Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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Paffau, 11. Nov. Gestern Abend 9 Uhr
trafen oie letzten iächs. Truppen, eine Schwa.
dron des ersten Reiter-RegimentS, 154 Mann
mit 163 Pferden, am hirsigen Bahnhof ein
und setzten nach eingenommenem Abendessen
ihren Rückzug nach Sachsen sort. ^ Jnnerhalb
acht Tagen wurden auf der Elisabeth-West- und
Ostbahu von diesen Truppen befördert 450 Of-
ficiere, 15,515 Soldaten, 4018 Pferde und 298
Fuhrwerke.

Berlin, 13. Nov. Jn der heutigen Sihung
desAbgeordnetenhauses wurde die Vorberathung
deS Budgets im Hause mit 105 gegen 90 St.
beschlossen. Dic Minister der Finanzen, des
Handels und der Zustiz bringen mehrere Ge-
setzes-Eulwürfe ein, darunter befinden sich: 1)
die Uebernahme der Grundsteucrveranlagungs-
kosten auf Rechnung der Staatskasse, 2) die
Aufhebung der RheinschififahrtSabgabeu, und
3) die Concessionirung der Genvssenschaften und
ConsumtionSvereine betreffcnd.

Hamburg, 12. Nov. Nach einem auS
London eingegangenen Tclegramm der Hamb.
Börsenhalle ift der aus Westindien eingetxof-
fene Dampfer Atrato unwcit Soulhampton
unter Quarantäne gestellt worden, da während
der Reise an Bord 34 Personen am gelben
Fieber erkrankt waren, wovon 14 gestorben
sind.

Aus Schleswig-Hülftein, 11. Novbr.
Der Bnrgerverein der Stadt Schleswig hat in
seiner letzten Generalversammlung den Beitritt
zu dem „Verein gegen die Theilung SchleswigS"
beschlofien.

Oefterreichifche Mouqrehie.

Wien, 11. Nov. Die Abgeördneten des
deutschen Handelstag, welche auf Einladung des
hiesigen Vereins der Jndustriellen zu einer Ge-
neralversammlung hier erschienen waren, haben
Wien wieder verlassen. Der „A. A. Z." wird
darüber geschrieben: „Der Ausschuß des deut-
schen HandelStagS hatte der Einladung der
öfterreichischen Jndustriellen dadurch entspro-
chen, daß er in den Personen der HH. Dr.
Maddon und Liebermann auS Berlin, v. Sybel
aus Düsseldorf, Handelskammersecretäre Hökte
und G. Müller auS Stuttgart eine Deputation
mit dem Auftrag entsandte: an den Verhand-
lungen der österreichischen Jndustriellen, welche
unter dem Präsidium deS Fürsten Colloredo-
ManSfeld am 31. Octbr. zu Wien gepflogen
wurden, theilzunehmcn. Bei der Besprcchung
des künftigen handelSpolitischen Verhältnisses
Oesterreichs zum deütschen Zollverein nahm Hr.
Gustav Müller aus SMttgart im Namcn sei-
ner Collegen das Wort. „Der leidigste Punkt
in dem nunmehrigen handelspolitischen Verhält-
nisie Oesterreichs zu Dcutschland", sagte er,
sei offenbar die in dem österreichisch-preußischen
Friedensvertrage festgesetzte sechsmonatliche Kün-
digungsfrist für den Zollvereinsvertrag. Die-
ser Zustand könne unmöglich andauern, er
mache größere geschäftliche Speculationcn un-
möAich; übrigens hoffe er oießfalls auf eine
leichte Einigung. Was nun seine und seiner
Collegen hiesige Stellung betreffe, so seien die-
selben eigentlich nur als Privatpersonen beauf-

baben 1300 MetreS Länge und 10 Metres Breite.

führen, haben.cine Länge von 2 Kilometres und
5 PketreS Breite. Die untcrirdischen Kretsgalrrien, ^
drei au drr Zahl, habrn gleichfalls zusammen 2 Ki-
lometres Länge, waS im Ganzen über 5 Kilome-
trrs Länge an unterirdischen Gängen ergibt. Die
unterirdischrn Wasserleitungen und Siele haben
etwa 8 KilometreS Länge. Das Lifcngerüst des
Gebäudes enthält 13,500,000 Kilogr. Guß- und
Schmieveeisen, wovon 10,000.000 auf dte Maschi-
nengalerte und 3,000,000 auf dte andern Galerien
kommen. Das Dach der Kunst- u. AlterthumSgalerte
nimmt 500,000 Kilogr. in Anspruch. Jm Gerüste
ssnd im Ganzen ctwa 6 Millionen Nietnägel an-
gewandt, für welcke etwa 15 Mtllionen Löcher zu
bohren warcn. Die Sparrrn an den mit Zink be-
drckten Theilen des GebäudeS erforderten 1100 Cu-
bikmetres Holz. Dte Oberstäcke drs mit Zink be-
deckten Lattenwerks beträgt 53,000 MrtreS. Dte
Fenster der großrn Galerie haben 45,000 Quadrat-
Metres GlaS erfordert, und das Oberltcht, welches
die anderen Galerien erhellt, 20,000 Metres. Wrnn

tragt, von den Verhandlungen des VereinS
Kenntniß zu nehmen und dem HandclStag über
ihre Wahrnehmnngeu zu berichten. Doch seien
sie sehr gernc geneigt. jede gewünschte AuSkunst
zu ertheilcn, und sür daS, was zwischen ihnen
und ben Delegirten dcs ZndustrieellcnvereinS
vereinbart würve, die eisrigsten Fürsprecher im
Zollverein zu wcrden." Die Versammlung er-
wiederle diese AuSeinandersetzung mil ber Er-
nennung eines CouuteS, desien Aüfgabe es sein
wird, vorerst eine allgemcine Basis mit den
Zollvereinsdelegirtcn festzustellen, und darauf
gestützt mit einem auch vom HandcStage cin-
zusetzenden Comite erst in die detaillirte Ver-
handlpng einLutreten."

Wien, 14. Novbr. Die heutige „Wiener
Ztg." veröffentlicht cin kaiserl. Handschreiben,
wodurch Hr. v. Beust auch zum Minister des
kaiserl. Hauses crnannt wird. Graf Larisch ist
aus seinem Urlaub zurückgekehrt und hat die
Finanzleitung wieder übernommen. Anselm v.
Rochschild hat das Wiener Bürgerrecht erworben.

Wien, 14. Rov. Die neuesten in Wien
eingetroffenen Nachrichten aus Mexico melden,
daß in den mexicanischen RcgierungSkreisen die
hoffnungsvollste(?) Zuversicht für die Zukunft des
Kaiserreiches sei.

Pesth, 11. Nov. Bei Ucberreichung eineS
Albums mit 6000 Unterschristen anlwortete
Deak der Szegcdiner Depulation: „Die Anhäng-
lichkeit uud Verehrung Szegedins dankend enl-
gegennchmend, bedauere ich, daß ich bisher blos
für den guten Willcn und die Absicht Dank
erlangtc, odgleich beide noch keinerlei Früchte ge-
tragein Nicht verheimlichen kann ich, daß wir
noch verhängnißvollen Zeiten entgegensehen und
die Zukunft und daS Glück deS Vaterlandes !
nicht von uns allein abhängen. Unter allen
Umstanden müssen )vir übrigens die patriotische
Pflicht erfüllen." — Die Deputation besuchte
noch dcn UnterhauS-Präsidenten und Eötvös.
DaS Ganze war somit einc Ovation für die
Deak-Partei. (N. F. P.)

K r a n k r e r ch

Paris, 13. Der Kaiser und die Kaiserin i
sind heute um 2 Uhr Nachmitlags nach Com-
piegne abgereist. — Der Kurfürst von Hcffen
wi'ro morgen hicr eintreffen. Die Fürstin von
HanaN ist bereitS hier angekommen.

D ä n e m a r k

Kopenhaqeu, 12. Nov. Die lebhaftesten
Hochrufe empfingen den König, der die Thron-
rede mit kräftiger Betonung verlaS. Der Nord-
schleSwig betreffende Passus rief große Sen-
sation und lang andauernde Beifallszeigungen
hervor. — Die Berling'sche Zcitung enthält
einen officiösen Artikel über die Einführung
neuer Hinterladungsgewehre, wozu bedeutcnde
Bewilligungen (es heißt 1,350,000 Rigsdaler)
erforderlich seien.

Aus Baden. ZJ. HH. der Prinz und
die Frau Prinzessin Wilhelm sind am 13. d.,
Abends 10 Uhr, wie der „Karlsr. Anz." ver-
nimmt, zunächst von Heidelberg wieder in der
Refidenz eingctroffen.— Gestern Nachl, 13/14.
November, wurde ein großartiger Sternschnup-

j penfall in KarlSruhe gesehen. Die stürmisch-
regnerische Nacht bot um die Morgenstunde
etwa 2 Stunden lang klaren Himmel; inzwi-
schen glaubte man vom Himmel herab einen
Feuerregcn wahrzunehmen, denn dke Sterne
schoffen zu vielen Tausenden und oft in gro-
ßcn Wirbeln. Es werden wohl Naturforscher
über diese seltene Erscheinung sich bald verneh-
men lasien. Vielleicht gibt es.aüch ^solche,
welchc diese Erscheinung als ein Vorzeichen für
den schon verkündigten Frühjahrskrieg ohne
Zündnadelgewehre halten. — Jn der Juris-
prudenz füllen sich die Lücken im Pcrsonal vor-
erst nur schwer, weil es an jüngeren Kräften
fehlte. Der Bedarf wird aber jetzt bald wieder
gedeckt sein und es werden nach dem „Schw.
M." gegen 30 Praktikanten zur nächstcn Prü-
fung kommen. Bald werden dann wieder Zu-
stände kommen wie im 50er Jahrzehnt, als die
Leute -sich glücklich schätzen mußten, wenn sie
nach 12 Jahren Lyceums, 4 Jahren Hochschule
und 10 Zahren Praktikantenzeit zur Anstellung
gelangten. — Außer den Vorträgen Heidelber-
ger Profefioren werden gegen vas Frühjähr hin
auch noch eine Reihc naturgeschichtlicher Vor-
träge von Karl Vogt in Mannheim stattfinden.
Der geniale Forscher wird zu Ende Februar
und Änfang März an 6 Abcnden sich über die
Urgeschichte des Menschen verbrciten.

Aus Baden. 12. Nov. Aus Norddeutschlnnd

^ ^4.^ N^p. (S^öffeiig^ri

sönlichcn Bestrafung bei seinem Belreten, in die gesetz-
lichr Geldstrafe von 1200 fl. veriirlheilt.

2) Unlersuchung gegenJohann Boppel von Ziegel-

man nun bedenkt, daß tm Augusl 1865 nock kein
Plan fest angenommen worden war zu diescm Ge-
bäude, daß im October v. I. nock auf dem Platze
Militärübungen abgehalten worden find, so muß
man gestehen, daß ber Bau deS Ausstellungsge-
bäudeS auch bezüglich der Schnelligkeit seiner Aus-
führung wohl nirgends setnes Gleichen ssndet.

Dom Bodensee, 8. Nov. Ein schrecklicher Vor>
fall, dem muthmaßlich ein Verbrechen zu Grunde
ltegt, erregt in der ganzen Gegend großes Auf-
sehen. Verwichenen Dtenstag RachmittagS wurde
nämltch in der Nähe des Weilers Ernatsreuthe
(Bezirksamt Ueberlingen), in einer von einem
Bache durchzogenen Gebirgsschlucht, der 31 Jahre
alte A. Renz von Ernatsreuthe erschossen gefun-
den. Der Schuß, der dte hintere Schädelwand
durchlöcherte und augenblicklich getödtet haben mziß,
war rin Schrotschuß und ganz in der Nähe abge-
gefeuert, da die verletzten Kovftheile geschwärzt
waren. Die That ist jedock nicht auf der Stelle
geschehen, wo die Leiche ausgefunden wurbe, denn
eS fanden fich Blutspuren, Stiefelabdrücke rc. auf
dem Boden, die von der Höbe herab zum Bache

führten, und scheint hiernack, daß nach vollbrachter
That der Todte noch geschleift wurde. Der Verun-

seitdem vermißt. Der Vorfall, über dem noch so
vtel Dunkel sckwebt, ist bereits Gegenstand amts-
gerichtltcher Untersmbung geworden, auf deren vor-
läufige Ergebnisse hin Aagdpäckter A. von Owin-
gen als der That verdäcktig vcrhaftet worden ist;
jedoch hat derselbe vem Vernehmen nach bis jetzt
keine Geständnisse gemacht. (Bad.Lztg.)

Es ist eine arge Verlenmdung, daß der gegen-
wärtig fich so hoher Guiist erfreuende Lhignon das
bloße Geschöpf eincs bloßen Einfall« unserer Da-
menwelt sei. Derselbe bat seinen Vorgänger, und
zwar — bei den afrikanischen Schönen. Wie der
berübmte Reisende Du Chatllu dieftr Tage in
London in einem Vortrage über bie Schwarzen
nördlich vom Aequator erzählte, gehört dort zu den
Requisiten vollendeter Schöndeit neben einem mit
Einschnitten versebenen Gefichte und einem der-
Vorderzahne entblößten Munde auch ein anfthn-
licher Chignon. So ein rechter Ehignon erfördert
eineS unverkürzten Haarwuchfts von mindestenS
etnem Dutzend Aahren.
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