7 Officieren und
170 Mann, auf dem Bahnhofe unterhalb des
Königsteins, worauf sich dieselbe beim Oberst
Andrich, dem jetzigen sächs. Untercommandanten
dcr Festung, melden ließ. Sie wurde dann bis
an den Eingang geführt, eingelassen und von
der aufmarschirten sächsischen Bcsatzung nüt
einem weithin schallenden Hurrah begrüßt, wel-
ches dic Preußen eben so kräftig erwiederten.
Der neue preußische Commandant, Gcneral v.
Briesen, hiclt eine Ansprache an die vcrsammel-
ten Truppen. Das Hoch am Schluß galt zu-
gleich dem Könige von Sachsen und dem Kö-
nige von Preußen. Unter Hurrahs zog die
sächsische Jnfenterie ab.

Berlin, 30. Oct. Der königl. Erlaß, durch
welchen die Friedensfeier auf den 11. k. M.
festgesetzt wird, lautet nach dem „Pr. Staats-
anzeiger" wie folgt:

„Durck deii FriedenSschluß mit dem KöiNIreich Sachsen

den. uud beauitrage ich Sie, die zuständigen kirchlicheu

nen. Gegeben Berliu, 28. Octbr. t866. Wilhelm.
v.^Mühler. An den Minister der geistlichen rc. An-

Berlin, 30. Oct. Die Reise des würtem-
bergischen Kriegsministers v. Hardegg nach
München bezog sich auf die zwischen Preußen
unv Wnrtemberg schwebenden Verhandlungen
wegen gemcinschaftlicher Besetzung der Festung
Ulm, woran wahrscheinlich auch Baden parti-
cipiren wird. (K. Z.)

Oesterreicdische Monarchie.

Wien, 30. Oct. Di- „Wiencr Abcndpost"
ihcilt init, daß der italienische Geschäslsträgcr,
Oppizzoni, die Reclamalion der östcrreichischen
Regierung, wegen Jnsulten, di- gcgen öster-
reichische Unterthanen in Venedig vorgekomnien
smd, sosort m!t einer Znschrift an den Mini-
stcr dcS Auswärtigen b-antwortet habe, worin

er jene Vorkommiiiffe als ihm noch unbekannt
erktärl, jeooch mil dem ansrichtigsten Bedaucrn
die Versicherung erthcilt, daß die italienische
Regicrung bemüht sein wcrde, der Wiedcrholung
Lhnlicher Unzukömmlichkcitkii nachdrücklichst cnt-
gegenznlrctcn. — Dic «Wi-iier Abendxost" b»-
zeichnet daS Gcrücht von einer beadsichtigtcn
Auslösung deS Wiencr Gcmeinderathes alS voll-
kommcn auS dcr Luft gegrifse». — Der König
von Preußen hat dcm Marquis dc Moustier
und Hrn. v. Benedetti den schwarzin Adler-
ordcn vcrlichen.

Wien, 31. Oct. Der „N. Fr. Presie" zn-
folge ist Graf MenSdorff in die inililärische
Lausbahn zurückgckchit. Ein Rescript, welcheS
den ungarischen Landtag auf den 1g. Novbr.
beruft, hat dic Genehmigung des KaiserS er-
halten. Gras Esterhazy hat dic crbetene Ent-
lassung crhaltcn.

AuS Prag, 28. d., wird der „N. fr. Pr."
tclegraphirt: „Der Kaiscr hat heute 150 Land-
tags-Abgcordncte in Audienz empfangen. D-r
Kaiser sprach die Erwartung auS, der Landtag
werde auch in der bevorstehenden Scsston die
Bestrcbungcn der Regieruug unterstützen. Bei
der Vorstelluiig dcr Obmännir d-r Bezirks-
veriretungcn hiclt Dr. Nicgcr einc zweisprachigc
Anrede, in welcher cr die Ergebenheit dcr Be-
zirksvcrtrctungen gegcn däs legitime Herrscher-
haus, dir Anhängtichkeit Böhmcns an daS Ge-
sammlreich bctonte. Der Kaiser erwidcrte: Er
wcrde die Entwickelung der Bezirksvertrctungen
und der Autonomie des Landcs innerhalb der
gesetzlichen Grenzcn unterstützen. Nur dann
führe dad politische Lebcn zur Freihcit, „wclche
ein uuabwcisbares Bedürsniß sür alle Reiche
sei." (Nach dcm T-l-gramm des „PreßbureauS"
lautete die einschlägige Antwort so: Er werde
die BezirkS-Autonomie thunlich besördcrn, da
diese dic Grundlage der Staatsfreiheit jei.)

K r a u k r e t ch

Paris, 29. Octbr. Die Ernennung des
Herrn v. Beust zum österrcichischen Minister
gilt in hicsigen Kreisen alS ein Anzeichen, daß
— wic schon österS — Oejtcrrcich, durch die
Waffe» gejchlagcn, cs versuchcn werde, durch
die Potitik seinc Revanche zu nehmen. Gtcich-
zcitig geh! daS Gerücht von eincr preußisch-
russtschcii Allianz. — Die „Patrir" resumirt
in Folgendem die Beoingungen der Reorgaui-
sation dcr französischcn Armce: 1) Verminde-
rung der Zahl der festeu Ptätze. 2) Bermin-
derung des Geniecorps. 3) Errichtung spe-
ciellcr CorpS für Eiseiibahnen und Tclegraphen.
4) Aufhcbung der schwercn Reitcrci. 5) Ver-
mehrung der leichten Kavalleric und Artilleric.

Paris, 31. Oct. Der „Moniteur" jpricht
stch befürwortcnd über die zwischen Frankrcich
und Preußen abgeschlossenc Convenlion aus,
in Folge deren dic auS dem Zollverein in Frank-
reich eingcführte Molasie vom EingangSzoll be-
freit sein soll, mit AuSnahme dcr zur Destil-
lativn dcstimmtcn.

Z t a l i e n.

Rom, 31. Ocibr. Dcr Papst hat a» die
Cardinäle die zwei Alloculionen vertheilen las-
jen lassen, di- er im letzten Consistorium gc-
sprochen hat. Zn der erstcn derselbeu beklagt
dcr Papst die Verfolgungen dcr italienischen
Rcgierung gegeu die Kirche, dic Unterdrückung
der gcistlichen Ordcn, dic Einziehung dcr Kir-
chengüter und die Einführung der Civilehe,
und vcrdammt allc dicse Handluugen, gegen
deren Urhcber er an die Kirchenstrascn erin-
nert, indem er nichtS desto weniger erklärt,
Jtalien s-inen Scgen zn geben.' Der Papst
prvtestirt serner gegen die ungercchlferrigte
Besitznahme der päpstlicheii Provinzen scitcns
dcr italienischen Regicrung und gegen daS re-
volulionäre Projcct, Roi» zur Hauptstadt des
neuen KönigreichS machen zu wollcn. Weiter
erklärt dcr Papst, cr sei bcreit, selbst dcn Tod
z» crdlllden, UIN die gcheiligten llicchte des
heiligen Stuhles aufrecht zu erhalten und,
wenn nöthig, in einem anderen Lande die er-
forderliche Sichcrhcit sür bcssere Ausübuiig
seines aposiolischcn AmlcS zu juchcn. Schließ-
lich empfichll -r, zu bcten, daß Jtalicn die
Uebel bcreuc, dic cS der Kirche zugesügl hat.
Zn der zwciten Aüocution crklärt der Papst,
dic russtschc Regierung habe das Eoncordat von
1848 vcrlctzt, uno eripncrt an die gigen dcn

Erzbischof von Warschau und die Bischöfe in
Polen verfügten Bersolgungen, an die Unter-
drückung der legilimcn Jurisdiction in den
Diöcescn, an die Unterdrückung der rcligiöscn
Ordcn, an die Confiscation der geistlichcn
Güter und an die RegierungShandlungcn,
welche auf die AuSrottung des KatholiciSmuS
in Rußland abziclen. Seine Heiligkeit schließt
mit dem Wunjche, der Czar möchte die Ver>
folgungen gegen die Katholiken bald aufhören
lassen.

T p a n i e n

Die Bcrichte über dic ReactionSthätigkeit deS
mit den Pfaffen verbüudcten Marschall Narvacz
laulen entsctzlich. Dcr Beichtvater der Königin,
Pater Claret, erklärt die Juni-Entschlicßungen
und die fortwährcnden Dcportalioncn nur sür
Vorbcreitungen zu dem großcn Werke: die All-
macht deS PsasfenthuinS berzustellen. Wenn
Prim Iiicht bald dicse Wirthjchaft über den
Hausen wirft, so dürste das Zeitalter Philipp
II. bald in neuer Glorie crblühcn.

Matzrid, 30. Octbr. Die Bank hat den
DiSconto auf acht Procent fcstgesetzt.

A m e r i k a.

Beracruz, 13. Oct. Die Deputation von
Geschäflsleuten aus Matamoros erklärte dem
Kaiser, daß die Bevölkerung daS Kaiserthum
aufrecht erhalten werde.

Neueste Nachrichten.

Berlin, 31. Oct. Die „Provincial-Corre-
svondenz" meldct, daß die durch die Einverlei-
bungen nöthig gewordene Umgcstaltung des
Heeres mit dem 5. November beginnen wird,
und daß die erforderlichen Ernennungen be-
reits erfolgt sind. — Graf v. Bismarck wird
erst zu Ende November zurückerwartet. Sein
Gesundheitszustand. ist durchaus befriedigend. —
Die „Nordd. Allgem. Ztg." stellt es in Ab-
rede, daß zwischen Preußen und Württemberg
wegen der Besetzung von Ulm Vcrhandlungen
schweben, indem sie bemerkt, Preußen habe ein
Jnteresse daran, daß die süddeutschen Staaten
sich aus eigenen Kräften consolidiren und ihre
militärischen Organisationen selbstständig vor-
nehmen.

Konftantinopel, 31. Oct. Die Jnsur-
genten auf Candia haben nach einer blutigen
Schlacht bei Vrissa ihre Waffen uiedergelegt
und capitulirt. Unter ihnen beftndcn sich 3
höhere und 135 subalterne griechischc Officiere.
Die Kriegsgefangenen sind nach den Festungen
abgeführt. Die kaiserliche Aacht „Sultane"
überbringt heute den ofsiciellen Bericht von
Kiritli Pascha. — Der Fürst von Rumänien
ist von dem gricchischen Patriarchen eingesegnet.
Der Sultan hat ihm einen Ehrensäbel mit
Brillanten.verliehen.

-s-j- Heidelberg, 29. Ocr. Drei Rohrbacher Milch-
weiber halttn sich^seit einh,er Zeit zur Aufgabe qe-

während die andern beiden wahrscheinlich^ Zett gehabt
halten, ihre Vorräthe zu beseiligen. Auck bei'cinem
Färbe^sollen diese Leule einmal auf diese Weise einge-

in oen Händen der Jus'tiz. ^Eine 'esittne^An Industrie
scheult seil Kurzem dahier die des FenstereindrückenS zu
scin, indem es jetzt schon zweimal vorgekommen ist, datz
uud dahinier be-

Drcher. Auch diesen Jndustriellen soll die Pölizei be-

Univerfitätsgottesdienst.

Sonntag, den 4. Novbr., ^11 Nhr, wird in der
Provi^denzkirche der UniversitäkSgottesdieilst wiedcr
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