Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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XXXVI. JAHRGANG. DARMSTADT. JANUAR 1925

EUGENIK UND WOHNUNGSKULTUR

gutes wohnen ist ein ständiges fest

Man vergißt bei der Kritik der zahlreichen Zivi- denzen gehen eng verschwistert neben dem phy-
Hsations-Schäden zu oft, daß ihnen mächtige sischen Vollendungs-Streben einher... Aber auch
K-räfte entgegenwirken. Es geht nach dem Hol- die äußeren Bedingungen, unter denen der Mensch
derlinschen Wort: »Wo aber Gefahr ist, wächst lebt, werden immer bewußter unter »eugenischem«
das Rettende auch.« Das Rettende besteht in Gesichtswinkel betrachtet. Und immer klarer wird
diesem Fall darin, daß die Bedingungen, unter uns, welche große Rolle das Wohnen in eugeni-
denen der Mensch sich gesund und leistungs- scher Hinsicht spielt! Wir wissen schon längst,
fähig erhält, immer schärfer erfaßt und, als »Eu- wie wichtig Luft und Licht für den Menschen sind.
Renik«, praktisch angewendet werden. Undzwar Aber erst seit kurzem wissen wir auch die an-
ist dieses »eugenische Streben« längst nicht mehr deren Faktoren des Wohnens nach Gebühr zu
eine Angelegenheit enger, abgegrenzter Zirkel, schätzen: Weiträumigkeit, wohltuende Farbe, sinn-
sondern breit flutet ein Strom von Gesundungs- volle Anordnung der Räume, lebensteigernde
willen durch alle Kulturländer. Es gibt heute schon Raumformen, klares, gutes Mobiliar.. Den tau-
ein starkes, zielklar arbeitendes »hygienisches Ge- send Einwirkungen der Umwelt stehen wir nicht
wissen«. Das Streben nach Stählung und Pflege ohne Gegenkräfte gegenüber, wohl aber wirkt
des Körpers, nach Festigung der Nerven, nach alles, was die Umwelt an uns heranträgt, unauf-
otraffung der Sehnen, die Lust, die eigene Wider- hörlich und nachdrücklich auf uns ein. Darum ist
standskraft durch individuelle und genealogische uns geboten, diese Einwirkungen so günstig als
»Züchtung« auf das höchste Maß zu erheben, möglich zu gestalten, damit sie uns helfen, damit
diese ganzen gesunden Gegenkräfte gegen die sie uns fördern und steigern! Wohnen kann
zermürbenden Daseinsbedingungen der heutigen ein Fest sein, — aber auch eine Sklaverei. Das
eit sind auf der ganzen Linie erwacht. Bildung hängt in erster Linie von Einsicht und Wollen
nnd Pflege eines klaren Urteils, das Ideal einer ab. Und es ist moderne Erkenntnis, daß auch
geraden, nüchternen, zuverlässigen Männlichkeit die Wohnung dazu beitragen kann und soll, den
eines festen, offenen Charakters, diese Ten- Menschen frei und stark zu machen, h.ritter.

192«. i. i.
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