Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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INNEN-DEKORATION

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DIE ERFÜLLUNG DER AUFGABE

ZU ARBEITEN VON FEFBER'd APPEL-MÜNCHEN

Auf dem Gebiet der Kleidung hat der klug wählende
£\. und die »zeitgemäße« Form erspürende Machtwille
der Modeschöpfer erreicht, daß die zivilisierte Mensch-
heit heute sich einer, wenigstens zeitweilig, verhältnis-
mäßig »einheitlichen«, — wenn auch ständig sich wan-
delnden — »Stilrichtung« anbequemt. . Der Archi-
tekt und Inneneinrichter hat heute noch keine solche
Machtstellung errungen. Auf dem Gebiet der Wohnungs-
Einrichtung prägen sich noch die verschiedensten Stil-
richtungen und Einstellungen des Auftraggebers — wie
auch des Architekten — aus . . Hier tritt es zutage, daß
mittelalterliche und ganz neuzeitliche Menschentypen,
— dies ohne jedes Werturteil gesprochen, — unter uns
wohnen, Menschen, die je nachdem schummerig-dunkle
oder mit Farben gesättigte, oder hinwieder ganz helle,
luftige Räume benötigen und als wohnlich bezeichnen;
Menschen, die das ganz Schlichte suchen, andere, die
sich nicht mit der neuzeitlichen Richtung befreunden
können, sondern in ihren Wohnungen sich mit »Stil-
foTmen« zu umgeben wünschen, weil eben diesen die
akkreditierte Atmosphäre der »Vornehmheit« anhafte.

*

Der Architekt steht im allgemeinen vor der Auf-
gabe, solchen verschieden - gerichteten Besteller-Wün-
schen jeweils die beste Form zu geben. Solange unter
den Baukünstlern selbst kein einheitlicher Kollektiv-

wille und kein gültiger neuzeitlicher »Ideal-Typus«
vorherrscht, — solange auch neuzeitliche Aibeiten
nicht zugleich die allerhöchste Eleganz der Erschei-
nung in repräsentativen sowohl wie in schlichten
Raumgestaltungen erreichen, solange werden auch die
älteren Stilformen immer noch sich behaupten können.

Wenn nun ein tüchtiger Architekt solche Aufgaben,
die eine Anpassung an Stilformen fordern, mit künst-
lerischem Ernst zu lösen sich bemüht, so wird sich immer
zeigen, daß kein sklavisches Kopieren von Vorbildern
stattfindet, sondern, indem solche Räume für Menschen
unserer Zeit gestaltet werden, vollzieht sich der Prozeß
einer allmählichen Überleitung und Verschmelzung
der Stilformen mit der neuzeitlichen Formenwelt. Auch
diese Arbeit muß notwendigerweise vollzogen werden!
Auch in früheren Jahrhunderten haben in erster Linie
deutsche Kunsthandwerker — wir erinnetn an Namen
wie Boulle, Jakob, Riesener, Röntgen u. a. — in der
Abwandlung der Stilformen befruchtend gewirkt . .

Die hier abgebildeten Arbeiten der Architekten
Ferber & Appel-München, — eine kleine Auswahl
aus einer mit großer Sorgfalt durchgeführten Bau-Auf-
gabe, — führen einen vornehm schlichten Innen-Ausbau
vor, in dem sich solchermaßen Neues und Altes, dem
Besteller-Willen gemäß, harmonisch verbindet. . . h. l.

1S26. XII. 1.
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