Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 31.1932

Page: 105
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Nur der geschlossene Wille der Künstlerschaft kann in der heutigen Not-
zeit die Schwierigkeiten und Widerstände überwinden, die sich der Ver-
wirklichung auch eines bescheidenen Bauvorhabens entgegenstellen. Der
Bau eines Ausstellungshauses aber — das sei mir erlaubt, im Widerspruch
zu der von Karl Scheffler hier vertretenen Meinung gerade an dieser
Stelle auszusprechen, — ist nachgerade zu einer' Lebensfrage geworden.
Die private Initiative des Kunsthandels vermag längst nicht mehr, den
billigen Ansprüchen zu genügen. Der Abbau des Ausstellungswesens voll-
zieht sich von selbst. Der Wille zum Aufbau sollte an einer einzigen
Stelle wenigstens mit Nachdruck betätigt werden, um dem Gefühl der
Verlassenheit im heutigen Staate zu begegnen, das die Künstlerschaft be-
fallen hat.

Man wird wie alle Zeiten so auch die unsrige in ferner Zukunft ein-
mal nach dem Maße ihres Beitrages zu den dauernden Gütern der Mensch-
heit beurteilen. Denn in diesem höheren Sinne ist Kunst allein in der
Tat wertbeständig. Weder die Helden des Boxkampfes und des Eishockeys
noch die Göttinnen des Films, für die sich die Menschen leichter be-
geistern, werden die verzweifelten Bemühungen der Verantwortlichen, die
Völker über die Wirtschaftskrise hinwegzusteuern, in den Augen der Nach-
welt rechtfertigen, wenn nicht die wahrhaft schöpferischen Kräfte in
dauernden Leistungen der Kunst der Epoche ihr Denkmal setzen.

Erinnerungen an die Erwerbung des Mannheimer Manetbildes
„Die Erschießung Kaiser Maximilians"

von KONRAD OTT

Die Presse hat den hundertjährigen Manet gewürdigt; und es gab kaum einen Aufsatz,
worin nicht auch die im Jahre 1868/69 entstandene endgültige Fassung der „Erschießung
Kaiser Maximilians" als Hauptwerk ehrenvolle Erwähnung gefunden hätte. Bekanntlich
hängt dieses an Umfang größte Werk Manets seit dem Jahre 1910 in der Mannheimer
Kunsthalle. Damals war es von Fritz Wiehert, dem jungen, zielbewußten Kunsthallen-
direktor, aus dem Kunsthandel: Bernheim jeune und Paul Cassirer erworben worden.
Der Kunstsinn gebefreudiger Stifter hatte dafür die Summe von 90000 Mark aufgebracht.
Stolz hätte die Mannheimer Bürger erfüllen müssen. Statt dessen befiel einen Teil von
ihnen der Abderitengeist, den bekanntlich schon Lessing zu spüren bekam, so daß er
der Stadt unwillig den Rücken kehrte. Ein Streit erhob sich im Schöße des städtischen
Rates und spaltete die Bürgerschaft in zwei feindliche Lager.

Erregte Debatten entzündeten sich in den Bürgerausschußsitzungen. Die sich daraus ent-
wickelnde Pressekampagne in Mannheim erfaßte schließlich auch die außenstehenden
Blätter. Das Für und Wider ließen eine Reihe von Broschüren entstehen, über deren
vergilbten Seiten nun Staub liegt. In ihnen zu blättern ist aber gerade heute amüsant.
So finden wir in einer Artikelreihe „Manet in Berlin" von Theodor Alt (April 1910)
folgendes: „Ich möchte wohl wissen, was Manets Bilder in hundert Jahren, nein, schon

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