Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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Hrn. Drouyn de Lhuys. Ein Zaudern war
somit unmöglich. Als Franzoseu, aks eifrige
Vertheidiger der Democratie und des Freiden-
kens mußten wir Preußen gegen den Kaiser
Franz Joseph unterstützen. Seitdem hat die
Kanone gcsprochen. Das besiegte Oesterreich
ha! Venetien abgetreten, wir haben förtan
Nichts mehr von ihm zu fürchten, wcder in
Jtalien, noch am Rheinufer. Unsere alten
Beschwerden verschwinden vor der neuen Lage
der Dingc und wir haben nur noch Eiu Ar-
teresse, dasjenige, Oesterreich einerseits gegr»
RuKand, andererseits gegen Preußen zu stär-
ken. Preußen, welches sicgreicher war, als wir
es zu Anfang des Conflictes geglaubl hätteu,
hat eine beklagenswerthe und gefährliche Nei-
gung, seinen Sieg zu mißbrauchen. Wir gaben
recht gerue zu, daß es seine Hegemonie von
der Ostsec bis zum Main erstreckte, aber es
trägt heute Gelüste nach ganz Süddeutschland,
Böhmen und den deutschen Provinzen Oester-
reichs; später wird es vielleicht die dänijchen
Jnseln, Holland, Flandern, die deutsche Schw»iz
beanspruchen(l), und es ist unsere Pflicht, diese
exorbitanten Ansprüche^ diesen maßlosen Ehr-
gelz zu bekämpfen. Auf diese Art sind wir
Oesterreich günstig gewordcn; aber wir haben
nicht aufgchört, dem Cabinet von Berlin in-
nerhalb der vorher bezeichneten Grenzen gün-
stig zu sein. Nicht das neue Preußen ist's,
welches wir bekämpfen, die beklagenswcrthe
Tendenz ist's, die droht, es hinzureißen, es ist
die Wiederherstellung des heil. Reichs, es ist
die Politik des Pangermanismus, die reich an
drohenden Slürmen für Europa ist." Mit
anvern Worten und ohne die angebrachtcn
Uebertreibungen: man ergibt sich in die Ber-
größerung Preußens, weil das ofstcielle Frank-
reich einstweilen stch darein ergeben hat, aber
man fürchtet die Einigung Deutjchlands, die
daraus erwachsen könnte, die nach der bekann-
ten Aeußerung des badischen Ministers des
Auswärtigen mit „Naturnothwendigkeit" dar-
aus erwachsen soll. Sie zu hintertreiben ift
ja das sranzösische Prvject des deutschen Süd-
bundes da. — Dcr „Etendard" erfährt durch
den Telegraphen, daß in Folge der-zwischcn
Bcrlin und dem Haag gepflogenen Unlerhand-
lungen die Preußen auch fernerhin Luxemburg
besetzt halten werden. Uebcr den Eintritt des
Großhcrzogthums Luxemburg in den Nordbund
wird unterhandelt; der Eintritt von Limburg
wird von Preußen nicht verlangt.

Paris, 31. Oct. Die „Liberte" glaubt zu
wissen, daß, falls der Kaiser Maximilian cin-
willigen würde, abzudanken, Gencral Castelnau
Vollmacht habe, mit demjenigen der mexicani-
schen Präsidenten, welchen die Ereignisse zur
Uebernahme der RegierungSgewalt berufen wür-
den, zu unterhandcln. Die „Libertc" fügt
hinzu, sie glaube verstchern zu können, daß
General Castelnau seine Wahl auf einen zur
liberalcn Partei gehörigen Candidaten lenken
werde.

Paris, 31. Ockbr. Grnerak Fkeury wird
beim Einzug Victor Emanuel's in Venedig den
Kaiser repräsentiren. — Die Truppen, wclche
in Balde aus Mexico zurückkehren und theils

die französtscheu, theils die algierischen Garni-
sonen verstärken werdcn, bestehen aus 17 Ba-
tailloncn Znfanterie, 13 Schwadronen Kaval-
lerie, 8 Batterien Artillerie, 1 Geniecompagnie
und 6 oder 7 Traincompagnien.

Z t a r i e n.

Mailand,*28. Oct. Der „Affondatore",
jenes Schiff, welcheS nach der Schlacht bei Lisia
in Folge eineS Sturmes bei Ancona unterging,
wird, wie man versichcrt, in einigen Tagen
volletrds gehöben sein. Es gilt jetzt die Ent-
ferttung der ungeheuren auf ihm befindlichen
b-cweglichen Last, welche aus ungefähr 6—700
Touneu Kohlen, den Armstrong-Kanonen, nahe
an 40 Tonnen, den Thürmen, welche 50 Ton-
nen ausmacheu, besteht.

S P a n i e n

Toronto, 27. OcL. Wie vor Kurzem der
fenische Oberst Lynch, so ist jetzt der Fenier-
priester M'Mahon von den canadischen Gerich-
ten zum Tode am Galgen verurtheilt worden.

Neueste Nachrichten.

Wien, 2. Nov., Abends. Wie das „Neue
Fremdenblatt" meldet, hat heute im Ministe-
rium des Aeußern dcr Unterstaatssecretär Ba-
ron Meysenbug dem neuen Minister v. Beust
das Bcamtenpersonal vorgestellt. Hr. v. Beust
begrüßte die Beamten und bezeichnete in einer
läugeren Ansprache die von ihm einzuschlagende
Politik als eine friedliche, insbesondere
Preußen gcgenüber.

Petersburg, 2. Nov. Em kaiserliches
Manifcst bcfiehlt die Completirung der Armee
und Flotte und eine Rekrutenaushebung im
ganzen Reiche von 4 auf 1000 Seelen an.
Die Rekrutirung hat mit dem 15- Januar k. I.
zu bezinnen und mit dem 15. Februar zu
endigeu.

Aus Baden. Am Mittwoch wurde Os-
kar Becker iu Bruchsal seiner Hafl entlassen.
Derselbe soll sich vorerst uach Belgien begeben
haben. — Herr Staatsrath Lamey ist mit
Familie zu bleibeuder Uebersiedelung in Mann-
heim eingetroffen.

):( Aus dem Elsenzthale, 30. Oct. Wie neiilich

— ziemlich awieküllt. Die AmtSstadt selbst beherbergt
wenig fremde Arbeiier. da fich dieselbeii, wie natürlich,
zunächst der Niederlassimg der Lebernehmer mit ihren
Buchhaltern und tkassen ansiedehn. Jn Folge dieser
Vermehrung dcr Consumenten sind die Landleute der

Oeffentlicke Erklärung.

^ Jn verschiedenen Zeitungen^der Schweiz rst die Nach-

Freiburg, den 31. October 1866.

Dr. v. Wänker,

großh. BezirkSarzt und Medicinalrath.

1882er Bonds bcdangen 73—Vr-

49^/4, neue engl. Metalliques 57, 38, Bank-

actien 636, Creditactien 133'/,—133V», 1860er Loose
613/s, 1864er 65.

Von süddeutschen Effecten notirten 4'/,"/g Naffauer
91V«. 4'/r°/o Bayern 90^/..

6 Üdr Adends. Effecrensocietät. 1882er cimcrikan.
Bonds wurden zu 73'/z bez., 73Vs G. Oesterr. Crr-
dilactien 133 bez. 1860er Loose 61'/^ G.

Das Tabaksrauchen.

baks-l^onsum von Jabr zu Jahr starker Jst jenes
nun nicht möglick, so ist es Sache der Wiffenschaft
und Inbustrie, Mittel und Wege zu finden, wo-
durch die Iiachtheiltgen Folgen dieser Nicotin-
vergiftung ganz oder tbeilweise beseitigt wer-
den, und diese Mittek und Wege sind gefunden.

Es sind wobl die eben so mannigfachen als in-
terkssanten Eigcnschaften der porösen Kohle, na-
mentlich dic Absorbtionsfähigkeit für Gase u. übel-
riechende Stoffe, htnlänglich bekannt, weniger be-
kannt dürftc dagegen sein, daß durck Anwcndung
der Plastik aus poröser Koble (reine Buchen-Holz-
kohle) Pfcifenköpfe und Cigarrenspitzen ange-
fertigt werden sFabrik von L O«. in

Eassel, Gcneral-Depot bei L.«irl8 «LolLke
in Cassel^. Dicse Fabrikate aus poröser Kohle
haben also dcn Vortheil/ neben den übelschmecken-
den Produkten des TabakSrauchs, ven Ammoniak
und die theerartigen Bestanotheile, hauptsäcklich
aber das dcr Gesundbeit so sehr nachtheilige Ni-
cotin vollständig zu absorbiren. Diese Tabaks-
köpfe unv Eigarenspitzen zeicknen sich neben-
bei noch durch Lekchtigkcit, gcMige Form nnd
Billigkeit vor allen anberen derartigcn Erzeugnissen
vortheilhast aus. Iedem einzelnen Stück ist bei
dem Verkaufe einc Gebraucksanwcisung beizugeben.
Niederlage dieser Art'kel in Hcidclberg bei
Carl Ed. Otto und bei Ludwig Weickart; in
Osterburken bei I. D. Wohlfahrt.

KreisverküuSigringsblatt fiir den Kreis Heidelberg,

zug'eich Ämstblatt für dcn Ämts- und Ämtsgerichtsbezirk tzeideiberg und Wicstoch und dcu Ämtsgerichtsbczirk Neckargemünd.

Großh. Bezirksamt Heidelberg

Die Conscription pro 1867 betr.

Nr. 23836. Die Aushebung der Rekruten für 1867, Altcrsklasse 1846, findct bezüglich
derjenigen Conscriptionspflichtigen, welche bei der Ziehung die Loosnummern 1—200 inol. ge-
zogen haben,

Montag, den 1V. Dezember,

bezüglich des Restes,der Pflichtigen

Dienskag, den 11. Dezember l. I.,

jcweils Morgens 8 Uhr bcginnend, auf dem Rathhause dahier statt.
Heidelberg, den 30. October 1866.

Dr. Arnsperger.

f3?

Großh. Bad. Amtsgericht Heidelberg.

Nr. 25450. Gegen Kaufmaiyi Louis Köh-
ler von hier haben wir Gant erkannt und Tag-
fahrt zum Richtigstellungs- und Vorzugsverfahren
auf

Mittwoch, den 21. November l.

^ ^ Morgens 8 Uhr,

Alle, welche aus irgend einem Grunde Ansprüche
an die Gantmaffe machen wollen, werden aufge-
fordert, solche in dieser Tagfahrt, bei Vermeidung

lich anzumelden nnd zngleich die etmaigen Vorzugs-
oder Unterpfandsrechte zu bezeicknen, dic der An-
meldende geltenb machen will, auch gleickzeitig die
Beweisurkunden vorzulegen oder den BewtiS mit
andern Beweismitteln anzutreten.

In derselben Tagfabrt wird etn Glaubigeraus-
schuß ernannt, auch ein Borg- odcr Nachlaßver-
gleick versucht, und es sollen die Nichterscheinenden

gen aks dcr Mehrheit der Erschirnenen beitretend
angeskhen werden.

Zugleich wird denjenigen Gläubigern, welchr ih-
ren Wohnsitz im Auslande haben, aufgegeben, spä-
testens in dieser Tagfahrt einen am Orte des Ge-
rickts wobnenden Gewaltbabcr für den Empfang
aller Gindändigungcn, welcke nach den Gcfetzen
der Partei selbst, oder in deren-zvirklichcm Wohn-
fitz zu gescheben haben, in öffentlich'er Urkunde, wenn
Vie Erncnnung nicht zu Protokoll geschieht, anher
namhaft zu machen, widrigenfalls alle weitern Ver-
fugungcn odcr Erkcnntnisse mit derftlbcn Wirkung,
wie wcnn sie dem Gläubiger eröffnet oder einge-
hän^digt wärrn, nur an dem Sitzungsorte des Ge-

Heidelberg, den 22. Oct'ober 1866.

(2) E'senbut, Act.

Großh. Bezirksamt Wiesloch.

Nr. 6451. Kaufmann Lonrad Geißmann
m Rauenberg wird als Bezrrksagent der Fener-
versicherungsbank für Deutschland in Gotha hier-
mit bcstätigt.

Wiesloch, den 2. Noveinber 1866.
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