Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 31.1932

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PH. O. RUNGE, BILDNIS

AUS DER VERSTEIGERUNG BEI HOLLSTEIN £ PUPPEL,
BERLIN AM 26. FEBRUAR

Die neue Schlichtheit im Kunsthandel

Jener Dienst am Kunden, den man zugleich mit dem Glauben an die ansteigende
Prosperity-Welle aus Amerika übernommen hatte, stellte nicht geringe Anforderungen
an die Einfühlung des Verkäufers, aber auch letzthin an die Zahlungsfähigkeit des um-
worbenen Kunden. In dem Maße nun, wie diese schwindet, besinnt sich auch der Kunst-
handel auf die schlichteren Möglichkeiten, Kunst vorzuführen. Seit der vorläufig letzten
Inflation schien der Kunsthandel des Tiergartenviertels mitunter dem Ausstattungsstil
der benachbarten Modepaläste nachzueifern. Dem entsprachen die Preise, die der Käufer
für „erste Originale", aber manchmal auch für Modellkopien mit Original - Expertisen
anzulegen hatte. Der geschwollene Unkosten-Etat der Auktionshäuser (auch abgesehen
von den Steuern) hatte Provisionsforderungen zur Folge, die zum Beispiel weit über den
englischen stehen. Kataloge mittlerer Versteigerungen erschienen im Format einstmaliger
Prachtbände. Nicht unbezweifelte Verkaufszettel wurden von der luxuriösen Anmut der
sie Darreichenden stabilisiert. Die rückläufige Bewegung, die die dem ernsten Kunsthandel
gemäßen Aufgaben und Methoden zurückbringt, ist seit vorigem Jahr sehr spürbar. Man
müchre wünschen, daß bessere Wirtschaftsbedingungen ihr Halt gebieten, denn die Gefahr
einer Stagnation wird in dem Augenblick sichtbar, in dem die Vorteile einer strafferen

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