Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 31.1932

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mälden alter Meister aus Privatbesitz statt: dabei ein datiertes Bild von Carel Dujardin,
Gemälde von Netscher, Ostade, Slingeland, eine von Lingelbach staffierte Landschaft
von Verboom, ferner chinesisches und Meißner Porzellan mit den Herkunftsnummern
des Dresdner Johanneums.

Die Firma Rudolph Lepke wird am 15. März Gemälde und Kunstgewerbe aus dem
Besitz des Berliner Regierungsbaumeisters Adolf Wollenberg ausbieten. Unter den hol-
ländischen Gemälden sind zwei Bildnisse eines Ehepaars von Nicolaes Maes in den
alten holzgeschnitzten Rahmen, Landschaften und Figurenbilder von Jacob van Ruisdael,
van Goyen, van Ceulen, Sorgh, Brekelenkam, Mieris, Tcniers, Ostade, Molenaer, van
der Poel; eine kleine Madonna von Isenbrant, ein Engelskopf von Botticini in einem
Rahmen der Zeit; dekorative englische Bilder des achtzehnten Jahrhunderts, venezianische
Veduten von Guardi und Marieschi und eine in der Litaratur erwähnte und abgebildete
Studie von Giovanni Battista Tiepolo zu einem langgestreckten Fries. Unter den Aus-
stattungsstücken sind vor allem zwei Wandteppiche zu erwähnen, der eine eine fran-
zösische Petir-Point-Arbeit um 1560—1570 mit den Stilmerkmalen dieser Übergangs-
periode, der andere eine oberitalienische Tapisserie aus der zweiten Hälfte das sechzehnten
Jahrhunderts mit heraldischer und naturalistischer Ornamentik. Am 23. Februar sollen
Gemälde neuer Meister, zugleich mit einer bedeutenden Breslauer Menzel Sammlung, ver-
steigert werden. E.

Neue wesentliche Bücher

Heinrich Bodmer: Leonardo. Des Meisters Gemälde und Zeichnungen in 360 Abbil-
dungen. Klassiker der Kunst, 37. Band. Stuttgart und Berlin, Deutsche Verlagsanstalt, 1931.
Die letzten Jahre haben eine ganze Reihe von Darstellungen des Lebenswerkes Leonardos
gebracht: die Biographie von Edmund Hildebrandt, das kritische Werk von Oswald Siren,
das auch den Schülerkreis des Meisters weitgehend berücksichtigende Buch von Wilhelm
Suida, endlich den das Material in guten Abbildungen zusammenfassenden Band von
Bodmer. Die genannten Arbeiten, denen noch andere, minder wichtige, anzuschließen
wären, lassen sich auf keinen gemeinsamen Nenner bringen. So erfreulich auch die Fülle
der Gesichtspunkte ist, unter der die Forschungen vorgenommen wurden, so wenig läßt
sich ein gesichertes und alle Etappen des künstlerischen Wegs umreißendes Bild von der
Persönlichkeit Leonardos gewinnen.

Die Leonardo-Forschung hat lange nur Zuschreibungen und Datierungen gesehen, erst
in neuerer Zeit hat der Versuch, den Weg seiner leitenden Gedanken nachzuzeichnen,
auch wenn sich diese nicht mit eigenhändig ausgeführten Werken in Verbindung bringen
ließen, fruchtbare Ergebnisse gezeitigt. Innerhalb dieser Entwicklung stellt das Buch
Bodmers ein Kompromiß beider Methoden dar. Es referiert mehr als es neu gestaltet.
In wesentlichen Teilen ist es nicht viel weiter gekommen als etwa Giovanni Poggi in
seinem bereits 1919 erschienenen Werk. Zu den bei Poggi aufgeführten elf eigenhändigen
Gemälden Leonardos ist trotz neuer Attributionen — man vergleiche etwa Suida — kein
Bild hinzugekommen, das völlig überzeugte. Von Suida dagegen hat es der Verfasser
begrüßenswerterweise übernommen, die unter Einfluß Leonardos entstandenen Schulbilder,
bzw. auch verschollene, aber durch Urkunden oder Zeichnungen belegte Werke aufzu-
führen, also das Weiterleben seiner Kompositionsideen im Werke seiner Schüler an-
schaulich zu machen. Bei den Zeichnungen wurde leider ein Prinzip der Klassiker der
Kunst-Bande aufgegeben, dem gerade diese Buchserie ihre Popularität verdankt: das

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