Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 31.1932

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lieferte Form durch Anwendung moderner Konstruktionen. Das Anbauhaus, wie es hier vor-
geschlagen wird, ist ein zweigeschossiges Haus mit hochgelegenem souterrainartigem Keller
und einer geraden Treppe in der Mitte. Es wird von Anfang an in seiner vollen Schale aus-
geführt, zunächst aber nur im Erdgeschoß für Wohnzwecke ausgebaut: die weitere Fertig-
stellung bleibt der Zukunft und den wachsenden Kräften des Besitzers überlassen. Der Typus
wird hier als Doppelhaus vorgestellt und mag in seiner äußeren Gestalt noch einer ver-
feinerten Durchbildung bedürfen: für die Wohnansprüche der arbeitenden Bevölkerung
bietet er mit seinem reichlichen Rauminhalt unbestreitbare Vorzüge.
Besteht das Problem, das hier zur Debatte gestellt wird, zu Recht, so werden die mannig-
fachen Anregungen, die in seiner vorläufigen Bearbeitung verstreut sind, mit dazu bei-
tragen, es einer endgültigen Lösung entgegenzuführen.

Ausstellungsnotizen

Zum 85. Geburtstag Max Liebermanns veranstaltet Hugo Helbing in den Räumen der
ehemaligen Galerie J. Casper vom 16. Juli ab eine Ausstellung des graphischen Werkes,
nachdem eine schöne Ausstellung von Bildern und Drucken Max Slevogts vorange-
gangen war.

Der Hamburger Kunstverein zeigt im Juli in seinen Ausstellungsräumen neue eng-
lische Kunst.

Neues aus Amerika

von HERMANN POST (New York)

Das Museum of Modern Art ist in ein eigenes geräumiges Heim übergesiedelt. Die wäh-
rend der zwei Jahre des Bestehens veranstalteten fünfzehn Ausstellungen wurden von
mehr als vierhunderttausend Personen besucht. Die erste Ausstellung im neuen Gebäude
war den Wandmalereien nicht akademischer amerikanischer Künstler gewidmet. Sie war
insofern zeitgemäß, als die „Radio City" oder „Rockefeiler Centre" genannten riesigen
Gebäudeblocks an der Fifth Avenue mit Wandbildern geschmückt werden sollen und die
Frage der Auftragsvergebung im Mittelpunkt öffentlicher Erörterungen steht. Das Resultat
der Ausstellung ist furchtbar. Das Überraschendste ist eine Bildergruppe kommunistischer
Maler. Unter Benutzung der Requisiten von George Grosz sieht man Rockefeller, Ford,
Morgan und andere Reiche an üppigen Tischen sitzen, während zu ihren Füßen mit Gas-
masken versehene Soldaten verhungernde Menschen niederknallen. Dabei ist es vor allem
Rockefellersches Geld, das diese Ausstellung ermöglicht hat. Zuerst wollte man die Bilder
nicht zulassen; es wurde jedoch mit einer Protestausstellung gedroht. Übrigens wird eben
jetzt das im Bau befindliche „Rockefeiler Centre" von einem Bauarbeiterstreik heim-
gesucht. Dreißig- bis vierzigtausend Arbeiter sind im Streik. Es handelt sich darum, ob
der Arbeiter 10 Dollar oder 11,50 Dollar für den Tag erhalten soll.

Daß die Amerikaner auch sonst ihren Spaß haben, bewies am Tage der Museumseröff-
nung ein Vortrag der deutschen Malerin Hilla Rebay von Ehrenwiesen in den Räumen
der Guggenheims im Hotel Plaza. Die Malerin stellte die Entwicklung der Malerei von
deren Anfängen bis zur Gegenwart dar, indem sie den Zuhörern ein bestimmtes Bild
in allen Stilen der Jahrhunderte und der letzten Jahrzehnte mit Kreide auf eine Tafel
zeichnete. Das Ganze gipfelte in einer Verherrlichung Kandinskys und Rudolf Bauers.

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