Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 31.1932

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Vorentwurf zu einem neuen Kunstausstellungsbau in München

von HANS ECKSTEIN

Das bayrische Kultusministerium hat Adolf Abel, den Nachfolger Theodor Fischers an
der Münchner Technischen Hochschule, mit der Ausarbeitung eines Vorentwurfs des Er-
satzbaus für den zerstörten Glaspalast beauftragt. Abel war an die vom Kultusministerium
aller besseren Einsicht zum Trotz restlos anerkannten Forderungen der Künstlerschaft ge-
bunden: seine Aufgabe war also, einen Neubau zu projektieren, der auch für die Zu-
kunft die — als Repräsentation der Künstlerschaft sinnlos und als wirtschaftliches Unter-
nehmen unrentabel gewordenen — Massenaufmärsche von Kunstwerken ermöglicht.
Grund- und Behangfläche des projektierten Neubaus entsprechen ungefähr den Maßver-
hältnissen des alten Glaspalasts. Die Baukosten sind auf nahezu vier Millionen Mark
veranschlagt. Abels Vorschlag einer doppelten Verwendung des Kernbaus als Ausstellungs-
und Konzerthalle läßt jedoch die Möglichkeit einer späteren Neuorganisation des Münchner
Ausstellungswesens offen.

Der Neubau ist der gegebenen Situation in städtebaulicher Hinsicht taktvoll eingeordner,
worüber die Modellansicht näheren Aufschluß gibt. In der äußeren Erscheinung des
Eisenbetonbaus befriedigen die seitlichen hohen, schmalen Fensterreihen nicht sehr: sie
monumentalisieren den sonst in schlichten, sachlichen Formen gehaltenen Bau wenig
überzeugend. Vorzüglich ist die Lösung der ausstellungstechnischen Fragen. Eine bei
Tag und künstlicher Beleuchtung etwa gleichwertige Belichtung gewährleistet ein innerer
Glaskörper aus lichtzerstreuendem Prismenglas, der in der Höhe der Bildwand (5 m) an-
setzt. Dem Bedürfnis nach auswechselbaren Einbauten und freier, beweglicher Raum-
gestaltung dient ein System von Steckdosen zur Aufstellung von Wänden in recht-
winkliger und diagonaler Richtung. Es lassen sich also im durchgehenden Hallenbau
Unterabteilungen mit belieber Betonung des Zusammengehörenden oder Getrennten
schaffen: eine Möglichkeit, an deren Mangel unsere Museen fast durchweg leiden.

Manets Arbeitsweise

Oberflächlichen Betrachtern erscheinen die Bilder Manets skizzenhaft, sie scheinen ihnen
schnell und leicht auf die Leinwand geworfen zu sein. In Wahrheit sind den endgültigen
Resultaten viele Zustände auf denselben Leinwänden vorangegangen, die der Künstler
immer wieder mit Mallappen oder Messer entfernt hat. Dafür gibt es zahlreiche Zeug-
nisse. Im Jahre 1873 saß der Kupferstecher Bellot sechzigmal für den „Bon Bock". Berthe
Morizot erzählt, wie viele Etappen das reizvolle Bildnis der Eva Gonzalüs vor der
Staffelei durchmachen mußte. In diesem Fall scheint Manets Gewissenhaftigkeit sogar
Berthe Morizot, die sie sonst bewundernd hervorhebt, ein wenig geärgert zu haben. Sie
schreibt: „Manet predigt mir Moral und empfiehlt mir das ewige Fräulein Gonzales zur
Nachahmung. Inzwischen fängt er ihr Porträt zum fünfundzwanzigsten Male an. Sie
sitzt ihm täglich, und abends wäscht er dann den Kopf mit grüner Seife ab ... . Er
hat jetzt die vierzigste Sitzung und das Bild ist wieder ganz abgewischt. Er selbst lacht
mehr darüber als die anderen".

Jacques-Emile Blanche erzählt, daß Manet den Hut auf dem Bildnis von Antonin Proust
zwanzigmal abgewischt und neu gemalt habe. Ebenso habe er es mit dem Hut der „Rei-
terin" gemacht. Weder Erfahrung noch Erfolg ändern etwas daran, ja nicht einmal die
Krankheit ... Im Jahre 1882 entstand das entzückende Bild „Jeanne", eine der frischesten

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