Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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INNEN-DEKORATION

architekt clemens klotz-köln haus heck mann in köln. gartenfront

ARCHITEKT UND BILDHAUER

die einheit von baukunst und plastik

Der Rheinländer ist im allgemeinen ein untragischer einer Eigenschaft, die unter und über aller Kunst wirken
Mensch, der über Entscheidungen hinwegtänzelt; sollte: der Liebe. Sie beginnt beim Material, das
darum hat es der Künstler in Köln, — vor allem der sachlich gewählt und verarbeitet wird, wirft sich auf den
Baukünstler, womöglich noch schwerer als anderswo! aus dem Material entstehenden Baukörper, der um
Eine nicht geringe Zahl landet denn auch im konven- seiner selbst willen — »Form ohne Ornament« — er-
tionellen Kitsch. Zu denen, die das nicht taten und schaut und in diesem Geiste der Sachlichkeit durchwe-
in ihrem Schaffen einen Entscheid durchfochten, gehören bildet wird, sodaß in der Art und Weise, wie etwa ein
der Kölner Baumeister Clemens Klotz und der Bild- Türrahmen nicht sachlich und fachlich sein kann, ohne
hauer Willy Meiler. Ihr Entscheid geht auf die enge schmückende Anmut zugleich und durch sich selbst zu
Verbindung von Baukunst und Plastik; es ist sein, wie ein Dach »Dach« bleibt und doch im Vor-
also ein Entscheid auf den Urbeginn dieser Künste, schweifen das Haus fest an die Erde drückt, — sodaß
Das »Haus Heckmann« ist in dreigliedrigemRbyth- also in der unteilbaren Einheit von Form und Material

mus gebaut. In der Mitte der Fassade springt ein Vor- hier typisch rheinische Gebilde erwachsen sind.....

bau vom Grundriß eines halben Kreises heraus. Die Und auch das gehört dazu, daß beide Künstler sich
Punkte, in denen dieser Vorbau sich aus der Fläche wölbt, auf ein paar Elemente zu bescheiden scheinen, der Bau-
sind durch zwei aus dem Gitter zur Straße hin anschlie- künstler auf einen nach der Südsonne orientierten Land-
ßende Muschelkalk-Figuren auf Sockeln betont, die zu- haus-Typ, der Plastiker auf irgendwie einem großem
gleich einen Größenmaßstab bilden . . In einem andern Ganzen dienende Figuren; jedoch, sieht man genauer zu,
Haus sind es zwei Karyatiden, die den durchlaufenden quillt von Werk zu Werk eine solche Fülle von Ver-
Balkon tragen und zugleich die Rhythmik der Garten- Wandlungen, Überleitungen, schwingenden Nuancen her-
f assade unterstreichen.. Diese Figuren selbst entsprechen aus, wie sie in der Hauptsache rheinischem Temperament
im Adel ihres Maßes den Maß-Veihältnissen der Bauten, vorbestimmt ist. Wie es, in tieferer Schau, nirgendwo
deren Sachlichkeit in Grund- und Aufriß wie in der ein Innen und Außen gibt, so auch in dem Wuchs dieser
Verwendung des Materials die anmutig-heitere, eben Bauten: sie entfalten sich einheitlich, wie man denn
wohnliche und durchaus gemütvolle Wirkung begründet, nicht zwischen Innen- und Außenarchitekt, zwischen Pia-
Auf Schritt und Tritt begegnet man in diesen Häusern stiker und Bauplastiker unterscheiden sollte. otto brues.
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