Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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INNEN-DEKO RATION

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ARCHITEKT THEODOR MERRILL-KÖLN HAUSEINGANG AM HAUS SCH. IN KÖLN

DAS WERDEN DES WOHNHAUSES

VON ARCHITEKT THEODOR MERRILL-KÖLN

Handelt es sich darum, über das Zustandekommen mann bin, — aber das werden Sie schon leicht lösen
eines Wohnhauses zu sprechen, so tut es not, eines- können!« Diese »Arbeit« des Bauherrn, so amüsant sie
teils auf die Irrtümer hinzuweisen, an denen diekünst- auch für ihn gewesen sein mag, ist nur erschwerend für
lerische Gestaltung des Hauses oft scheitert, anderenteils den Architekten. Die Skizzen, in den meisten Fällen nur
zu beschreiben, wie die günstigsten Umstände zweidimensional gedacht, geben ihm keinerlei Anreg-
geschaffen werden können, die nicht nur das Bauwerk ungen, — Anregungen, wie sie etwa eine Stunde inten-
fördern, sondern sogar zur Durchführung eines harmo- siver und offenherziger Unterhaltung über die Lebens-
nischen Baugedankens unbedingt notwendig sind.. Ganz gewohnheiten des Bauherrn bieten können. Denn Ver-
allein auf sich und sein Können ist der Architekt nicht trauen, in menschlicherund künstlerischer Hinsicht, ist
angewiesen wie ein anderer Künstler. Mehr als ein anderer hier erstes Erfordernis. Daher sollte sich der Bauherr vor-
hängt er von dem Auftraggeber ab I Auch sein Werk, zumal her gut überlegen, w e n er zu seinem Architekten wählt,
das Wohnhaus, ist nicht restlos seine eigene Schöpfung, Hat er ihm dann ein klares Bild seines Lebensstils gegeben,
und entgegen der verbreiteten Ansicht, der Architekt so soll er ihm auch ehrlich sagen, wieviel Geld ihm zum
baue am liebsten, wenn der Bauherr sich möglichst wenig Bauen zur Verfügung steht. Leider begegnen die meisten
um das Haus kümmere, möchte ich die Anschauung be- Bauherrenihren ArchitektenzuerstmitMißtrauen. Sie ver-
tonen, daß nur durch gemeinsame Arbeit von Bauherr schweigen, wieviel Geld zur Verfügung steht und kommen
und Architektdas vollkommeneWohnhausentstehenkann. mit einem großen Raumprogramm heran. Nachdem dieses
Worauf erstreckt sich nun die Mitarbeit des Bau- geklärt und durchgearbeitet ist, stellt sich an Handderum-
herrn? Vor allem soll er, bevor er zum Architekten geht, bauten Kubikmeter dann heraus, daß der Bau weit über
sein Bauprogramm gründlich durchdenken, — aber die Verhältnisse des Bauherrn geht, die Arbeit also von
beileibe nicht »durchzeichnen« 1 — Nur zu oft beginnen Grund auf neu angefangen werden muß. Eigentlich gibt
die Verhandlungen über ein neues Haus derart, daß der es für diese Frage beim Beginn der Unterhandlung nur
Bauherr zu seinem Architekten mit einigen von ihm selbst zwei Ausgangspunkte: entweder soll der Bauherr sagen:
verfaßten »Skizzen« kommt und der frohen Mitteilung: »Hier ist mein Programm, diese Räume benötige ich und
»Hier habe ich Ihnen die Hälfte der Arbeit schon ab- in diesem Stil wünsche ich mein Haus zu führen; wieviel
genommen, ich bin zwar kein Architekt, aber ich weiß kostet ein Haus in dieser Größe und Ausführung?«, oder
ganz genau, was ich haben will; allerdings die Treppe aber: »Ich bin in der Lage, soviel auszugeben, in welcher
konnte ich nicht hineinkonstruieren, da ich ja kein Fach- Art kann ich mein Haus mit dieser Summe errichten?«

was. v. 8.
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