Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 31.1932

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Slevogts Lebensweise

von KARL SCHEFFLER

Mit Zeichnungen aus Briefen an seinen Verleger Bruno Cassirer

ntime Lebenszüge eines Künstlers kennen zu lernen,
die ihn seelisch erklären helfen: das hat einen eige-
nen Reiz. Entscheidend für die Beurteilung des
Künstlerischen ist eine solche Kenntnis ja nicht;
denn ähnliche Eigenschaften könnte auch ein Künst-
ler haben, der nur einen Bruchteil des Talents sein
Eigen nennt. Was psychologisch interessiert, hat
immer nur in zweiter Linie Geltung. Dort aber
kann es aufschlußreich sein.

Uber Slevogts Talent, über seine Art der Gestaltung,
über seine Formenwelt ist hier drei Jahrzehnte lang
immer wieder gesprochen worden. Das ganze Lebenswerk ist mit kriti-
schen Berichten begleitet worden. Darum darf jetzt wohl einmal von mensch-
lichen Eigenheiten die Rede sein. Auch um falcher Legendenbildung vor-
zubeugen.

In Slevogts Naturell war viel ursprüngliche Wildheit. In der Jugend, wäh-
rend der Münchner Zeit äußerte sie sich in einem ungezügelten Leben
mit langen und heftigen Gelagen, athletischen Kraftstücken und mit Wut-
ausbrüchen, die es erklären, warum so viele Bilder jener Zeit geflickte Löcher
haben. Slevogt soll diese Bilder in seiner Erregung einfach zerschlagen haben.
Er ist seiner Frau zeitlebens dankbar gewesen, weil sie ihn vor diesem
Treiben und vor sich selbst gerettet hat; zu einer Zeit, als sich schon be-

„Lcider hat sich mein Knie so verschlimmert, auf der Rückfahrt, daß ich nun schon die
ganzen acht Tage zu Bett liegen muß und es mir am liebsten abbeißen möchte, wie
der Fuchs in der Falle."

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