Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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INNEN-DEKORATION

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DAS SUCHEN NACH FORM

Zwischen dem Reiche der »Technik« und dem des
rein »Schönen«, in der Mitte von »Zweck« und
»Ausdruck«, Retorte und Schmuck, sind die meisten
Dinge der Werkkunst zuhause. Objektive Erforder-
nisse walten über ihnen, aber auch die Seele will sie mit
sich erfüllen. Möbel.Tücher,Vasen, Kannen, aus vielerlei
Materialien gebildet: ihre Form entquillt verschiedenen
Gründen, und selten mag es so schwierig wie heute ge-
wesen sein, die »rechte« in ihnen zu finden. Enthaltsam-
keit von jeder künstlerischen »Zutat« soll ihnen die Be-
ziehung zu unserem Leben zurückgewinnen. Doch ist
der Rückgang zur puren Sachlichkeit schon ihre Rettung,
ist Meidung erlogener Zutat mehr als das ehrliche Ein-
geständnis dessen, was fehlt? . Zwei typische Nöte, denen
die neuen Künstler-Asketen immer wieder verfallen,
lehren deutlich, daß der Gestaltung jener Zwischendinge
zum Teil die reale Gesamtsituation selber Widerstand
leistet. Einmal führt die Besinnung auf die schlichten
Grundformen zu einer Art von Substraktions-Verfahren:
man zieht von den Stücken einfach die sogenannten
Ornamente ab und erklärt den kärglichen Rest zur Form
schlechthin. Indessen durch bloße Negation wird das
Positive noch längst nicht erlangt. Zum andern kehrt
man zur »Form« nur zurück, um die Form selber sogleich
wieder »ornamental aufzutreiben«. Man deckt ihre Blößen
nicht zu, sorgt aber, indem man sie zackt und windet,
hinreichend dafür, daß sie sich eine Blöße nicht gibt.
Wodurch die eigentlich doch angestrebte Offenbarung
ihrer Reinheit voreilig verhindert wird. dr. s. kracauer.

ARCHITEKT O.A. HUFSCHM1D - GENF. BANK IM WARTEZIMMER DR. ST.—OENF

kommene Selbst-Vergessen, das eine Wald-Wanderung,
eine Woche Berg-Einsamkeit ihm schenken, als ein Unter-
tauchen in das erfrischende Bad empfinden. Und wer
sein Ich in längerem Natur-Umgang zum Schweigen ge-
bracht hat, der wird das Wunderbare einer belebten Er-
örterung, das bildende, feilende, modelnde Vielerlei
städtischer Eindrücke als eine unvergleichliche Wohltat
begrüßen . . Die fehlerhaften Typen, die Dilletanten sind
auf der einen Seite diejenigen, die nur im Austausch mit
Menschen und zwischen lärmenden Mauern zu leben glau-
ben, — und zweitens diejenigen, die die Kultur-Flucht zu
einem Dogma, einer Lebensnorm machen. Heinrich ritter.

DREI WEGE ZUM GLÜCK

Ich konnte nie mehr als drei Wege, glücklicher
(nicht glücklich) zu werden, auskundschaften. Der
erste, der in die Höhe geht, ist: soweit über das Ge-
wölke des Lebens hinauszudringen, daß man die ganze
äußere Welt mit ihren Wolf gruben, Beinhäusern und
Gewitterableitern von weitem unter seinen Füßen nur
wie ein eingeschrumpftes Kindergäitchen liegen sieht. .
Der zweite ist: gerade herabzufallen ins Gärtchen und
da sich so einheimisch in eine Furche einzunisten, daß,
wenn man aus seinem warmen Lerchennest heraussieht,
man ebenfalls keine Wolf gruben, Beinhäuser und Stangen,
sondern nur Ähren erblickt, deren jede für den Nest-
vogel ein Baum und ein Sonnen- und Regenschirm ist. .
Der dritte Weg endlich, — den ich für den schwersten
und klügsten halte — ist der: mit den beiden andern

zu Wechseln. jean paul, (aus wilh. praengers »deutscher humorO.
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