Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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290 INNEN-DEKORATION

kmuchel & kahl—zürich. arch. eugen fritz musik-zimmer in einer bqroer-wohnung

EIN BÜRGERLICHES WOHNZIMMER

ausgeführt von knuchel & kahl-zürich

Das Besondere und Bedeutsame dieser nach dem das seine Ursache darin, daß meistens das gedankliche

Entwurf von Eugen Fritz in der Firma Knuchel Resultat »abstrakt« realisiert wird, wie eine Formel,

& Kahl in Zürich ausgeführten Raum-Einrichtung (Seite daß die »moderne« Form um jeden Preis gesucht wird,

288—291) liegt in ihrer völlig harmonischen Geschlos- auf Kosten des inhaltlich Warmen, des Organischen,

senheit. Jedes einzelne Möbelstück, die Teppiche, die *

Beleuchtungskörper, die Bilder, jeder Gegenstand mit Das scheint mir nun an diesem Räume das Seltene
seinem eigenen Zweck und Charakter ist — ohne sich zu sein, daß auf eine moderne Stilisierung aus dem intel-
seines Eigenwertes zu entäußern — eine Verbindung mit lektuellen Wollen verzichtet wurde. Und doch ist die
dem Ganzen eingegangen, so daß die räumliche Gestal- Formung nach denjenigen Prinzipien geschehn, welche
tung und die Farbigkeit zu einem einheitlichen und ein- die Gegenwart charakterisieren: Sachlichkeit, Zweck-
fachen Wohlklang zusammenwirken. Die Art der Auf- dienlichkeit verbunden mit äußerster Einfachheit. Es
teilung der senkrechten Akzente mit der Sammlung des fehlt jede unnütze Schmückung. Dafür ist die Struktur
Ruhegefühls in einer runden, horizontalen Tischfläche, z. B. des Lehnstuhls genau erwogen nach den Atmungs-
die das Zimmer gleichsam weit macht und ihm, ohne auf- Vorgängen eines Menschen in der Sitzlage, er ist so ge-
lösend zu wirken, die Enge nimmt, ergibt den Gesamt- baut, daß der Rücken dort gestützt wird, wo eine Be-
Eindruck einer frohen und beruhigten Wohnlichkeit . . klemmung der Atmungsorgane ausgeschlossen ist. Die
Was sich so als Resultat darbietet, — natürlich und Armlehnen öffnen sich so, daß die Arme von selbst die
ohne sichtbare Zeichen der großen Mühewaltungen, die bequemste Lage einnehmen.. Die Schaffung eines solchen
es schufen, — ist das Ergebnis künstlerischer und hand- Raumes setzt voraus, daß der entwerfende Innenarchitekt
werklicher Arbeit, der tiefgehende psychologische und nicht allein mit der ausführenden Firma eng zusammen-
physiologische Überlegungen zu Grunde liegen . . Kaum arbeitet, sondern auch in enger Fühlung steht mit Künst-
kann sich eine Zeit über so bewußtes und intensives lern, welche sich auf seine Intention einzustellen wissen.
Studieren und Forschen nach den Gesetzen einer dem Kunstmaler Otto Morach hat für dieses Zimmer einen
Geiste der Zeit entsprechenden Wohnkultur ausweisen, Teppich entworfen, Fräulein M. Guggenbühl wob für
wie die Gegenwart . . Ohne Zweifel gab es aber auch die Stühle Stoffe, deren braun und grau durchwirktes
nie so forcierte, so gekünstelte, so sehr konstruierte Rot durch feinen Kontrast das bläuliche Grün des
Lösungen, wie wir sie erleben müssen. Vielleicht hat Sofas und der Lehnsessel belebt . . Friedrich gubler.
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