Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

Page: 72
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1925/0090
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
72

INNEN-DEKORATION

WERKSTATTE ALBERT GQNl HER —WIEN HANDGEARBEITETE LUXUS-BUCH-EINBANDE

gos« soll der »Eros« gesellt sein — und auch »Kosmos« 1 WIENER KUNSTGEWERBE
Feine Konversation ist undenkbar ohne zarte Erotik,

ohne Humor, wohlverstanden Humor und nicht Witz: "P^Vurch eine Ausstellung im »Osterreichischen Museum

Humor als Lebens-Einstellung, als überlegenste Philo- 1 ) für Kunst und Industrie« feierte der im Jahr 1884

sophie, als goldener Kern echter Weisheit. Witz, oder gegründete »Wiener Kunstgewerbe-Verein« das

Witze gar —: die üble Form inferiorster Unterhaltung, vierzigjährige Jubiläum seines Bestandes. In diesem

Weitergabe gehörter Dutzendwerte uralter Herkunft, Verein verkörpert sich das »konservative« Element des

sterile Unfruchtbarkeit reiht unvermittelt Klotz an Klotz! österreichischen Kunstgewerbes. Wenn es einige Zeit

Wenn das Gedächtnis erschöpft, — hoffnungslose Öde! schien, als ob hier der Anschluß an den Geist des neu-

Und doch unter Männern über alles geliebt; bei Frauen zeitlichen Kunsthandwerkes versäumt würde, so zeugt es

charakteristischerweise viel weniger; die Natur in ihnen von der gesunden Entwicklung des österreichischen

hat einen feinen Takt und fühlt hier das Unfruchtbare! Kunstgewerbes, daß das Neue, — ohne zersetzend zu

* wirken, — auch in diesem, durch Tradition und boden-
Sollte man sich in unserem Land um eine Kultur der ständigen Wiener Geschmack gegen überstürzte Wand-
Konversation bemühen, — ist die Zeit dazu reif? Ich lungen gefeiten Kreise einzudringen vermochte. Was
glaube nicht — ich meine, wir bleiben ruhig noch bei durch diese Jubiläums - Ausstellung angebahnt wurde,
unserem Seelen-Menschentum. Verfeinerte Konversa- soll nun weiter geführt werden. Ein engeres Zusam-
tion: dazu ist nötig ein entwickeltes Wissen um den men-Wirken des »Wiener Kunstgewerbe-Vereines«
»Schein«, einstweilen sind wir noch zu ehrlich dazu (was mit den Kunstkräften, die sich um das »Osterreichische
man so ehrlich nennt!), auch sonst fehlt es noch zu sehr Museum« scharen, wird für beide Teile ersprießlich sein,
in den »Merkwelten«: es heißt vor allem diese auf einen Aus den reichen Darbietungen sollen hier einige we-
umfangreicheren Horizont zu bringen und untereinander nige Arbeiten vorgeführt werden. Die Raumgestaltung
auszugleichen. Dann mag an bewußte Techniken gedacht der Ausstellung erfolgte durch Prof. Otto Prutscher,
werden. Daß man vor zwanzig Jahren echter Konver- unter dessen Mitarbeit eine Reihe von Innenräumen und
sation schon näher war, vielleicht gar vor hundert- Einzel-Gegenständen entstanden. So. u. a. das von A.
zwanzig, tut nichts zur Sache. Auch hat jede Zeit ihre Pospischil ausgeführte Speisezimmer (S. 75), das trotz
eigene Jugend (wohlverstanden!), — und deren zere- der Schlichtheit der Möbelformen durch guten Zusam-
brale Möglichkeiten sind nicht zu überschätzen! k.g.v.h. menklang der Farben, durch den von der »Wienerberger
loading ...