Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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INNEN-DEKORATION

VON DER KÜCHE

VON KUNO GRAF VON HARDENBERG

Es gibt ein gutes Wort, das der berühmte Monsieur
Duval, der Begründer des bekannten Pariser Bouil-
lons, geprägt haben soll: »Eine Küche soll das heitere
Atelier von Künstlern sein, aber nicht der finstere Tanz-
platz der Hexen« .. An Duvals Worten ist etwas Wahres,
wenn ich auch nicht leugnen kann, daß ich vorzügliche
Diners gegessen habe, die von ausgemachten Teufeln und
Drachen zubereitet waren: Kochen ist eine Kunst, die
gepflegt und in ästhetischer Umgebung ausgeübt werden
will. Unästhetische Provenienz läßt sich nicht verschlei-
ern , man merkt es jeder Speise an, woher sie kommt,
spürt ihr Entstehen in einem dunklen, luftlosen, beschränk-
ten Winkel, spürt schwarzgebrannte, schlecht gespülte
Töpfe, wittert schmierige Spüllappen: nein, an Orten,
wo der Duft der Fette nie rein emporsteigen kann, wo
widerwillige Hände unfroh arbeiten, wo keine Freude
und Liebe zum Kochen herrscht, kann kein rechtes
Essen, kann keine Speise von Rang geboren werden 1 . .

*

Der Mensch ist, was er ißt, — an ihren Küchen sollt
Ihr sie erkennen! . Wer sich ein eigenes Heim gründet,
sorge vor allem, daß die Küche in ihrer Art vollkommen
sei, daß sie und ihre Nebenräume alle technischen und
hygienischen Errungenschaften mit denkbar größter Ein-

fachheit und Bequemlichkeit vereinen. Es ist das garnicht
so leicht zu erreichen, und die Architekten, die wirklich
eine Küche mit allen erforderlichen Nebengelassen muster-
gültig einrichten können, sind selten. Und doch kommt
der Küche, als dem Magen des Hauses und der Spen-
derin hochwichtiger vitaler Kräfte, eine ganz besondere
Bedeutung zu: Küchen können die Ursachen von Tragö-
dien sein, wie sie die Quellen urmenschlichsten Glückes
und Friedens, traulichster Behaglichkeit sein können . .



Ein philosophischer Schalk der neueren Zeit hat die
köstliche Sentenz geprägt: »Ebenso unfehlbar wie sich
Seele und Geist auseinander reden, so unfehlbar kochen
sie sich wieder zusammen, wenn die Vorsehung ihnen
gnädig ist« 1 Es ist dieser Satz eigentlich nur eine bi-
zarre Variante der alten Weisheit, daß »Liebe durch
den Magen geht«, — eine menschliche Erkenntnis, wo-
rüber sich ja auch die meisten Frauen völlig klar sind.

Im Altertum war der Herd in Anbetracht seiner bin-
denden, Liebe und Gemeinsamkeit fördernden Kräfte
heilig, — Götterbilder zierten ihn, — das war sicherlich
kein Nachteil: es zwang zu würdig kultischem Benehmen
beim Kochen, zu guter Haltung und Sauberkeit, stärkte

wohl auch die Erfindungs-Gabe. (FORTSETZUNG FOLGT). K.G.V.H.
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