Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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VON FREUNDEN DES GARTENS

über einige berühmte gartenkünstler

Jn vergangenen Zeiten, als die Wissenschaften noch
bescheidene Dienerinnen der pomphaften Künste
waren, als große Herren noch großeTräume verwirklichen
konnten, da war das Luftschlösser-Bauen und das »Gar-
ten-Träumen« eine allgemeine beliebte Beschäftigung.
Die Marquis und die Barone auf dem Lande träumten
jahrzehntelang von »Heckengärten«, »Tulipangärten«,
von duftenden »Gewürzgärten«, von »Ornamentgärten«
und verwirklichten davon soviel sie nur vermochten . .



Den schönsten Garten-Traum des 1 7. Jahrhunderts
hat wohl der große Erneuerer der Wissenschaften, Lord
Bacon geträumt. Man lese, was er in seinen Essais, die
leider in Deutschland so wenig bekannt sind, davon be-
richtet und fühle den wundervollen Zauber seiner genia-
len Kunst. Lord Bacon träumt sich einen »Garten der
Düfte«. Er legt nur geringen Wert auf die starre Garten-
Architektur seiner Zeitgenossen, die die Natur knebelt
und peinigt, um sie ihrer Barockornamentik unterzuord-
nen. »Weil der Blütenduft in der Luft (wo er wie wir-
belnde Musik sich hebt und senkt) lieblicher ist als in
der Hand, so ist zum Behufe dieses Genusses nichts
besser, als diejenigen Blumen und Pflanzen kennen zu
lernen, welche die Luft mit den besten Wohlgerüchen
erfüllen«. Und nun wertet er die einzelnen Blumen und
Blüten auf ihren Wohlgeruch und rät sie richtig zu ver-
wenden. Dann heißt es u. anderem: »Von den Blüten,
welche die Luft am köstlichsten durchduften, wiewohl
man nicht an ihnen vorübergeht, sondern sie mit Füßen

tritt und zerknickt, gibt es drei: sie heißen Pimpinelle,
Quendel und Wassermünze; deswegen muß man ganze
Alleen davon ziehen, will man sich beim Gehen oder
Spazieren ihren Genuß verschaffen.« Des weiteren zeigt
er, daß man bei einer guten Garten-Anlage alle Reize,
die die Natur so verschwenderisch gibt, sich nutzbar
machen soll: Anger, Wiesen, Haide und Gesträuche.
Strengen Stil in der Garten-Gestaltung und Orna-
mentik liebt er nur in der Nähe des Schlosses oder des
Hauses, im Bereiche der unmittelbaren menschlichen
Berührung; die weitere Umgebung der Anlage muß sich
lieblich in dem Charakter der Landschaft auflösen . .

*

Der größte Gartenträumer Frankreichs ist wohl Le-
nötre, der »Erz-Heckenschneider« des Sonnenkönigs.
Er verwirklichte das, was man besser Garten-Architek-
tur als Garten-Kunst nennt. Er sah in der Anlage von
Gärten eine rein architektonisch-künstlerische Aufgabe.

*

Der größte Gartenträumer Deutschlands war der Fürst
Pückler-Muskau, Er fußt im Grunde auf der eng-
lischen Landschaftsgärtnerei. Sein Ideal ist nicht die
Bezwingung der Vegetation, sondern die Entfaltung aller
in ihr liegenden Möglichkeiten zu höchster Schönheit
durch Zusammenfassung des natürlichen Vorhandenen.

Will man die hier charakterisierten großen Garten-
Träumer gegeneinander stellen, so kann man sagen:
Bacon träumt für sich, Lenötre für seinen König,
Pückler aber für eine glückliche Menschheit! . m.haag.

schnackenberg & siebold —hamburg. gartenhaus im park e.~ ahrensburg
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