Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 31.1932

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sein Atelier und seine Akademie. Julius Elias hat in diesen Blättern von ihm einmal
gesagt: „Er ist fröhlich in seiner Kunst, weiß, welche Erbschaft er höherorganisierten
Naturen zu danken hat und tritt hinter die starken Schöpfer mit schweigendem Verdienst
zurück. In der reichen Generation der Begabungen aber . . . wird er einst unter den
Tätigsten und Besten genannt werden." K. Sch.

Die Wilhelm-Busch-Jubiläumsausstellung in Hannover

von ROBERT DANGERS

Wilhelm Busch hat zu seinen Lebzeiten niemals Bilder oder Zeichnungen ausgestellt.
Die Nachlaßausstellung kurz nach seinem Tode blieb verhältnismäßig wirkungslos. Erst
jetzt, über zwanzig Jahre nach seinem Tode, hat die Wilhelm-Busch-Gesellschaft in Han-
nover eine große Jubiläumsausstellung veranlaßt. Es ist die erste Busch-Ausstellung, die
in chronologischer Folge eine Übersicht gibt. Damit dürfte das Werk des Künstlers end-
lich an den Ehrenplatz in der Kunst des neunzehnten Jahrhunderts versetzt werden,
der ihm zukommt.

Busch ist als Maler ein eigenwilliger Einzelgänger. Seine Entwicklung zeigt keine ganz
einfache und klare Linie. Er hat ständig nach neuen Form- und Farbwirkungen gesucht.
Als große Vorbilder galten ihm häufig die alten niederländischen Maler Brouwer, Hals,
Ostade usw. Aber in den Zeiten starker künstlerischer Eigenleistung spürt man es weni-
ger. Dann hat er mit seiner Malerei beachtenswerte Höhepunkte erreicht. So um 1875
im Porträt und im Stilleben. Besonders hervorzuheben das Bildnis seines Bruders Dr. Otto
Busch, sowie mehrere Jungensköpfe von lebendiger Frische und Leuchtkraft. Von den
Stilleben dieser Zeit ist wohl das Stück mit der goldenen Aschenschale am schönsten;
von ähnlicher hoher malerischer Kultur sind einige andere Stilleben: ein geschlachteter
Ochse, ein Schweinskopf und ein toter Hahn mit Beiwerk. Am Ende der achtziger Jahre,
um 1886/87 steigern sich die malerischen Leistungen zu einem sehr hellen und durch-
leuchteten Impressionismus. Eine ganz eigene Note gewinnen seine Ölbilder nochmals
um die Mitte der neunziger Jahre. Damals malte Busch in furioser und ornamentaler
Weise Landschaften mit kleinen roten Figuren. Auch diese Bilder nehmen spätere Pro-
bleme vorweg.

Aus dem Gesamtbestand von etwa fünfzehnhundert Handzeichnungen sind auf der Aus-
stellung 282 Blätter in chronologischer Folge ausgewählt. Diese Handzeichnungen haben
nichts mit Karikatur zu tun. Es sind rein formende Darstellungen des bildenden Künst-
lers. Besonders fallen die herrlichen Zeichnungen nach Blumen und Pflanzen auf. Dann
viele Blätter mit Bäumen, Kopfweiden und Eichen. Eichengruppen als Rohrfederzeich-
nungen erinnern an die Blätter der Meister der altdeutschen Donauschule. Unter den
schönen landschaftlichen Bleistift- und Rötelzeichnungen sind teilweise große, bildmäßige
Blätter. Gewisse Feder- und Pinselzeichnungen erinnern in der Qualität an Menzel oder
an alte Meister. Sogar einige Silhouetten und zwei Radierungen kommen vor. Von den
vorhandenen (etwa dreißig) Skizzenbüchern sind acht ausgelegt. Eine Vitrine zeigt sechs
kleine Plastiken von Busch, darunter besonders schmissig und glänzend gearbeitet eine
kleine Tonplastik „Kellermeister und Teufel".

So ahnt man erst, welche Fülle von Formbesitz dem genialen Zeichner zu Gebote
stand, wenn er seine Bildergeschichten in die Welt schickte. Er hat sie stets zeichne-

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