Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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INNEN-DEKORATION

architekt franz nocker-köln schrankwand in einem schlafzimmer

WESENSART DER NEUEN KUNST

ihre individuelle und ihre kollektive seite

Mehr als Wissenschaft und Weltanschauung, Sitte,
Recht und Politik werden stets Literatur und Kunst
»Eigengut der Nationen« bleiben. Auf jenen anderen
Gebieten des kulturellen Lebens kommt fast ausschließ-
lich die »intellektuelle« Seite des MeDschengeistes
zur Geltung. An Literatur und Kunst hingegen hat das
»Gemüt«, — dieses Wort in jener Verengerung seiner
Bedeutung gefaßt, die seit Friedrich Schlegel und den
Romantikern allgemein üblich geworden ist, — den größ-
ten Anteil. . Das Gemüt ist viel individueller als der
Intellekt. Das ergibt sich schon aus dem Wesen und der
Aufgabe beider. Der Intellekt ist auf die Erfassung der
objektiven Wahrheit, die für alle Menschen immer und
überall dieselbe ist, gerichtet, — während im Gemüt
das Ich auf die ihm durch Sinne und Intellekt nahege-
brachten Gegenstände subjektiv reagiert. Die Ver-
schiedenheit der Menschen wird sich daher weniger
in jenen geistigen Betätigungen offenbaren, die vorher-
sehend dem Intellekt zuzuschreiben sind, als in den

anderen, deren Quelle das Gemüt ist..........

Es wäre aber doch wieder eine Übertreibung, wollte
man die Kunst, wie sie tatsächlich ist, einzig und allein
für eine Offenbarung des Gemütes halten. In Wahrheit
spielt der Intellekt in das künstlerische Schaffen oft mehr

hinein, als für die Kunst gut ist. Das war gerade in der
letzten Zeit stark der Fall, die ja, — wie die großen
Fortschritte auf allen Gebieten der Wissenschaft und
der Technik beweisen, — überhaupt vorwiegend intel-
lektuell gerichtet war . . Es ist nicht zu verwundern, daß
in einer solchen Zeit die allgemeine Vorliebe für wissen-
schaftliche Probleme und technische Fertigkeiten auch
auf die Kunst ihren Einfluß gewann. Wissenschaft und
Technik sind aber längst international. In der Tat zeigte
sich das weite Fortschreiten der Internationalisierung
nicht weniger im Verhalten jener, welche die Werke der
Kunst bloß genießen oder kritisch würdigen als in dem
Wirken der schöpferisch Tätigen. . . . dr. ignaz seipel.



VERTRAUEN. Deutschland, das Aufnahme-und
Ausstrahlungs-Zentrum sovieler unerschöpflicher
Weite menschlicher Zivilisation und Kultur, wird solange
nicht zugrunde gehen, als es den Glauben behält an seine
große weltgeschichtliche Sendung. Ich habe das sichere
Vertrauen, daß es der Gedankentiefe und der Gedanken-
stärke der Besten unseres Vaterlandes gelingen wird,
neue Ideen mit den kostbaren Schätzen der früheren
Zeit zu verschmelzen und aus ihnen vereint dauernde
Werte zu prägen.. Reichspräsident von hindenburg.
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