Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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WOHNKULTUR UND GUTE WOHNSTÄTTEN

die grundlage der volks-ertuchtigung

Wenn eine Regierung sich den Luxus wirklicher die einen Idealmenschen und einen Muster-Sozialbürger
Weisheitgestattenkönnte,so hätte sieauf Dreier- a priori voraussetzen. Erst die Grundlagen und die Vor-
lei ihr Auge zu richten: auf ein richtiges Verhältnis der Bedingungen für den neuen Menschen schaffen, erst seine
Bevölkerungs-Ziffer zur Bodenfläche, auf Heranbildung Herkunft garantieren, seine geistigen und leiblichen Vor-
und Erziehung von Qualitäts-Menschen und auf eine bedingungen herstellen durch das Mögliche, dann den
unermüdliche Bekämpfung alles Wohnstätten-Elends, nächsten Schritt tun: an ihn sittliche Forderungen stellen.

★ *

Nichts ist einem Volks-Organismus so schädlich, wie Gebt den Menschen würdige Wohnstätten und alle
schlechte, zu enge und darum geistig wie leiblich unge- menschliche Tugenden werden blühen, die Verbrechen
sunde Wohnstätten! Wenn es gelänge, diesem Übel ab- werden seltener werden, es wird Gesundheit herrschen
zuhelfen, wer es verstünde, zweckliche, billige und ge- und neue tüchtige Geschlechter werden erstehen! . .
sunde Wohnungen für die in gepferchter Enge schmach- Eine würdige Wohnstatt gibt den Menschen Abstand,
tenden Teile der Menschheit zu schaffen, der würde sich aus Abstand wächst Urteil, Eigenwesenhaftigkeit, Selbst-
ein Denkmal verdienen, das nicht hoch genug sein könnte. Verwirklichung. Abstand erhält Schamhaftigkeit, Scham-

* haftigkeit aber ist Tugend, kuno graf von Hardenberg.
Nur in guten Wohnungen gedeihen gute Sitten -K

und Anschauungen, nur im Abstand wird der Mensch TV" UN ST. Was nicht lebhaft und tief empfunden aus

zur Persönlichkeit, nur in reinlicher Umgebung werden IX. dem Herzen strömt, kann auch nicht wieder zum

reinliche Vorstellungen, nur in Ordnung gewöhnt sich Herzen gehen, das ist eine alte, bekannte Lehre. Man

der Geist der Jugend an Ordnung! Wohnkultur pflegen, traut den Gemütskräften heute viel zu wenig zu. Was

Wohnkultur im Volke verbreiten und ermöglichen, für auf das Gefühl des Menschen wirken soll, muß aus dem

Wohnkultur im großen und kleinen eintreten, ist rieh- Gefühl hervorgehen. Wissen ist nur für den Verstand,

tigeralsalleVolksbeglückungdurchutopistischeTheorien, —aber Kunst ist nicht Wissenschaft, ludwig rjchter.

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