Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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INNEN-DEKORATION

Ruhe und intime Proportion gegeben ist. Die Wände,
durchgehend bespannt und vergoldet, tragen in Schwarz
unendlich zarte Landschaftsmotive. Das Gleichmaß
dieser Fläche ist durch Kakteen-Fenster zweimal unter-
brochen und nochmals belebt durch eine Reihe von
gleichsam willkürlich in verschiedener Höhe angebrach-
ten Lichtträgern, die in kombinationsreicher Lichtmisch-
ung dem Raum wechselnden Ausdruck zu geben ver-
mögen. Kein einziges Möbelstück stört die Ruhe des tief-
blauen Bodenbelags, organisch wächst aus den Wänden
das Notwendige und Ausreichende: auf der einen Seite,
sie ganz ausfüllend, der langgestreckte Divan; gegenüber
zwei symmetrische, flache Schränke, die Bibliothek,
Schreibtisch und alles übrige zugleich sind und den türen-
losen Eingang ins Speisezimmer wie ein Tor flankieren.

Dieses Speisezimmer, nach demselben Prinzip des
kleinsten Mittels ausgedacht, ist in heiterem Grün und
Grau. Figürliche Bemalung der Wände und ein schmaler
Spiegel zwischen den Fenstern lockern die Grenzen des
an und für sich kleinen Raumes und wecken ein natur-
haftes Gefühl der Weite und Unabgeschlossenheit. Ein
leuchtend grüner Ofen in Form aufeinandergesetzter,
konzentrischer Zylinder, der einfüßige, festmontierte
Tisch, ein paar leichtgebaute Sessel — das ist alles,
und ist genug, um unbeschwert bei Tisch zu sein. . .

Das anschließende Schlafzimmer ist von anderer
Konstitution: schwerblütig und man müßte sagen: präch-

tig, wäre nicht auch hier alles auf die knappste Formel
gebracht. Ein Bett von mächtigen Dimensionen; ein
tiefes Braun in Wandton und Palisanderschrank. Ein
hoher Spiegel, vom Wohnzimmer aus gesehen, fängt in
Verdopplung noch einmal die edle Musik dieser Räume.



Breuhaus besitzt Reichtum der Einfälle und Spann-
kraft ebensogut wie die Besonnenheit und das Gleich-
gewichtsgefühl der Reife. Sein konzentrierter Wille
unterwirft hier die Fülle seiner Ideen einer schonungs-
losen, dem Zweck entspriugenden Sichtung und »Aus-
lese« und hebt damit sein Schaffen auf eine höhere
Stufe: Kunst nicht mehr als isolierte Begleit-Erscheinung
des öffentlichen Lebens, sondern als eine Kraft, die selbst
Dienst tut am Werk, die mitarbeitet an den Verände-
rungen der Lebensformen, sich Geltung verschafft gegen-
über den Forderungen des Heute, indem sie nicht zu ver-
hüllen sucht, sondern betont und veredelt, wiiliam cheer.



DIE NEUZEIT. Seien wir überzeugt: die neue Ge-
staltung, — mag sie dem ernsten Ruf der Tech-
niker oder aber den Lockungen der Künstler folgen, —
wird nicht mehr zurückkehren zu den veralteten Formen.
Es ist vorbei mit diesen, — oder wenigstens mit ihrer
Imitation. Die Schule der Neuzeit offenbart die wahr-
hafte Tradition der alten Meister, die nie auf-
gehört haben, sich zu erneuern! guillaume janneau.
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