Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 31.1932

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Vorbericht der Kunstversteigerungen

Für den 26. Februar bereitet die Firma Hollstein & Puppel die Versteigerung einer
Sammlung von etwa dreihundert Gemälden und Zeichnungen meist deutscher Künstler
aus der Zeit von 1800—1860 vor, also aus jener Epoche neuer Formeriindung und rück-
schauender Sehnsucht, der die Katastrophe des Glaspalastbrandes kostbare Dokumente
geraubt hat. Dadurch gerade gewinnt die Ausstellung der Romantiker und Nazarener
mit zahlreichen Beiträgen aus dem Besitz des verstorbenen Malers Bernd Grönvold
(zum großen Teil bei dessen Museumsleihgabe nicht ausgestellt) ihre besondere Bedeu-
tung für die Kunsterkenntnis der Romantik. Unter den Gemälden Wasmanns muß das
Doppelbildnis der Frau und Tochter des Künstlers hervorgehoben werden, das Brustbild
eines Mannes mit Fez, den man durch einen Brief Wasmanns zu identifizieren versucht
und vor allem der Kopf eines Mädchens, deren rötliche Iiaarreflexe mit einer lockeren,
gar nicht abstinenten malerischen Bewegtheit gegeben sind. Von strenger Gehaltenheit
ist dagegen das Porträt der Gattin Franz von Rohdens, dessen Vater, Martin von Rohden,
durch gute Landschaften vertreten ist. Auch von dem Hamburger Johann Beckmann ge-
winnt man eine neue Vorstellung. Aber die wichtigste Begegnung ist ein in seiner We-
sentlichkeit bannendes Porträt von Runge, das Bildnis eines Unbekannten.
Am 24. und 25. Februar wird von der gleichen Firma die Sammlung eines Fürsten
ausgeboten werden, dessen im Katalog hervorgehobene „Kunstliebe" sich tatsächlich
durch die gute Auswahl und vorzügliche Frische der Bilddrucke, zwischen 1780 und 1850,
dokumentiert: dekorative Stiche von Morland-Ward, zwei „Cries of London" von Wheatley,
Blätter von Smith, Bartolozzi, die vollständige Freudeberger-Folge des „Monument du
Costume" und andere Seltenheiten des französischen i8e, eine Reihe farbiger Empire-
Drucke auf Seide, die beliebten Serien der englischen Sportblätter und die fast voll-
ständigen Jagdfolgen von Ridinger. Ebenso umfangreich ist die Sammlung von Steindrucken,
Städteansichten, Kostümblättern, historischen und kulturkundlichen Darstellungen.
Paul Graupe wird am 2Ö./27- Februar gemeinsam mit Hermann Ball die Versteigerung
der Sammlung „Dr. E. W.-Berlin" durchführen: Kunstgewerbe des sechzehnten bis acht-
zehnten Jahrhunderts, vor allem flandrische und französische Tapisserien, deutsche Möbel
der Renaissance und französische des i8e, altes Silber, Porzellane, Fayencen, Limoges-
Arbeiten, deutsche Gläser, Buchs-Schnitzereien, französische Goldemaildosen und Haupt-
blätter des englischen und französischen Farbstichs.

Anfang März wird Graupe die Gemälde-Sammlung eines Berliner Sammlers ausbieten,
darunter wichtige Werke französischer und deutscher Impressionisten, von denen Lieber-
mann und Corinth besonders reich vertreten sind; außerdem ein berühmtes Herren-
porträt von Leibi, drei Landschaften von Courbet, zwei Stilleben von Renoir, zwei
Pastelle von Degas, Zwei Bilder von Pissarro, Bronzen von Maillol und Renoir.
Die bereits früher angezeigte Auflösung der bekannten Sammlung Ibach-Barmen (die
graphischen Hauptwerke des deutschen Expressionismus und zahlreiche Aquarelle von
Paul Klee) wird im Anschluß an diese Gemälde-Auktion stattlinden.

Herr Graupe hat sich wieder der Künstlerhilfe durch Veranstaltung einer Auktion von
Werken lebender deutscher Künstler zur Verfügung gestellt, die sich manche Erfahrungen
der vorjährigen zunutze macht: der Rahmen der Versteigerung soll etwas weiter gespannt
werden und die etwa dreihundert Objekte werden nicht limitiert sein. Der Erlös, der
hoffentlich dem guten Plan entsprechen wird, fällr, wie im vorigen Jahr, den Künstlern
ungekürzt zu.

Am 1. März findet bei Rudoph Lepke eine Versteigerung von Antiquitäten und Ge-

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