Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 31.1932

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MAX SLEVOGT WÄHREND SEINER REISE IN ÄGYPTEN 1914

NACK EINER VON EDUARD FUCHS GEMACHTEN PHOTOGRAPHIE

Emil Orlik t

Der Tod Orliks kam unerwartet. Denn der Künstler war immer von einer so regen Leben-
digkeit und heiteren Unverwüstlichkeir, daß der Gedanke an den Tod in seiner Gegen-
wart nicht aufkam. Sein Leben hatte den schnellen Puls. Daraus entsprang eine natürliche
Heiterkeit des Gemüts; und diese hat ihn in weiten Kreisen beliebt gemacht. Um so
mehr, als er die Gabe hatte und eifrig pflegte, sich beliebt zu machen. Orlik hat viel-
leicht am sichtbarsten die deutsche Kunst in Berlin gesellschaftlich repräsentiert. Er war
so sehr in allen Kreisen der Gesellschaft heimisch, daß die heitersten Glossen darüber
kursierten; er war überall dabei, es gab nicht nur immer Leute, die ihn bei jeder be-
rühmten Premiere in Theater und Konzert oder auch auf mehreren Künstlerbällen an
einem Abend nacheinander gesehen, sondern auch Reisende, die ihn in Japan, Ägypten
oder Südfrankreich getrofFen hatten. Die Berichterstatter vom Presseball und von andern
Veranstaltungen schrieben in der Präsenzliste seinen Namen ohne weiteres hin, auch
wenn er gar nicht anwesend war. Dieses Hans-Dampf-Leben war ihm natürlich. Er ver-
folgte damit nicht ehrgeizige Pläne; es war ihm Selbstzweck, in der Gesellschaft ge-
sehen zu werden und mit berühmten Leuten jeder Art in Verbindung zu sein. Er ordnete
es sich unter, sprach aber fortgesetzt von sich selbst. Und genau so war er als Künsiler,
als Maler, Zeichner und Graphiker. Überall war er zu Hause, er war ungemein tüchtig und
geschickt, konnte eigentlich alles, was er angrifF, verdarb nichts und war ein so vorzüg-
licher Lehrer, sowohl in der angewandten Graphik wie in der freien Kunst, daß einige
der besten jüngeren Künstler ihm viel verdanken und sich freudig zu ihm bekennen. Orlik
trug stets ein Skizzenbuch bei sich und zeichnete unaufhörlich, und es geriet eigentlich

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