Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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XXXVI. JAHRGANG.

DARMSTADT.

JULI 1925.

HAUSBAU IN BRASILIEN

VON BARRY PARKER, F.R.I.B.A, M.T.P.I.

Sab Paulo, in einem hochgelegenen Gebirgstal
Brasiliens gelegen, ursprünglich eine befestigte
portugiesische Kloster-Anlage, war im Jahre 1886
noch eine Stadt von 47000 Einwohnern. Heute zählt
es annnähernd 500000 Einwohner, unter rapide zu-
nehmender Ausdehnung.. Als ich den Ruf erhielt,
Vorschläge und Pläne für den Gelände-Ausbau im
Tal von »Pacaembü«und von »Jard im America«
im Westen von Sao Paulo auszuarbeiten, dachte
ich an einen Aufenthalt von sechs Wochen. Es wur-
den zwei Jahre daraus!. In meinem Bericht über
»Pacaembü« an die Stadtverwaltung legte ich die
Notwendigkeit neuer städtebaulicher Verordnun-
gen hinsichtlich der Straßenführungen dar, darauf
wandte ich mich dem Baugelände » Jardim America«
zu und begann mit der Planung einer Anzahl von
Wohngebäuden.. Man macht sich nur schwer einen
Begriff davon, welche Anforderungen die prakti-
sche Durchführung einer solchen Bau-Auf gäbe in
einem fremden Land stellt. Die Lebensgewohnhei-
ten, Bau und Einrichtung des Hauses des Brasi-
lianers sind sehr verschieden von den unseren. In
Brasilien findet fast nur Hartholz Verwendung, die
Bau-Art des Daches, der Fußböden, die Größe der
Ziegel, die Kalkulations-Art, die Arbeits-Eintei-

lung sind verschieden. Unter den Räumen ist z. B.
die »copa« zu nennen, für die es keinen entspre-
chenden Raum in unserem Wohnhause gibt, sie ver-
einigt die Funktionen einer Anrichte, einer Speise-
Kammer, eines Spülraums. Die »dispensa« ist mehr
als eine Speisekammer, sie ist ein Lagerraum für
Lebensmittel. Was wir in der Speisekammer auf-
bewahren, kommt in Brasilien in den Eisschrank
und dieser steht gewöhnlich in der »copa«. . Das
einstöckige Haus ist in Brasilien Regel; in der älteren
brasilianischen Baukunst sindsowohl Einflüsse einer
guten portugiesischen Tradition wie auch reizvolle
Beispiele italienischer Renaissance zu vermerken.
Da Sao Paulo südlich vom Äquator liegt, so ist die
kühle Seite des Hauses die Südseite. Die italien-
ische Methode, kühle Räume im Haus zu erzielen,
besteht darin, die Sonne möglichst fern zu halten;
sie teilt den Raum in zwei Teile, deren einer Teil
die Loggia wird. Die portugiesische Bauweise hin-
gegen gestaltet den Raum so luftig wie möglich, die
Wände werden auf ein Minimum reduziert, die Fen-
ster so zahlreich und groß als möglich angelegt,
sodaß bei offenen Fenstern praktisch jeder Raum
eine Loggia ist. Dadurch wird das umständliche
Hin- und Hertragen der Möbel oder die Notwen-

lsas. vu. l.
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