Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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M,- 303. Dienstag, LS Dezember


1800.

* Politifche UNiscbau.

Heidelberg, 24. December.

Aus Stuttgart schreibt die „Fr. Z.", daß
in Württemberg keine andere Schußwaffe alS
das in der Schweir als das beste ermittelte
Winchestergewehr angenommen sei. Nur be-
züglich dcr Patronen finden noch Versuche statt.
Was soll man aber dazu sagen, daß die 4 süd-
deutschen Staaten, Bayern, Württemberg, Ba-
den und Hcssen, sich nicht über eine gleich-
mäßige Waffe cinigten! — Bayern ändert seine
PodewilSgewehre nach eigenem Gcschmack ab;
Württemberg wie vörstehend bemerkt. Baden,
deffen Jäger schon im lctzten Krieg mit preu-
ßijchen Zündnadelgewehren bcwaffnet waren,
wird selbstverständlich daS preußische Gewehr
vollendS acceptiren, und Hcssen.' von dessen
Contingent ein Theil zu Preußen - zu stellen ist,
hat keine andere Wahl, als Annahme der preu-
ßischen Waffen. Die Fchler der alten Bun-
deökriegsverfassung werden also in dem wich-
tigstcn Punkte — der Bewaffnung — nach
wie vor fortbestehen. Wäre es nicht noch Zeit
zur Verständigung, ehe es zu spät ist, damit
der Beutel des Volks nicht wicder für unglück-
liche Experimeyte hcrhalten muß, die in näch-
ster Zcit wieder als unpracticabel sich erweisen.
Das Vernünstigste und Einfachste wäre nach
unserer Ansicht Annahme des preuß. Systems.

Die „Bayerische Zeilung" vom 23. d. ver-
öffentlicht ein königliches Nescript aus Hohen-
schwangau, 14. Decbr., welches den dermalen

ruft. Der Minister Frhr. v. d^Pfordtcn hat
daS Rescript mitcontrasignirt. — Der König
hat durch Handschrciben vom 22. d. den Ober-
appellationSrath Lutz als CabinetSrath unter
Pfistermeister auf die erledigte Stelle aller-
höchstscines Sccretärs berufen. (Vergl. Mün-
chen, 20. Dec.)

Wie das „Fr. I." aus verlässiger Quelle
vernimmt, sind die Arbeiten wegen Trennung
deS Frankfurter Staats- und Stadt- oder Bür-
gervermögens in vollem Gange und ist cin bal-
diger Abschluß dcrselben zn erwarten.

Wie die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung"
mittheilt, werden Nassau, Frankfurt, die ober-
hessischen und bayerischen Landestheile nicht
eine eigene Provinz bilden, sondern der Pro-
vinz Kurhessen beigefügt,

Das preuß. Abgeordnetenhaus hat sich
bis zum 7. Januar vertagt.

Die prcußische Regierung hat die übrigen
Regicrungen dcs Zollvcreins eingeladen, ihr
diejenigen Vorschläge mitzuthcilen, welche die-

selben bei den auf Grund des Prager Friedcns
bevorstehenden VcrhaMungen über eine Neyi-
sion dcs Hand.elsvcrträgs mil Ocsterreich vom
1l. April v. I. geltend gemacht wünschen.

Wie bestimmt verlautet, hat der künftige de-
finitive nordd. Nelchstäg eine dreijährigc Legis-
laturperiode, ferner sowie die BundeSgewalt auch
seinerscitS die Jnrtiätive der Gesctzgebung, und
regelt selbcr seine Geschäftsordnung. Wegen
der Nedefreiheit ist nach der „K. Z." die Bc-
ftimmung anfgenommen, wie sie däS Abgeord-
netenhauö. i.n das Wahlgesetz zum Parlament
eingesührt hat._. Die Mitglieder sollen alsffolche
keine Besoldung oder Entschädiguug crhalten.
Danach sind Beamten keineswegs auSgeschlossen.

Die neueste Wi.ener „Amtszeitung" vcröffent-
licht den österreichisch-französischen Handelsver-
trag.

Der „Etendard" will.wissen, daß Graf Bis-
marck nächstens PariL passiren werde auf der
Durchrcise nach dem Süden Frankreichs, wohiu
derselbe sich. auS Gesundheilsrncksichten begebcn
wolle, um auf den Rath seiner Aerzte einen
Theil des Winlers dort zuzubringen. (Berliner
Blätter melben bis jetzt nichls davon.)

Die schöne und fromme Kaiserin Eugenie
spielt in den Blättern nach wie vor das alte
Spiel: sie geht, sie geht nicht — heute geht
sie wieder, und wie der "Const." wissen will,
ist die Ncise doch vertagt. Heute auch versichert
die inspirirte Presse, Max sei nicht Bazaine's Ge-
fangcner, er sei auch nicht von Sinnen und habe
sichnoch wenigcr eine Kugel durch den Kopf ge-
jagt. Die Botschast des Präsidenten Johnson
ist den Franzosen'indeß augenvlicklich wichtiger,
als daS^ Schickfal des armcn Maximilian. Selbst
dic „France" macht den Amerikanern hcute eine
tiefe Vcrbeugung und findcl eS fast bcncidens-
werth, cin Pankee zu sein. „Wenn ein Land
nach einer jo furchlbaren Krisis", äußerte sie,
„seine StaatSschuld in einem einzigen Jahre
um 200 Millionen ermäßigen und eine Armee
von einer Million auf 50,000 Mann beschrän-
ken kann, so hat ein solches Land wirklich eiNe
Macht und eine Solidität, die allen Gesahren
Trotz bietet."

Der schweiz. Bundesrath hat seine Depar-
temente folgendermaßen bestelll: Aeußereö: For-
ncrod; Postcn: Dnbs; Zolle: Näff; Militär:
Welti; Finanzen: Challct; Jnneres: Schenk;
Justiz: Knüsel. — Ein Anlehen von 13 Mil-
lionen ist von beiden Näthcn bewilligt worden.

Jn der italienischen Abgeordnetenkammer er-
klärte der Finanzminister, er wäre berxil, jetzt
schon eine Darstellung der Finanzlage des Lan-
des zu machcn, er halte es aber für geeigneter,

ein solcheS Exposs erst am 1. Januar vorzu-
legen.

Briefe auS Rom vom 19. d. versichern, daß
der Papst sich über die Thronrede des KönigS
von Ztalien sehr befriedigt geäußert habe. —
Gestern hat die erste Conferenz mit Tonello,
betreffend die Regclung dcr religiösen Angele-
genheiten, stattgefunden. Kardinal Antonelli
und Franchi wohnten derselbcn bei.

Das „Petersburger Journal" sagt: „DaS
gute Einvernehmen zwischcn Rußland und Oe-
sterreich, welches dcn beiden Cabinelten am Her-
zen liegt, ist in keiner Weise alterirt. Die be-
treffende Zeitungspolemik ist nur die Folge von
dem Einflusse dcr Parteicn."

Deutfchland.

Karlsruhe, 22. Dec. Seine Königliche
Hoheit'der Großherzog haben gnädigst ge-
ruht: den AmtSrichter Jacobi in Eppingen
nach Ladenburg, den Amtsrichter Kugler in
Walldürn nach Eppingen, und den Amtmann
von Berg beim Kreis- und Hofgericht Mann-
heim zum Kreis- und Hofgericht Freiburg zu
versetzen; ferncr den KreisgerichtS-Secrctär
Stehle in Freiburg zum Amtsrichter in Wall-
dürn und den Neferendär Wilhelm Rupp da-
hier zum Secretär beim Kreis- und Hofgericht
Mannheim zu ernennen; endlich dem Hausarzt
am Zellengefängniß und an der Hilfs-Straf-
anstalt Bruchsal, AmtSgerichlsarzt Dr. Gutsch,
den Nang und Character als Medicinalrath
zu verleihen.

Darmsladt, 21. Dec. Jn der heutigen
geheimeu Sitzung der ersten Kammer wurde
Graf Erbach-Fürstenau als der vom Großher-
zog ern.annte erste Präsidcnt declarirt. Mor-
gen findet die feierliche Eröffnung deS Land-
tages statt. Für die erste Kammer ist Graf
Görtz zum Vicepräsidenten ernannt worden.
Hcinrich von Gagern lehnte die Stelle als
Präsident für die zweite Kammer aus Gesund-
heitörücksichten ab. ES wurde daher Hofge-
richtöpräsident Buff von Gießen zum Präsiden-
ten und Wernher von Nierstein zum Viceprä-
sidentcn der zweiten Kammer ernannt. — Heute
Nachmittag traf der Kurfürst von Heffen zum
Besuch des großh. Hofcs dahier ein. — Arinz
Alcxander ist heute von PeterSburg wieder hier-
hcr zurückgekehrt.

Darmstadt, 22. December. Bei der Er-
öffnung der S t L n d c - Ve r s a m m l u n g
durch den Minister-Präsidenten Dalwigk
wird die Erwartung auögesprochen. daß
Deutschland zu neuer Einheit und Größe er-
stehen werdc, welchcs Ziel zu erreichen die

Lonton, 15. Dec. Nachdem der ersten großen
Ervlosion in Bariisley am folgenden Tage mehrere

Tiefe empor. Ehe die herbeigerufene Löschmann-
schaft thre Arbeit begann, legte sich daS Feuer.
Einer der Spritzcnleute aber glaubte unten von

Ruf zu dören. Die Aufregung war ungebeuer.
Die vernebmlichen Anzetgen, daß ein lebendes
Wesen noch unten war, mehrten sich. Eine Flasche
Branntwet^w^ an ^inem Tau hinabgelassen,

mit vielfachen Unterbrrchungen und unter wieder»
holten Zeichen mit der Klingel, konnten sie ihren
Weg fortsitzen. Unten angklangt, hörten sie die
Stimme deutlich, sie kam von einem der Frctwil-

fort in den Korb gesetzt und an die Oberstäche ge-
ogen. Lange Zeit, so erzählte er, dabe er untrn
ewußtloS am Bodrn gelegen, hingeschleudert von
der Erschütterung, welche dte zwette Erplofion be»
gleitete. Endltch fich aufraffend, habe er eine Wan-
derung durch die Stollrn angetreten und sci über

Leichen hinstolpernd bis in die Nähe des Sckachtes

Von debn^ans Licht Grbrachten waren noch 19 am
Leben; doch starbrn Manche in kurzer Zeit. Man
sch^ 1^0 ^ ^l^^^^ a^s

beuen tst im ganzen Lande rege; die Königin hat
schon einr Unterstützung von 200 Pfund Sterling
nach BarnSley gescindt, der Lorbmojor von London

(Luriosu m.) Nachstehende Geschichte ist Wort
fu r^ o^tk ll^a h^r In ki^er Ga rn isonestad^t^(Preu-

nie, auch wrnn er solchen Officieren begegnete, von
denen rr voraussitzen mußte, daß sie ihn kannten.
Dirs gab Anlaß zu Beschwkrdcn, und die Eom-

.^ Ili^il ftift

Kortan Habkn bei warmer Zeit Bauern die Herrxn
Officiere zu grüßen."
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