Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 31.1932

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Eine ganz neue Aufgabe ist dem Ministerium mit der Verwaltung der Staatlichen Schlös-
ser und Gärten zugefallen. Diese Aufgabe ist über „Verwaltung" und Erhaltung weit
hinausgeführt worden. Die Schlösser sind in ihren alten historischen Stand mit genauester
wissenschaftlicher Kenntnis, mit Takt und Geschmack wiederhergestellt worden; jedes
einzelne Schloß ist ein Schloßmuseum geworden und jeder Garten in einer neuen Weise
ein Volksbesitz. Ohne Übertreibung darf das Geleistete als vorbildlich bezeichnet
werden.

Die Verwaltung und künstlerische Förderung der Staatlichen Theater war eine schwere
Aufgabe; das Erbe konnte als Last empfunden werden. Sieht man von Meinungen über
Einzelnes ab, so muß gesagt werden, daß auch auf diesem Gebiet mit Lebendigkeit —
wenn man die bureaukratischen Hemmungen und das Gewicht der öffentlichen Meinung
bedenkt — gearbeitet worden ist. Zuweilen wirkte das Ministerium wie ein den Ehrgeiz
der Leistung suchender Theaterdirektor, wie eine Persönlichkeit. Ünd es ist — nach
Lagarde — das Höchste: wenn eine Institution wirkt, als sei sie ein Individuum.
Mit dem Film, dem Rundfunk ist das Ministerium, in Anbetracht der Schwierigkeit, so
neue Gebiete zu beherrschen, nicht übel fertig geworden. Neu entstanden ist eine Hoch-
schule für Leibesübungen. Was das Ministerium endlich für die Volksbildung, für die
Universitäten, für Wissenschaft und Technik getan, und wie es sich mit der Kirche aus-
einandergesetzt hat, gehört nicht in diesen Zusammenhang. Es ist aber alles aus dem-
selben Geist: aus einem Geist, dessen Entscheidungen man im einzelnen scharf bekämpfen
mag, der in seiner Gesamteinstellung aber gestaltend und aufbauend genannt werden
muß. Aus alledem geht hervor — und nur dieses sollte gezeigt werden -, daß die poli-
tischen Reformpläne von einer unkünstlerischen, ja ungeistigen Gesinnung getragen wer-
den und darum einen Versuch am ganz und gar untauglichen Objekt darstellen. Das
Künstlerische und sein Daseinsrecht läßt sich nicht beweisen, läßt sich nicht bureaukratisch
fassen uud vor allem kunstfremden Geistern nicht demonstrieren. Das Unbeweisbare aber
ist gemeinhin das Wichtigste, es ist das Grundlegende.

Wesentliche Bücher

Das Jahr des Gärtners von Karel Capek, mit 61 Zeichnungen von Josef Capek.
Bruno Cassirer Verlag, Berlin.

Zwei Brüder haben sich vereinigt, Karel, der Schriftsteller, und Josef, der Zeichner. Die
Wirkung ist jedoch, als wären Text und Illustrationen von derselben Hand. Es ist
selten, daß sich Brüder so einheitlich ergänzen. Der Text ist, bei aller graziösen Selbst-
verulkung, reich an positiven Kenntnissen; er verrät die echte Gärtnerpassion eines
Liebhabers, er gibt lächelnd, ironisierend Belehrung und strahlt innere Wärme aus. Der
Zeichner ist ein harmloserer Nachfolger von Wilhelm Busch; er steht seiner Art nach
etwa in der Mitte zwischen Busch und Adamson. Das im besten Sinne erheiternde
Buch ist ungewöhnlich gut aus dem Tschechischen übersetzt. Auch eine holländische und
englische Ausgabe liegt schon vor. Diese internationale Wirkung eines humoristischen
Buches ist teilweise zwar dem Stoff zuzuschreiben, denn der Gärtner aus Liebhaberei
ist eine europäische Erscheinung; entscheidend ist aber schließlich das Talent der Brüder
Capek. Der Stoff war ein Fund; die Art seiner Behandlung aber ist so, daß jeder Garten-
freund sich selbst schmunzelnd und zuweilen laut lachend in Capeks Amateurgärtner
wiedererkennt. K. Sch.

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