Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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INNEN-DEKO RATION

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ludwig
kozha
kaminver-
kleiduno

erhalten, welchen das Blut allein nicht mehr hergibt.«
Die Kultur mit allen ihren Werken, Worten und Wer-
ten ist ein Rausch-Surrogat, am besten zu verglei-
chen den großen Kohlenfeldern, ohne die wir erfrieren
würden, die nichts sind als Niederschlag gewesener
Sonnenleben und abgeblühter Lenze, uns im wachen
Bewußtsein Lebenden nunmehr aber künstliche Wärme-
Quellen und künstliche Blutwärme zuführen, — ohne
welche das bis zu »abstrakter« Objektivität, bis zu logo-
mathischer »Maschinerie« erkaltete Bewußtseins-Wesen
in sich selber erstarren müßte! . . Theodor lessing.



Der gelbe Kaiser reiste nordwärts vom roten See, be-
stieg den Berg Kun-Lun und schaute gen Süden.
Auf der Heimfahrt verlor er seine Zauberperle. Er
sandte »Wissen« aus, sie zu suchen, aber er fand sie
nicht. Er sandte »Klarsicht« aus, aber sie fand sie nicht.
Er sandte »Redegewalt« aus, aber sie fand sie nicht.
Da sandte er »Absichtslos« aus, — und es fand die
Perle. »Seltsam fürwahr«, sprach der Kaiser, »daß Ab-
sichtslos sie zu finden vermocht hatl« . . tschuang-tse.

»SCHÖPFER UND WERK«

Wir haben einen neuen Blick bekommen für das
Wesen geistiger Innerlichkeit, für das Geheimnis
der »schöpferischen Persönlichkeit«. Wir empfinden
jede Einstellung zu einem objektiven Geistesbilde, die
von der Person des Schöpfers absieht, als lebens-
fremde »Abstraktion« und haben das Gefühl, daß dabei
Lebendiges von letztlich entscheidender Bedeutung
verloren geht, etwas, das allein den eigenartigen Auf-
bau solcher sachlicher Zusammenhänge von innen her
verständlich machen kann . . Es gibt für uns heute kein
»Ding an sich« mehr, kein »Objekt« losgelöst vom
»Subjekt«. Wir können keine Metaphysik des Rein-
Jenseitigen mehr ertragen, wir brauchen eine Philosophie,
die von vornherein die Subjekt-Objekt-Beziehung voraus-
setzt . . An dem lebendigen Hin und Her von Schöp-
fer und Werk, Ich und Gegenstand, Seele und Welt
hängt heute alles. Nur in der gegenseitigen Bezieh-
ung, bei der sich »Subjekt« und »Objekt« ebenbürtig
gegenüberstehen, vermögen wir eine letzte Verbundenheit
der großen Lebens-Gegensätze zu sehen, m artin thust.

1926. IX. 2
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