Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 31.1932

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„Ihre Energie ist mir im Augenblick etwas ängstlich, da Sie sich mit dem bekannten Elan
des Gesunden auf mich armen Kranken stürzen."

SIevogts Fresko in Ludwigshafen

von HANS PURRMANN

Man kennt die Einstellung der Impressionisten zu dem, was man gemein-
hin Geschmack nennt. Slevogt machte keine Ausnahme, er hatte eine
ausgesprochene Verachtung für dergleichen, sein Atelier war so unfreund-
lich, daß man beim Eintreten unwillkürlich den Rockkragen hochstellte.
Die Rahmen seiner Bilder waren nicht sorgfältiger gewählt, als die der
übrigen Impressionisten. Sie offenbaren eine Geschmacklosigkeit, die uns
in Ausstellungen besonders peinlich auffällt. Renoir und Monet haben ein
ähnliches Beispiel in ihren Gärten gegeben. Dort war absichtlich jede
Art von gärtnerischer Ordnung vernachlässigt. Unkraut im Durcheinander
mit edlen Pflanzen brachte eine liebliche Farbenpracht hervor, die dann
im Bilde erst wieder zu einer künstlerischen Ordnung und Harmonie
wurde. Erst als man die viel mehr auf Aufbau und Ordnung bedachten
Bilder Cezannes kennenlernte, fühlte man eine Mißstimmung gegen schlechte
Rahmung, die man in der Folge dann durch die Wahl kostbarer Rahmen
aus zurückliegenden Epochen zu überwinden suchte.
Manet wetterte wohl gelegentlich gegen Kunstliebhaber, die Möbel ver-
schiedener Stile in ein und demselben Raum vereinigten. Aber Manet wird
wohl genau so geschmacklos gewohnt haben wie Renoir, dessen vergol-
deten Stühle und Plüschmöbel auf seinen Bildern zu sehen sind. Abgesehen

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