Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

Seite: 62
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MAX WIEDBR-
ANDRRS. HI.ICK
IN DHN BIBLIO-
TH8K-RAUM

aber das was wir beschaffen, gewissenhaft auf Form,
Material und Ausführung prüfen. Der Begriff des ,,Fami-
lienstückes" wird erneut zu Ehren kommen. Der Sinn
für Wert und Qualität wird sich in dem Maße steigern,
als die Ablehnung unwertigen, äußerlichen Zierats durch
die Umgestaltung unserer Lebensauffassung uns selbst-
verständlicher erscheint. Die gute handwerkliche Arbeit,
zu der die Sorge um die Lebensdauer neuer Anschaffungen
hindrängen muß, wird mithelfen, dem künftigen, schmuck-
loseren deutschen Hause auch bei einfachster Material-
wahl ein werthaftes Wesen zu verleihen. Freundlich-
keit und Gediegenheit wird, so dürfen wir erwarten,
mehr als bei dem Bauwerk vergangener Jahrzehnte den
Charakter des neuen deutschen Hauses ausmachen . . e.

VON GUTER ARCHITEKTUR

Architektur ist, indem sie ein sehr Zweckvolles und
/~v zugleich ein sehr Ästhetisches ist, auch ein sehr
Moralisches. Ein Moralisches, weil sie ein Öffentliches
ist, sie ist die öffentliche Kunst. In jeder anderen Kunst
sind Werke denkbar, die nur für den Schöpfer und einzig
im Augenblicke der Schöpfung leben und die der Schöpfer
sogleich nach dem Entstehen vernichten kann. In der
Architektur kann der Schöpfer nicht im Geheimen
arbeiten, er übernimmt mit dem Schritte in die Öffent-
lichkeit Verantwortungen gegenüber der Allgemeinheit.
Das Moralische eignet ihr schon in der Form der Statik.
Die Mauer darf nicht umfallen, das Gewölbe nicht ein-
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