Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 31.1932

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ALFRED MAHLAU, SCHÄRENLANDSCHAFT

WANDMALEREI IM HAUSE DER NORDISCHEN GESELLSCHAFT, LÜBECK

Wertsteigerung von Kunstwerken

von MUSSIA EISENSTADT

Daß der Müller Getreide mahlt und der Maler Bilder malt, daß, wer zu-
erst gekommen ist, auch zuerst mahlen darf, ist ein uralter Orthographie-
scherz der untersten Schulklassen, der dazu dienen kann, einfachste aber
oft übersehene wirtschaftliche Erkenntnisse zu illustrieren: Kunst — gerade
die bildende Kunst, die gehandelt und von Privaten gesammelt wird und
von der hier ausschließlich die Rede sein soll — ist kein Gegenstand des
täglichen Bedarfs, vielmehr ist ihr Erwerb ein Luxus geistiger Art, den ein
kunstliebender Staat durch steuerliche Erleichterungen und andere Maß-
nahmen fördern, nicht aber durch Extraabgaben inhibieren sollte.
Luxusbesteuerung, selten ertragreich, ist stets populär, da sie dem natür-
lichen Gerechtigkeitssinn entspricht. Die Not der bildenden Künstler ist
schlimmer denn je. Gemälde oder Skulpturen junger Künstler können
billig erworben werden, um dann, in besseren Zeiten, dem Erwerber,
spekulativen Händler oder reichen Bürger, aber nicht dem „Urheber", ein
Vielfaches des ursprünglich bezahlten Preises einzubringen. Benachteiligt
gegenüber anderen geistigen Arbeitern, etwa dem Schriftsteller oder Kompo-

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